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US-Republikaner: "Gustav" wirbelt Wahlparteitag durcheinander

Schlechte Stimmung bei den US-Republikanern: Mit Rücksicht auf Wirbelsturm "Gustav" hat der designierte Präsidentschaftskandidat John McCain das Eröffnungsprogramm für den Parteitag auf ein Minimum reduziert.

Unter dem Eindruck des Hurrikans "Gustav" hat am späten Montagabend in St. Paul der Nominierungsparteitag der US-Republikaner begonnen, auf dem Senator John McCain offiziell zum US-Präsidentschaftskandidaten der Partei gekürt wird. Wegen des Wirbelsturms war die Parteitagsplanung über den Haufen geworfen worden. Statt einer glanzvollen Eröffnung mit Präsident George W. Bush und seines Vizepräsidenten Dick Cheney wurde die viertägige Versammlung im Staat Minnesota eher geschäftsmäßig-protokollarisch eröffnet.

McCain zeigte sich indes erleichtert, dass "Gustav" weniger stark als erwartet auf die Küste des US-Staats Louisiana traf. "Das ist eine überwältigende Sache. Lasst uns hoffen und beten, dass es nicht so schlimm sein wird." McCain räumte eine gewisse Enttäuschung darüber ein, dass das Wetter die Parteitagsplanungen durcheinander gebracht habe. "Das ist einer dieser Augenblicke in der Geschichte, in denen man Amerika den Vorrang geben muss", sagte er.

Statt Bush und Cheney sollten nun First Lady Laura Bush und McCains Frau Cindy auf einer Podiumsdiskussion über mögliche Hilfe für Hurrikan-Opfer sprechen. McCain kündigte an, auf parteipolitischen Streit verzichten zu wollen, solange "Gustav" das Leben von Menschen bedroht. "Dies ist die Zeit, in der wir unsere Parteipolitik hinten anstellen und als Amerikaner agieren", betonte er. Hurrikan "Gustav" erreichte ausgerechnet am Eröffnungstag der Parteiversammlung die US-Golfküste, die sich noch nicht vollständig von den Schäden erholt hat, die vor drei Jahren der Wirbelsturm "Katrina" New Orleans und anderen Städten zufügte. Das zögerliche Krisenmanagement der Regierung Bush damals ist bis heute eine ihrer am nachhaltigsten im öffentlichen Bewusstsein gebliebenen Fehlleistungen.

Bush reiste statt nach St. Paul im nördlichen Minnesota ins 1600 Kilometer südlich gelegene Texas, um eventuellen Katastrophenschutzeinsätzen nahe zu sein. "Ich erwarte unbedingt, dass die Fehler von 'Katrina' nicht noch einmal gemacht werden", gab McCain seinem Parteifreund mit auf den Weg.

Der Hurrikan machte eine Parteitagsregie zur Makulatur, die nach der glanzvollen Inthronisation von McCains demokratischem Rivalen Barack Obama in der vorigen Woche die in Umfragen verlorenen Punkte wieder zurückholen sollte. Auch McCains Überraschungscoup mit der Benennung der jungen Gouverneurin Sarah Palin zu seiner Vizepräsidentschaftskandidatin wurde erst einmal aus den Schlagzeilen gedrängt. Für Aufregung sorgte unmittelbar vor Beginn des Parteitags die Nachricht, dass Palins 17-jährige Tochter schwanger ist. Ihre Tochter Bristol werde das Kind austragen und den Kindsvater heiraten, erklärten Sarah Palin und ihr Mann Todd. Sie seien stolz darauf, Großeltern zu werden, hieß es in der vom Wahlkampfteam veröffentlichten Erklärung. Das Kind soll im Dezember zur Welt kommen.

AP / AP