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Parteitag der Demokraten: Kranker Kennedy rührt Delegierte

Er ist der letzte Überlebende der legendären Kennedy-Brüder, der letzte Botschafter vom Hofe seines Bruders John F. - und er ist schwer krank. Auf dem Parteitag der US-Demokraten hat US-Senator Ted Kennedy eine bewegende Rede gehalten - und für Barack Obama geworben.

Der schwer kranke Senator Edward Kennedy hat mit einem Auftritt beim Wahlparteitag der US-Demokraten Begeisterung und Tränen ausgelöst. Die mehr als 5000 Delegierten in Denver im US-Bundesstaat Colorado brachen in Jubel aus, als der 74-Jährige ans Podium trat. Langsam sprechend und von seinem Krebsleiden sichtlich geschwächt sagte der Senator Präsidentschaftskandidat Barack Obama seine Unterstützung zu. "Barack Obama steht für den Wandel, den wir brauchen", sagte Kennedy.

Kennedy, der einzige Überlebende der Kennedy-Brüder, ist seit über 40 Jahren Senator und gilt als einer der einflussreichsten und populärsten Politiker der Demokraten. Nach einem Zusammenbruch war ihm im Juni ein Gehirntumor entfernt worden. Seitdem hat sich Kennedy aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Wegen der Krebsbehandlung ist sein Immunsystem geschwächt, Ärzte raten daher von engen Kontakt mit Menschenmassen ab.

"Nichts, nichts konnte mich davon abhalten, zu diesem ganz speziellen Parteitag heute Abend zu kommen", sagte Kennedy. Viele der Delegierten mussten mit Tränen der Rührung kämpfen. Er werde im Januar im Senat dabei sein, wenn Barack Obama "in das Präsidentenamt eingeführt wird", sagte Kennedy. Die Kandidatur Obamas sei "ein Zeichen der Hoffnung für Amerika". Was Obama anstrebe, bedeute die "Erneuerung der Nation". Erneut bekräftigte Kennedy seine Ablehnung des Irakkrieges. Auf dem Parteitag wurde auch ein Film zu Ehren Kennedys gezeigt, der als Idol der liberalen Bewegung in den USA gilt und die politische Dynastie des einst als Hoffnungsträger gewählten Präsidenten John F. Kennedy verkörpert.

Partei verabschiedet Programm

Zum Auftakt ihres Parteitags in Denver haben die Demokraten in den USA ein Wahlprogramm verabschiedet, das zentrale Forderungen des designierten Präsidentschaftskandidaten Barack Obama enthält. Dazu gehören der Abzug der US-Kampftruppen aus dem Irak innerhalb von 16 Monaten, ein Paket zur Belebung der Konjunktur, eine allgemeine Krankenversicherung und höhere Steuern für Haushalte mit einem Jahreseinkommen von mehr als 250.000 Dollar (170.000 Euro). Nach dem erbitterten Vorwahlkampf zwischen Obama und Hillary Clinton ist die Partei jetzt um Geschlossenheit bemüht. "Wir sind geeint und wir stehen zusammen und sind entschlossen", sagte die New Yorker Senatorin Clinton am ersten der vier Versammlungstage.

Auch Expräsident Jimmy Carter trat am Montag auf der Parteitagsbühne auf. Vizepräsidentschaftskandidat Joe Biden traf ebenfalls bereits am Montag in Denver ein, während Obama noch auf Wahlkampftour in Missouri ist. Von Kansas City aus sollte er am Montag über eine Satellitenverbindung zugeschaltet werden. Höhepunkt des Parteitags ist die Wahl Obamas zum Präsidentschaftskandidaten und seine anschließende Rede, in der er die Wahl annimmt. Um ihm dafür ein möglichst großes Podium zu bieten, wurde diese Rede in ein Stadion in Denver verlegt, das Platz bietet für 75.000 Menschen. Die Wahl des Kandidaten beginnt am Mittwochabend, wenn die Delegierten der einzelnen US-Staaten ihre Stimmen abgeben. Die Parteitagsregie sieht dem Vernehmen nach vor, dass die Delegierten zunächst sowohl ihre Stimmen für Obama und Hillary Clinton abgeben. Dann aber soll Clinton ihre Delegierten aufrufen, für Obama zu stimmen.

30 Prozent der Clinton-Anhänger wollen McCain wählen

Obama zeigte sich am Montag überzeugt, dass seine ehemalige innerparteiliche Rivalin sowie deren Ehemann Bill nun voll hinter ihm stehen. Die Clintons hätten ihm ihre Unterstützung nicht deutlicher zeigen können, sagte Obama nach einem Wahlkampfauftritt in Iowa. Er habe Verständnis dafür, dass nach dem heftig geführten innerparteilichen Wahlkampf einige von Clintons Anhängern nun zögerten, ihn zu unterstützen. Der Parteitag in Denver werde jedoch dazu beitragen, die Demokratische Partei wieder zu einen und ihr die für einen Wahlsieg am 4. November notwendige Geschlossenheit geben, sagte Obama. Nach jüngsten Umfragen wollen immer noch 30 Prozent der Anhänger Clintons den republikanischen Kandidaten John McCain wählen oder überhaupt nicht zur Wahl gehen. In den landesweiten Umfragen hat McCain zuletzt deutlich aufgeholt und liegt nun gleichauf mit Obama. Die Republikaner kommen in der nächsten Woche in St. Paul in Minnesota zu ihrem Parteitag zusammen.

AP/DPA / AP / DPA