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Vorfall bei Einreise: Was wollen die USA mit dem Diensthandy eines Nasa-Mitarbeiters?

Sidd Bikkannava ist in den USA geboren, besitzt einen gültigen US-Pass und arbeitet seit zehn Jahren für die Nasa. Dennoch wurde er am Flughafen von Houston festgehalten - bis er das Passwort für sein Mobiltelefon herausgab.

USA: Die amerikanische Grenzschutzbehörde CBP hat das Handy eines Nasa-Forschers bei seiner Einreise durchsucht

Sidd Bikkannava bei seinem Hobby: Renen mit solarbetriebenen Wagen. Bei der Einreise in die USA wurde sein Handy durchsucht.

Als Sidd Bikkannava am 15. Januar nach Chile aufbrach, war noch Barack Obama der amtierende Präsident der USA. Als der Nasa-Mitarbeiter zwei Wochen später aus seinem Urlaub in seine Heimat zurückkehrte, saß bereits Donald Trump im Weißen Haus. Welche Konsequenzen dieser Machtwechsel hat, musste der muslimische US-Bürger am Flughafen von Houston am eigenen Leib erfahren.

Am frühen Morgen des 31. Januar landete er am George Bush Intercontinental Airport. Alles sei reibungslos verlaufen, bis ihn ein Beamter der amerikanischen Grenzschutzbehörde CBP angehalten habe, erzählte Bikkannava nun dem Magazin "The Verve". Nachdem er 40 Minuten lang in einem der Hinterräume habe warten müssen, sei ihm schließlich erklärt worden, dass sein Gepäck durchsucht werden müsse. Doch der CBP wollte der Darstellung von Bikkannava zufolge nicht den Inhalt seiner Koffer sehen, sondern den seines Mobiltelefons.

Er sollte den Beamten sein Passwort verraten. "Ich habe ihnen erklärt, dass ich dazu nicht befugt bin", sagte Bikkannava. Das Telefon habe er schließlich von Jet Propulsion Laboratory (JPL) bekommen, seinem Arbeitgeber. Streng genommen gehöre es also der Nasa und enthalte womöglich Informationen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind.

Drohung mit Festnahme und Beschlagnahmung

Doch die CBP-Beamten hätten darauf keine Rücksicht genommen und ihm stattdessen ein Papier vorgehalten, das ihm mit einer Reihe von Konsequenzen drohte, sollte er der Aufforderung nicht nachkommen. "Dort war auch von Festnahme und Beschlagnahmung die Rede", so der Forscher.

Er habe das Risiko nicht eingehen wollen und händigte den Beamten schließlich sein Handy mit dem Passwort aus. 30 Minuten später hätte er es schließlich wieder bekommen und durfte den Flughafen verlassen. Was in dieser Zeit mit seinem Telefon passiert sei, wisse er aber nicht. Er habe es der JPL-Forensik übergeben, um herauszufinden, ob der CBP oder die Homeland Security etwas auf dem Handy installiert hätten, schrieb er auf Facebook. 

"Meine Koffer haben sie nicht einmal angerührt"

Dem Magazin "The Verve" erzählte Bikkannava, dass er bis heute nicht sicher sei, warum er durchleuchtet wurde. "Es war nicht so, dass sie befürchteten, dass ich etwas Gefährliches transportieren könnte. Meine Koffer haben sie nicht einmal angerührt", sagte er. Er verstehe, dass sein Name fremd klinge. Er habe schließlich indische Wurzeln. "Manchmal werde ich aufgehalten und durchsucht, aber nie auf diese Weise."

Dabei hätte seine Einreise gar keine Probleme verursachen dürfen. Bikkannava besitzt nicht nur einen gültigen US-Ausweis, sondern nimmt auch am Global-Entry-Programm des CBP teil. Reisende, denen zuvor ein niedriges Risiko bescheinigt wurde, können dadurch bei der Einreise in die USA schneller abgefertigt werden. Länder, die von Trumps Einreiseverbot betroffen sind, habe er ebenfalls nicht besucht.

Trump soll neues Dekret erwägen

Am 28. Januar hatte der neue US-Präsident ein Dekret erlassen, das die Einreisebedingungen für Flüchtlinge und Migranten aus muslimischen Ländern in die USA verschärft. Trump zufolge sollen dadurch "radikale islamische Terroristen" ferngehalten werden. Das Einreiseverbot verursachte an den amerikanischen Flughäfen Chaos. Menschen, mit gültigen Visa durften plötzlich nicht mehr einreisen.

Das Bundesgericht kassierte zwar inzwischen Trumps Dekret. Doch der Präsident will nicht aufgeben. Er soll eine "brandneue Order" erwägen. "Wir werden diesen Kampf gewinnen", erklärte er am vergangenen Samstag.

ivi
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