HOME

US-Soldaten im Irak: Heimkehr im Sarg

Seit Beginn des Krieges haben die US-Truppen im Irak 1000 Mitglieder verloren. Der größte Teil der Soldaten kam erst nach dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen ums Leben.

Im Irak hat am Mittwoch der tausendste US-Soldat sein Leben gelassen. Zusammen mit drei Zivilangestellten des Pentagons stieg die Zahl der im Irak getöteten oder verunglückten US-Militärangehörigen sogar auf 1.003. Die US-Regierung brachte die Zahl mit den Opfern der Terroranschläge vom 11. September in Zusammenhang. Die "zivilisierte Welt" habe schon lange die Zahl von 1.000 Toten durch den Terrorismus überschritten, sagte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Ähnlich äußerte sich ein Sprecher des Weißen Hauses.

Der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, John Kerry, bezeichnete die Zahl 1.000 als "tragischen Meilenstein" der Entwicklung im Irak. Es sei eine heilige Pflicht, alles für die Truppen dort zu tun und dafür zu sorgen, dass sie so schnell wie möglich nach Hause kehren könnten.

Der weitaus größte Teil der Soldaten - über 800 - kam erst nach dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen am 1. Mai 2003 ums Leben, die meisten bei Anschlägen oder im Kampf mit Aufständischen. In der Statistik sind aber auch Unfälle und andere Todesursachen enthalten. Der tausendste Soldat wurde nach Angaben der Streitkräfte am Mittwochmorgen bei der Explosion eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes nahe Balad getötet, einer Ortschaft 60 Kilometer nordöstlich von Bagdad. Zur Zahl der seit Kriegsbeginn getöteten Iraker gibt es keine verlässlichen Angaben, Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International schätzen sie aber auf mindestens 10.000.

Rebellen kontrollieren Teile im Zentralirak

Nach einem Bericht der "New York Times" gehen Spitzenbeamte des US-Verteidigungsministeriums davon aus, dass Aufständische weite Teile des Zentraliraks kontrollieren. Wie das Blatt in seiner Onlineausgabe vom Mittwoch weiter schreibt, ist unklar, wann die Streitkräfte und ihre irakischen Verbündeten diese Gebiete zurückgewinnen könnten. Die massiven Sicherheitsprobleme im Irak könnten sogar den Januartermin für Wahlen im Irak gefährden, hieß es. Hochburgen der Rebellen seien etwa Ramadi, Falludscha, Bakuba und Samarra.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Generalstabschef Richard Myers sagten bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Washington, künftige Erfolge im Kampf gegen Aufständische hingen vom Ausbildungstand der irakischen Soldaten ab. Diese sollen nach US-Vorstellungen bei den Militäroperationen federführend sein. Myers betonte, die irakischen Streitkräfte seien zur Zeit noch nicht in der Lage, die Kontrolle über diese Gebiete bis Ende 2004 zu erkämpfen und auch danach zu verteidigen.

Es sei beunruhigend, dass in bestimmten sunnitischen Regionen bis zum Januar kommenden Jahres nicht die für das Abhalten von Wahlen notwendige Sicherheit hergestellt werden könne. Eine Verschiebung der Wahlen würde aber die Bevölkerung in den Schiitengebieten wütend machen, schrieb die "New York Times". Die USA und die irakische Übergangsregierung wollten ein Strategiekonzept erarbeiten, wie diese Städte von den Rebellen zurückerobert werden könnten.

Währenddessen haben US-Kampfflugzeuge erneut die irakische Rebellenhochburg Falludscha angegriffen. Im Südosten der Stadt gab es heftige Explosionen. Ein US-Militärsprecher sagte, er habe keine Informationen über einen neuerlichen Luftangriff. Am Vortag hatten US-Soldaten bei schweren Gefechten in Falludscha bis zu 100 Aufständische getötet. Ganze Stadtviertel standen in Flammen.

Annan sieht Wahl gefährdet

Nach Ansicht von UN-Generalsekretär Kofi Annan gefährdet die prekäre Sicherheitslage im Irak die für Januar geplante Parlamentswahl. Die Vorbereitungen würden auch dadurch erschwert, dass besonders in den Kommunen eine Wahlverwaltung komplett neu aufgebaut werden müsse, erklärte Annan am Dienstag in einem Bericht an den Weltsicherheitsrat.

Eine vollständige Neuregistrierung der Wahlberechtigten wie in Afghanistan sei bis zum Januar nicht möglich, heißt es in dem Bericht. Daher werde die irakische Wahlkommission versuchen, die Stimmberechtigten anhand der Karteikarten des mittlerweile ausgelaufenen UN-Programms Öl-für-Nahrungsmittel zu identifizieren.

Annan rief die UN-Mitgliedstaaten erneut auf, Truppen für den Schutz der UN-Mission im Irak bereitzustellen. Das UN-Personal arbeite "an der äußersten Grenze des hinnehmbaren Risikos", schreibt der Generalsekretär. Unter den gegenwärtigen Umständen könnten nicht mehr als 35 internationale Mitarbeiter im Irak eingesetzt werden.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters