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US-Präsident Obama in Moskau: "Amerika wünscht sich ein starkes Russland"

Für den wahren starken Mann in Russland nahm sich US-Präsident Barack Obama nur kurz Zeit: Er frühstückte mit dem russischen Premierminister Wladimir Putin und machte sich dann sofort auf, um vor Studenten seine mit Spannung erwartete Grundsatzrede zu halten.

US-Präsident Barack Obama hat am zweiten Tag seines Russland-Besuchs zur Überwindung des gegenseitigen Misstrauens aufgerufen. "Amerika wünscht ein starkes, friedliches und wohlhabendes Russland", sagte Obama am Dienstag in einer Rede vor Studenten in Moskau. Die Welt brauche Russland als eine moderne Großmacht, die vom Denken in alten Kategorien des Kalten Krieges Abschied nehme. Die beiden alten Rivalen aus der Ära des Kalten Krieges hätten gemeinsame Interessen, die die Grundlage ihrer Zusammenarbeit bildeten.

Obama warnte eindringlich vor der Weiterverbreitung von Nuklearwaffen. Dies müsse verhindert werden. Dazu müsse Einigkeit zwischen Moskau und Washington herrschen. Er rief Russland zu gemeinsamen Anstrengungen in den Atomstreitigkeiten mit dem Iran und Nordkorea auf. "Wenn die Bedrohung durch das iranische Atom- und Raketenprogramm wegfällt, gibt es keine Notwendigkeit für ein Raketenabwehrsystem in Europa." Russland sieht in dem Raketenschutzschirm, von dem Teile in Polen und Tschechien stationiert werden sollen, eine direkte Bedrohung seiner Sicherheit. Nordkorea und der Iran müssten daran gehindert werden, ihre Nuklearpläne weiter voranzutreiben. Es sei wichtig, dass internationales Recht und internationale Abkommen respektiert würden. Verletzungen müssten bestraft werden.

In seiner Vision einer modernen Welt beschwor Obama den Wert von Bildung und Kreativität. "Die Zukunft gehört nicht jenen, die Armeen auf dem Schlachtfeld aufstellen oder Raketen aufstellen." Die besten Chancen hätten stattdessen gebildete und fantasievolle junge Menschen. Erfolg im 21. Jahrhundert sei abhängig von Volkswirtschaften, die nach den Regeln des Rechtsstaats funktionierten, sagte Obama und griff damit Äußerungen von Präsident Dmitri Medwedew über die Korruption in Russland auf.

Der Respekt vor der nationalen Souveränität ist nach den Worten Obamas ein Kernstück der internationalen Ordnung. Das gelte für die USA und Russland, aber auch für Georgien und die Ukraine. Der US-Präsident betonte, dass die Nato die Zusammenarbeit mit Russland suche und nicht die Konfrontation.

Treffen mit Putin

Vor seiner mit Spannung erwarteten Grundsatzrede war US-Präsident Barack Obama am Morgen erstmals mit dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin zu einem Gespräch zusammengetroffen. Beide drückten die Hoffnung aus, die Beziehungen zwischen Russland und den USA künftig auf eine neue Basis stellen zu können. Obama sagte, beide Länder könnten ihre Beziehung mit gegenseitigem Respekt und regelmäßigen Konsultationen verbessern. Putin entgegnete, dass es im beiderseitigen Verhältnis eine neue Ära guten Willens gebe. Er freue sich, die Gelegenheit zu haben, Obama kennenzulernen, sagte Putin. Obama, der Putin an einem klaren und sonnigen Morgen in dessen Residenz Nowo-Ogarjowo in der Nähe von Moskau besuchte, dankte dem Regierungschef zunächst, dass er nach Tagen kalten Regens in Moskau für besseres Wetter gesorgt habe.

Obama sagte, er wisse von der "bemerkenswerten Arbeit", die Putin für Russland früher als Präsident geleistet habe und jetzt als Regierungschef leiste. Putin sagte, er sei "sehr froh", Obama erstmals zu treffen. Beide Politiker waren sich seit dem Amtsantritt des US-Präsidenten im Januar 2009 noch nicht begegnet. Allerdings hatte es im Vorfeld des Besuchs ein verbales Fernduell gegeben. Auf Obamas Äußerung gegenüber US-Journalisten, Putin stehe sinngemäß mit einem Bein in der Vergangenheit, hatte der Ex-Kremlchef entgegnet, er stehe fest auf beiden Beinen und schaue in die Zukunft.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters