US-Vorwahlkampf Der weite Weg ins Weiße Haus


Sieben Männer bewerben sich um die Kandidatur der Demokratischen Partei für die Wahl des US-Präsidenten. Wer im November gegen Präsident George W. Bush antreten soll, wird formell Ende Juli beim Parteitag in Boston beschlossen.

Sieben Männer bewerben sich um die Kandidatur der demokratischen Partei für die Wahl des US-Präsidenten, nachdem die Exsenatorin Carol Moseley Braun als einzige Frau bereits ausgeschieden ist und Dick Gephardt seinen Rückzug aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur bekannt gab.

Bei den Vorwahlen bestimmt die Demokratische Partei, wer am 2. November gegen George W. Bush antreten wird. Die erste fand am Montag in Iowa statt (Gewinner John Kerry vor John Edwards). Die letzten Vorwahlen sind am 8. Juni. In den meisten Bundesstaaten werden dafür "Primaries" abgehalten. Die Wähler bestimmen dort ihren Kandidaten entweder direkt oder aber über Abgeordnete. In sechs Staaten, wie in Iowa, wird der Kandidat durch "caucuses" ermittelt. Dabei wählen Parteimitglieder der Ortsgruppen Delegierte zur Unterstützung ihres Wunschkandidaten, die dann auf Bezirksparteitagen Abgeordnete für den Bundesstaat bestimmen. Diese Veranstaltung ist am ehesten mit einem deutschen Landesparteitag zu vergleichen. Allerdings versammeln sich die Parteimitglieder nicht zentral an einem Ort. Sie treffen sich in öffentlichen Gebäuden, Restaurants oder Privathäusern, diskutieren und tragen sich anschließend in Listen ein oder stimmen offen ab.

Finale in Boston

Stets geht es darum, Delegierte zu wählen, die zum Nationalen Parteitag der Demokraten Ende Juli nach Boston reisen. Kalifornien, bevölkerungsreichster Staat der USA, entsendet dorthin 370 Abgeordnete, Delaware 15. Der Präsidentschaftskandidat benötigt insgesamt 2159 Stimmen. Eine Entscheidung kann aber bereits lange vor dem Parteitag fallen: Am 2. März, dem "Super Tuesday", wählen die Demokraten gleich in zehn Bundesstaaten 1151 Delegierte. Eine Woche später wird in weiteren vier Staaten (465 Delegierte) entschieden. Dann könnte bereits ein Kandidat die nötigen Stimmen erreicht haben.

Die verbliebenen Kandidaten der Demokraten im Überblick:

Howard Dean (55),

Internist und Ex-Investmentbanker, Gouverneur in Vermont 1991-2003. Verheiratet, zwei Kinder. Klarer Kriegsgegner. Fordert soziale Politik. Kommt aus wohlhabender Familie. Hat die meisten Wahlgelder der Demokraten gesammelt (40 Millionen Dollar).

John Kerry (60), Jurist, Vietnamkriegsveteran, Senator für Massachusetts seit 1984, verheiratet in zweiter Ehe, zwei Töchter. Kriegsbefürworter, kritisiert aber heftig US-Besatzungspolitik, tritt für Arbeitnehmerrechte und Umweltschutz ein.

Wesley Clark (59),

pensionierter Vier-Sterne-General, NATO- Oberbefehlshaber 1997-2000, verheiratet, ein Sohn. Befürworter des Irak-Kriegs, jetzt Kritiker der Besatzungspolitik. Beklagt Mangel an überzeugender Führung in den USA. Sieht sich als politischer Außenseiter. Einer der Favoriten.

John Edwards (50),

Jurist, Senator von North Carolina, verheiratet, drei Kinder, kommt aus einfachen Verhältnissen, Sozialpolitiker, Freizeit-Fußball-Trainer, moderater Kriegsbefürworter.

Dennis Kucinich (57),

Gerichtsangestellter, Journalist, mit 31 Jahren jüngster Bürgermeister einer US-Großstadt in seiner Heimatstadt Cleveland. Kongressabgeordneter seit 1996, zwei mal geschieden, eine Tochter, Veganer (strenger Vegetarier), entschiedener Kriegsgegner, Sozialpolitik und Umweltschutz im Vordergrund. (Ein Prozent)

Alfred Charles Sharpton Jr. (49),

rebellischer Prediger, afro-amerikanischer Bürgerrechtler. Kriegsgegner. Vertritt Minderheiten, sozial Schwache. bewarb sich 1992 und 1994 vergebens um Sitz im US-Senat und 1997 als Bürgermeister New Yorks, verheiratet, zwei Töchter. (Drei Prozent)

Joseph Lieberman (61),

Jurist, US-Senator für Connecticut seit 1988, Kandidat als Vizepräsident Al Gores 2000. Der erste jüdische Präsidentschaftskandidat. Kriegsbefürworter. Kritisierte Parteifreund Clinton als Präsident wegen Lewinsky-Affäre. Will eine "moralische", starke Führung. In zweiter Ehe verheiratet, drei Kinder. (Neun Prozent)

Die Termine der Vorwahlen

19. Januar: Iowa (Gewinner der Parteiversammlungen: John Kerry)
27. Januar: New Hampshire (Vorwahl)
3. Februar: Arizona (Vorwahl), Delaware (Vorwahl), Missouri (Vorwahl), New Mexico (Parteiversammlungen), North Dakota (Parteiversammlungen), Oklahoma (Vorwahl), South Carolina (Vorwahl)
7. Februar: Michigan (Parteiversammlungen), Washington/Staat (Parteiversammlungen)
8. Februar: Maine (Parteiversammlungen)
10. Februar: Tennessee (Vorwahl), Virginia (Vorwahl)
14. Februar: Nevada (Parteiversammlungen), Washington/Hauptstadtbezirk (Parteiversammlungen)
17. Februar: Wisconsin (Vorwahl)
24. Februar: Idaho (Parteiversammlungen), Utah (Vorwahl), Hawaii (Parteiversammlungen)
2. März: Kalifornien (Vorwahl), Connecticut (Vorwahl), Georgia (Vorwahl), Maryland (Vorwahl), Massachusetts (Vorwahl), Minnesota (Parteiversammlungen), New York (Vorwahl), Ohio (Vorwahl), Rhode Island (Vorwahl), Vermont (Vorwahl), American Samoa (Parteiversammlung/ Parteitag)
9. März: Florida (Vorwahl), Louisiana (Vorwahl), Mississippi (Vorwahl), Texas (Vorwahl/Parteiversammlungen)
13. März: Kansas (Parteiversammlungen)
16. März: Illinois (Vorwahl)
20. März: Wyoming (Parteiversammlungen)
30. März: Alaska (Parteiversammlungen)
3. April: Virgin Islands (Parteiversammlungen)
4. April: Puerto Rico (Parteiversammlungen)
13. April: Colorado (Parteiversammlungen)
27. April: Pennsylvania (Vorwahl)
4. Mai: Indiana (Vorwahl), North Carolina (Vorwahl)
11. Mai: Nebraska (Vorwahl), West Virginia (Vorwahl)
18. Mai: Arkansas (Vorwahl), Kentucky (Vorwahl), Oregon (Vorwahl)
1. Juni: Alabama (Vorwahl), South Dakota (Vorwahl)
8. Juni: Montana (Vorwahl), New Jersey (Vorwahl)

Michael Streck

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