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Videobotschaft: Bin Laden wirbt fürs Märtyrertum

Nach einem Jahr Sendepause hat sich Terrorchef Osama bin Laden wieder gemeldet. In einer im Internet verbreiteten Videobotschaft forderte er alle Muslime zum Märtyrertum auf. Der US-Senat fordert unterdessen von Präsident Bush, das Kopfgeld auf den Al-Kaida-Chef zu erhöhen.

Der Führer des Terrornetzwerks Al Kaida, Osama bin Laden, ist in einem Video seiner Organisation gezeigt worden, das im Internet verbreitet wurde. In einem knapp einmütigen Auftritt glorifizierte Bin Laden diejenigen, die im Dschihad (Heiligen Krieg) sterben. Er sagte: "Glücklich ist der, der von Gott erwählt wurde, ein Märtyrer zu sein." Selbst der Prophet Mohammed habe sich gewünscht, ein Märtyrer zu sein.

Bin Laden wurde in einer Außenaufnahme gezeigt. Er trug einen Kampfanzug und machte einen müden Eindruck. Das Video trug das Logo der Medienproduktionsabteilung der Al Kaida, As-Sahab, und wurde auf einer Internetseite veröffentlicht, die als Sprachrohr militanter Islamisten bekannt ist. Unabhängig verifiziert werden konnten die Angaben nicht.

Der US-Senders Fox News zitiert Experten, die behaupten, die Aufnahmen seien mindestens fünf Jahre alt.

Bin Laden wurde in einem 40-minütigen Film gezeigt, der getöteten Kämpfern in Afghanistan gewidmet war. Neben ihm traten andere Al-Kaida-Führer wie Mustafa Abu al Jasid - der selbst ernannte Kommandeur der Al Kaida in Afghanistan - und Abu Jahija al Libi auf. Al Libi entkam 2005 aus US-Gewahrsam und gilt als Drahtzieher eines Anschlags bei einem Afghanistan-Besuch von US-Vizepräsident Dick Cheney im Februar, bei dem 23 Menschen getötet wurden.

Von Bin Laden wurde zuletzt eine Audio-Botschaft am 1. Juli vergangenen Jahres veröffentlicht, in der er den neuen Führer der Al Kaida im Irak unterstützte.

Kopfgeld erhöht

Der US-Senat macht Druck auf Präsident George W. Bush, die Suche nach dem Al-Kaida-Chef Osama bin Laden wieder zu verstärken. Die Abgeordneten stimmten am Freitag mit großer Mehrheit dafür, das Kopfgeld auf den Muslimextremisten auf 50 Millionen Dollar zu verdoppeln. Die Initiative muss zunächst noch in der zweiten Kammer, dem Repräsentantenhaus, und danach bei Bush selbst Zustimmung finden. Das US-Präsidialamt äußerte sich zu der Vorlage zunächst nicht.

Kritiker warfen Bush zuletzt vor, sich im Zuge seines "Krieges gegen den Terror" zu sehr auf den Irak zu konzentrieren - auf Kosten der Bemühungen, Bin Laden zu fassen und die Al-Kaida zu zerschlagen. US-Medien hatten zuletzt unter Berufung auf Geheimdienstinformationen berichtet, die Organisation sei zu alter Stärke zurückgekehrt und habe sich vor allem in den entlegenen nordwestlichen Gebieten Pakistans eine sichere Ruhezone geschaffen. Bush wies die Darstellung in dieser Woche zurück, US-Heimatschutzminister Michael Chertoff spielte die Berichte herunter.

AP/Reuters / AP / Reuters