US-Armee "Al Sarkawi hat den Angriff überlebt"


Der Terrorist Abu Mussab al Sarkawi ist offenbar doch nicht beim US-Luftangriff ums Leben gekommen, sondern erst danach verstorben. Medizinische Hilfe erreichte den schwer Verletzten im hermetisch abgeriegelten Gebiet jedoch nicht.

Der irakische Al-Kaida-Chef Abu Mussab al Sarkawi ist der US-Armee lebend in die Hände gefallen. Offiziellen Angaben zufolge starb der meistgesuchte Rebellen-Anführer des Landes, nachdem US-Soldaten an seinem Unterschlupf nördlich von Bakuba angekommen waren. Die US-Armee und die irakische Regierung hatten zunächst erklärt, Sarkawi sei bei dem Bombenangriff der US-Luftwaffe getötet worden. Sie feierten das Ereignis als wichtigen Schritt zur Befriedung des Landes. Aber auch am Tag danach riss die Gewalt nicht ab. Die radikal-moslemischen Rebellen in Afghanistan schworen Rache für Sarkawis Tod und kündigten an, ihren Kampf gegen die Kreuzfahrer in der gesamten moslemischen Welt fortzusetzen.

Der tödlich verletzte Sarkawi sei noch bei Bewusstsein gewesen, als die US-Truppen nach ihren irakischen Verbündeten an dem bombardierten Haus eingetroffen seien, sagte US-Generalmajor William Caldwell am Freitag dem US-Sender Fox News. "Wir wussten davon gestern noch nichts", fügte er hinzu. Seiner Darstellung zufolge hatten die irakischen Soldaten den noch lebenden Sarkawi auf eine Trage gelegt. Der Al Kaida-Chef sei kurz nach dem Eintreffen der US-Soldaten gestorben. "Er war den Angaben der US-Soldaten zufolge, die ihn tatsächlich sahen, zunächst bei Bewusstsein", sagte Caldwell. "Offenbar nahm er auch noch wahr, wer sie waren. Er versuchte, sich von der Trage herunter zu rollen und zu flüchten, als er begriff, dass es US-Soldaten waren." Bewohner der Kleinstadt Hibhib hatten zuvor berichtet, nach dem Angriff sei die Region hermetisch abgeriegelt und der Verkehr gestoppt worden. Selbst Ambulanzen seien von den Sicherheitskräften aufgehalten worden.

Hoffnungen auf mehr Sicherheit

Die Tötung des nach Al Kaida-Chef Osama bin Laden meistgesuchten Extremisten hat im Irak große Hoffnungen geweckt, die Sicherheitslage ließe sich nun stabilisieren und die Spannungen zwischen den Religionsgruppen des Landes würden abflauen. "Die Tötung Sarkawis bedeutet einen neuen Anfang für die irakische Sicherheit und unsere Arbeit für Frieden zwischen den verschiedenen Gruppen unserer Gesellschaft", bekräftigte Innenminister Dschauad al Bolani am Freitag.

Noch am Tag der Bekanntgabe des Ereignisses wurden jedoch mehr als 31 Menschen bei Anschlägen getötet. In der Hauptstadt wurde zudem ein hochrangiger Mitarbeiter des Ölministeriums auf offener Straße verschleppt. Wie die Polizei am Freitag in der irakischen Hauptstadt mitteilte, wurde der für Ölprojekte zuständige Generaldirektor auf dem Weg zur Arbeit entführt. Er war im sunnitischen Bezirk Adhamija unterwegs, als Bewaffnete das Auto stoppten. Das Ölministerium gilt als eines der Schlüsselressorts für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes. Infolge des Irak-Krieges von 2003 und zahlreicher Sabotageakte ist der Ölexport - einst eine sprudelnde Einnahmequelle des Golfstaates - stark beeinträchtigt.

Behörden verhängten Fahrverbote

Zur Vorbeugung gegen Racheakte verhängten die Behörden am Freitag zudem mehrstündige Fahrverbote in Bagdad und in Bakuba. Selbstmordattentäter hatten unter Führung Sarkawis in der Vergangenheit mehrfach schiitische Moscheen angegriffen und den Irak damit an den Rand eines Bürgerkriegs gebracht.

Der afghanische Rebellen-Anführer Mullah Mohammed Omar gelobte, Sarkawis Einsatz fortzusetzen: "Der Widerstand gegen die Kreuzfahrer-Truppen in Afghanistan und anderen Teilen der islamischen Welt wird nicht geschwächt werden." In der von einer afghanischen Nachrichtenagentur veröffentlichten Stellungnahme des Taliban-Chefs hieß es zudem: "Viele, viele andere junge Männer können Sarkawis werden."

Die Taliban haben vor allem im Süden und Osten Afghanistans ihre Angriffe in jüngster Zeit deutlich verstärkt. Im Norden sind deutsche Soldaten stationiert, die im Rahmen eines Nato-Einsatzes beim Wiederaufbau des Landes helfen.

Reuters/DPA DPA Reuters

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