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US-Wahlkampf: Hollywoods vergebliche Weckrufe

Mit der Initiative "Wache auf, Amerika!" werben zahlreiche Hollywood-Stars für den demokratischen Bush-Herausforderer John Kerry. Ob die Unterstützung von Ben Affleck, Sharon Stone und Kollegen allerdings ausreicht, erscheint fraglich.

Als Arnold Schwarzenegger sich für die Wiederwahl von George W. Bush stark machte, rümpften viele in Hollywood die Nase. Mit seinem Bekenntnis zu den Republikanern steht der "Terminator" zwar in einer Reihe mit den Altstars Clint Eastwood und Charlton Heston, doch die Mehrheit jener Filmemacher, die sich politisch engagieren, unterstützt John Kerry. Allerdings bezweifeln US-Kommentatoren, dass der Promi-Einsatz dem Bush-Herausforderer zum Sieg verhelfen kann.

Prominente Unterstützung für Kerry

"Wache auf, Amerika!", heißt die von Barbra Streisand, der Wortführerin des linksliberalen Hollywood, ausgegebene Losung. Alec Baldwin und Sean Penn folgten ihrem Kampfruf, ebenso wie Whoopi Goldberg und Martin Sheen. Auch Ben Affleck und Leonardo DiCaprio, Dustin Hoffman, Ben Stiller, Warren Beatty, Sharon Stone, Cameron Diaz, Madonna und viele andere Persönlichkeiten machten öffentlich klar, dass sie Kerry und nicht Bush im Weißen Haus sehen möchten.

Auch Will Smith, der gerade in "I, Robot" einen Retter der Menschheit spielte, rief dazu auf, Michael Moores Anti-Bush-Film "Fahrenheit 9/11" nicht nur anzuschauen, sondern "ernst zu nehmen". Doch die Hoffnung, der Film könne Bushs Wiederwahl verhindern, erwies sich trotz enormer Zuschauerzahlen als trügerisch. Monate nach der Premiere war Moore um etliche Millionen Dollar reicher - und Bush lag in Umfragen deutlicher als bisher vor Kerry.

Zweifelhafte Wirkung

Nun wird wieder diskutiert, ob Amerikas Wahlvolk das Parteiergreifen liberaler Showgrößen überhaupt honoriert oder ob es nicht eher kontraproduktiv wirkt. Der Medienexperte der Washingtoner "Denkfabrik" Center for Media and Public Affairs, Matthew Felling, sieht sich in der Voraussage bestätigt, dass Moores Film die Bush-Gegner aufrütteln, jedoch Wähler der Republikaner unbeeindruckt lassen werde.

Spötteleien über "Amerikas linke Küste" machen wieder die Runde. "Was passiert, wenn Hollywood sich ein klein wenig weiter nach links neigt?", kalauern konservative Moderatoren. "Es versinkt im Pazifischen Ozean!" Eine Anruferin in einer New Yorker Radio-Talkshow wetterte: "Hollywood bekommt schon mein Geld an der Kinokasse. Wer meine Stimme bekommt, geht diese Showbusiness-Millionäre nichts an."

Zwiespältiges Verhältnis von Präsidenten und Stars

Einerseits wird in Amerika durchaus akzeptiert, dass Schauspieler die Bühnen wechseln und wie Schwarzenegger oder seinerzeit Ronald Reagan für politische Ämter kandidieren. Andererseits gibt es ein spürbares Misstrauen gegenüber Showstars, die sich allzu deutlich politisch "outen".

Ambivalent war das Verhältnis von Präsidenten und Stars in den USA schon immer. Und bei US-Bürgern, die einst im Unterrichtsfach "American History" nicht geschlafen haben, dürfte unterschwellig die Erinnerung an eine folgenschwere Begegnung eine Rolle spielen: 1865 hatte sich der populäre Schauspieler John Wilkes Booth derart in seinen politisch motivierten Hass auf Abraham Lincoln hineingesteigert, dass er den Präsidenten bei einer Theatervorstellung erschoss. Das hielt spätere Amtsinhaber freilich nicht davon ab, sich mit Stars zu schmücken. Richard Nixon etwa, der Elvis Presley für sich einspannte. Oder Ronald Reagan, der Michael Jackson im Weißen Haus empfing. Harry Truman griff in die Tasten, während sich Lauren Bacall auf dem Piano räkelte. John F. Kennedy ließ sich von Marilyn Monroe besingen.

"Ozzy, in meiner zweiten Amtszeit mache ich das!"

Und auch George W. Bush versteht es durchaus, mit "Star Power" zu punkten. Selbst mit Promis, die er womöglich genauso wenig mag, wie sie ihn. Als der langhaarige "Rüpel-Rocker" Ozzy Osbourne 2002 beim White-House-Dinner für die US-Medien Bush zurief: "Mr. President, Du solltest die Haare so wie ich tragen!", war Bush nicht um eine Antwort verlegen: "Ozzy, in meiner zweiten Amtszeit mache ich das!".

Thomas Burmeister/DPA / DPA