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Sanktionen nach Hackerangriff Wladimir Putin lässt Trump schon jetzt alt aussehen

Donald Trump und Wladimir Putin
Erster Test der künftigen Beziehungen zwischen Donald Trump (l.) und Wladimir Putin: Werden die USA die Sanktionen gegen Russland beibehalten?
© AFP
Russland verzichtet nach der Ausweisung seiner Diplomaten aus den USA auf Gegenmaßnahmen. Eine nette Geste? Wohl kaum. Wladimir Putin nutzt nur seine Chance, sich einen Vorteil gegenüber dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump zu verschaffen.

Die USA weisen 35 mit Diplomatenpass ausgestattete russische Bürger aus - als Reaktion auf die Hackerangriffe während der Präsidentenwahl. Den Schuldigen vermutet die Regierung von Barack Obama in Moskau, weshalb sie Sanktionen gegen die ungeliebte Großmacht verhängt hat. So hatte es der US-Präsident angekündigt und so setzt er es nun um. Und was macht sein Kollege im Kreml? Wladimir Putin lässt Milde walten und verzichtet auf die sonst üblichen Gegenmaßnahmen. Ein Weihnachtsgeschenk (das orthodoxe Russland feiert erst am 7. Januar) aber ist das nicht. Putin, der gewiefte Taktiker, nutzt nur eine hübsche Gelegenheit, sich bequem an den längeren Hebel zu setzen.

Wladimir Putin testet Donald Trumps Schmeicheleien

Denn ganz gleich, was der künftige Mann im Weißen Haus anstellen wird, Putin kann nur gewinnen - im Gegensatz zu den Amerikanern. Wenn Donald Trump in drei Wochen das Amt von Obama übernimmt, wird der Kremlchef Trumps Schmeicheleien vermutlich schnell auf ihre Glaubwürdigkeit abklopfen wollen. Wie das denn jetzt sei mit den neuesten Sanktionen, könnte einer dieser Fragen sein, die Putin nach Washington kabelt. Und als Antwort gibt es eigentlich nur zwei Optionen:

  • Donald Trump, der im Wahlkampf immer voll des Lobes gegenüber Putin war und sich damit gebrüstet hat, das Verhältnis zu Russland zu entspannen, wird die Sanktionen zurücknehmen. Damit wären vielleicht nicht die Hackervorwürfe vom Tisch, aber Putin stünde als derjenige dar, dem Unrecht angetan wurde.
  • Donald Trump wird die Sanktionen nicht zurücknehmen. Dann wird Wladimir Putin ihn galant daran erinnern, dass er auf Gegenmaßnahmen verzichtet habe und ihm die Amerikaner nun etwas schuldig seien. Und überhaupt, wie Trump sich die angekündigte Entspannung eigentlich genau vorstelle, wenn er ihm in dieser (und anderen) Angelegenheiten nicht entgegenkomme?

Was auch passiert, Trump steht bereits jetzt unter Zugzwang. Vielleicht weiß er es noch nicht, wie zumindest sein Tweet nahelegt. Darin nannte er Putins Entscheidung "smart". Womit er sicher recht hat, aber schlau ist sie vor allem für Putin selbst. Selbst wenn die beiden sich auf einen gesichtswahrenden Kompromiss einigen könnten, der niemanden wirklich weiterbringt, hat der Kremlchef zumindest Barack Obama auf dessen letzten Metern noch einen mitgegeben. Denn weniger Respekt kann man dem (noch) mächtigsten Mann der Welt nicht zollen, als wenn man ihn mit einem diplomatischen Affront ins Leere laufen lässt. Das neue Jahr fängt schon mal gut an für Wladimir Putin.


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