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Zwischenwahlen Sie zählen, zählen und zählen. Warum es so lange dauert, bis die Ergebnisse in den USA feststehen

Midterms Wahlunterlagen
Wahlhelfers Alltag: Ohne Ende verpackte Wahlzettel wie hier in Phoenix, Arizona 
© Matt York/AP / DPA
Wer wo welche Ämter besetzt und wie die Mehrheiten in den Parlamenten aussehen, steht auch Tage nach den Midterms noch nicht endgültig fest. Grund für die lange Dauer der Auszählung ist vor allem die schiere Masse an Abstimmungen.

Die USA sind Warten nach Urnengängen gewöhnt: Nach der Präsidentschaftswahl 2020 dauerte es rund vier Tage, bis mit dem Demokraten Joe Biden der Sieger feststand. Auch nach den diesjährigen Kongress-Zwischenwahlen scheint die Stimmauszählung quälend langsam voranzugehen ­– immer noch steht nicht fest, wer künftig die Mehrheiten in Senat und Repräsentantenhaus halten wird. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Ein Wahltag mit vielen Wahlen

Zum einen finden in den USA in der Regel häufig zahlreiche Wahlen gleichzeitig statt. Bei den Midterms wurden etwas das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats gewählt, außerdem Gouverneure, Generalstaatsanwälte, Wahlleiter und Parlamente vieler Bundesstaaten. Hinzu kamen Wahlen auf regionaler und kommunaler Ebene sowie Referenden zu Fragen wie dem Abtreibungsrecht und einer Legalisierung von Marihuana. All das auszuzählen dauert.

Zunahme der Briefwahl

Im Zuge der Corona-Pandemie ist außerdem die Zahl der Briefwähler deutlich gewachsen. Das Auszählen von Briefwahlstimmen dauert häufig länger als das Auszählen von Stimmzetteln, die im Wahllokal abgegeben wurden, etwa wegen des Überprüfens der Unterschrift. 

Einige Bundesstaaten lassen außerdem auch nach dem Wahltag eingegangene Briefwahlstimmen zu, wenn sie einen Poststempel vom Wahltag tragen. Kalifornien beispielsweise hat in diesem Jahr als Frist den 15. November gesetzt – eine Woche nach dem eigentlichen Wahltag. In Nevada, wo es in diesem Jahr ein sehr enges Senatsrennen gibt, läuft die Frist bis Samstag. Grundsätzlich gilt: Da Wahlen in den USA dezentral in den Bundesstaaten organisiert werden, gibt es einen Flickenteppich an Regeln und Fristen.

Gang vor Gericht

Rechtsstreitigkeiten können Ergebnisse weiter verzögern: Die Parteien können Wahlergebnisse aus einer Vielzahl von Gründen vor Gericht anfechten. Der Streit kann durch die Instanzen gehen wie bei der Präsidentschaftswahl 2000 zwischen George W. Bush und Al Gore. Damals untersagte der Supreme Court eine Neuauszählung von Stimmen im Bundesstaat Florida und sicherte Bush so den Wahlsieg – mehr als einen Monat nach dem Wahltag.

Enge Rennen bei den Midterms

In diesem Jahr kommt erschwerend hinzu, dass die Rennen in vielen Wahlkreisen ausgesprochen eng sind. Große US-Medien können häufig aufgrund von Wählerbefragungen und der laufenden Stimmauszählung sehr schnell einen Sieger ausrufen, lange vor Auszählung aller Stimmen. Wenn das Duell aber auf Messers Schneide steht und noch nicht gezählte Briefwahlstimmen den Ausschlag geben könnten, ist das schwierig.

Was für die Rennen in den einzelnen Wahlkreisen gilt, gilt auch für Senat und Repräsentantenhaus als Ganzes: Da sich sehr knappe Mehrheiten in den beiden Kongresskammern abzeichnen, kommt es letztlich auf jeden Sitz an. 

Hatten viele Beobachter erwartet, dass schon in der Wahlnacht feststeht, welche Partei künftig das Repräsentantenhaus kontrollieren wird, müssen jetzt noch Rennen unter anderem in Arizona und Kalifornien abgewartet werden, was Tage dauern könnte. In Arizona liegt mit Maricopa County rund um die Großstadt Phoenix einer der bevölkerungsreichsten Landkreise der USA, das Auszählen der Wählerstimmen dauert hier häufig sehr lange.

Beim Senat ist besondere Geduld gefragt

Im Senat waren zuletzt noch drei Rennen offen, die über die Mehrheit in der Kongresskammer entscheiden: in Arizona, Nevada und Georgia. In Arizona und Nevada könnten noch Tage vergehen, bis der Sieger feststeht.

In Georgia wird der Wahlsieger erst in rund einem Monat feststehen. Der Südstaat verlangt als fast einziger US-Bundesstaat, dass Kandidaten auf mehr als 50 Prozent der Stimmen kommen. Weil dies keinem der Senatskandidaten gelang, gibt es am 6. Dezember eine Stichwahl. Abhängig vom Ausgang der Wahlen in Nevada und Arizona könnte diese über die künftige Senatsmehrheit entscheiden.

nik AFP

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