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Irak: Polizisten verweigern Dienst am Wahltag

Mit einem "Krieg" will Terroristenführer al Sarkawi die Wahlen im Irak verhindern. Die Drohung zeigt Wirkung: Polizisten quittieren ihren Dienst, weil sie Wahlokale bewachen sollen.

In sechs Tagen, am 30. Januar, findet im Irak die erste demokratische Parlamentswahl seit fast 50 Jahren statt. Extremisten hatten angekündigt, alles zu unternehmen, um den Urnengang zu verhindern. Der jordanische al Kaida-Verbündete Abu Mussab al Sarkawi drohte den Irakern jüngst sogar mit einen regelrechten Krieg: "Wir haben gegen das demokratische Prinzip und alle, die es durchsetzen wollen, einen erbitterten Krieg erklärt."

Anschlag galt Allawi

Al Sarkawi bewies erneut, das dies keine leeren Drohungen sind. Am Montag sind bei einem Autobomben-Anschlag in der Hauptstadt Bagdad mindestens zehn Menschen verletzt worden. Direkt nach dem Anschlag tauchte auf einer Islamisten-Internetseite ein Bekennerschreiben der irakischen Terrorgruppe al Sarkawis auf. Darin hieß es, ein Selbstmordattentäter habe die "Partei der Heuchelei" erfolgreich angegriffen.

Eigentliches Ziel des Anschlags war offenbar eine Sicherheitskontrolle an der Straße, die zum Büro von Ministerpräsident Ijad Allawi führt. Allawi sei allerdings nicht in der Nähe gewesen, als der Sprengsatz explodierte, sagten Mitarbeiter seines Büros. Dem Gesundheitsministerium zufolge waren drei Zivilisten unter den Verletzten. Sieben der Opfer seien Polizisten.

Polizisten quittierten Dienst

Die Kriegs-Taktik al Sarkawis blieb bisher nicht ohne Konsequenzen. In Bedschi quittierten 25 Polizisten den Dienst, als ihnen mitgeteilt wurde, dass sie Wahllokale bewachen sollen. Die Angst der Polizisten ist nicht unbegründet: Am Sonntag hatten Aufständische bereits einen Sprengsatz vor einem Wahllokal in Hilla, 100 Kilometer südlich von Bagdad, gezündet und dabei nach Polizeiangaben einen Wächter getötet. Insgesamt verübten Aufständische in der Nacht zum Montag Anschläge auf mindestens drei Wahllokale in der nördlichen Provinz Salaheddin. Allawi hatte kürzlich erst erklärt, alles zu tun, um die 5000 Wahllokale am kommenden Wochenende "gegen die teuflischen Kräfte, die entschlossen sind, dem Irak zu schaden", zu schützen.

Ägypter wurde auf offener Straße erschossen

Al Sarkawis Gruppe, die als Speerspitze der irakischen Aufständischen gilt, verübt fast täglich Anschläge, hat wiederholt Politiker ermordet und ausländische Geiseln enthauptet. Erst am Sonntag tauchte im Internet ein Video auf, das die Ermordung eines in Irak entführten Ägypters zeigt. Auf dem Video ist zu sehen, wie der 39-jährige Lastwagenfahrer auf offener Straße am helllichten Tag erschossen wird. Es war nicht klar, wann die Aufnahmen entstanden sind und die Entführung geschah. Auf Grund von Dokumente, die in dem Film auftauchen, wird ein Zeitpunkt Anfang Januar vermutet. Sicher ist, dass auch diese Attentäter der irakischen Al Kaida Gruppe des Terroristenführers al Sarkawi angehören. Allerdings konnte die Echtheit der Aufnahmen bisher nicht bestätigt werden.

Vor seiner Ermordung rief der Ägypter alle Fahrer und Mitarbeiter seiner kuwaitischen Firma auf dem Videoband auf, nicht in den Irak zu kommen. Der Mann namens Ibrahim Mohammed Ismail erklärte, er habe einem Konvoi von 20 Lastwagen angehört, der Versorgungsgüter zu den US-Truppen nach Ramadi bringen sollte. Er habe eine Panne gehabt, sei von dem Konvoi zurückgelassen und dann verschleppt worden.

Wegen der Gewalt haben bereits viele Sunniten einen Aufschub der ersten Wahlen seit dem Sturz von Präsident Saddam Hussein gefordert. Dies lehnt Allawi ab.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters