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Vorwahlen der US-Demokraten: Clinton gewinnt in West Virginia

Hillary Clinton hat im Rennen um die demokratische US- Präsidentschaftskandidatur die Vorwahlen in West Virginia gewonnen. Sie konnte sich klar gegen Barack Obama durchsetzen. Clintons Triumph hat fast nur symbolische Bedeutung - doch die Ex-First-Lady ist nun "entschlossener denn je", ihren Kampf fortzusetzen.

Hillary Clinton hat erwartungsgemäß die Präsidentschaftsvorwahl der Demokraten im US-Staat West Virginia gewonnen. Nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen führt die New Yorker Senatorin mit 67 zu 26 Prozent vor Barack Obama. US-Fernsehsender hatten Clinton auf der Grundlage von Wählerbefragungen bereits kurz nach Schließung der Wahllokale zur klaren Siegerin erklärt, nachdem schon in den vergangenen Wochen Umfragen auf einen Vorsprung von gut 30 Prozentpunkten vor ihrem Konkurrenten Barack Obama hingedeutet hatten.

Damit wird der zunehmend umstrittene parteiinterne Wahlkampf zwischen der New Yorker Senatorin und ihrem Konkurrenten Barack Obama weitergehen: Die ehemalige First Lady hat nach ihrem Vorwahlsieg bekräftigt, dass sie nicht an einen Ausstieg aus dem Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur denkt. In einer Siegesrede in Charleston sprach Clinton von einem überwältigenden Vertrauensvotum für sie. Sie sei "entschlossener denn je", ihren Kampf bis zum Ende der Vorwahlen am 3. Juni fortzusetzen.

Clinton betonte, dass sie die besseren Chancen als Obama habe, bei der Präsidentschaftswahl im November gegen den Republikaner John McCain zu gewinnen. "Ich bin in diesem Rennen, weil ich glaube, dass ich der stärkste Kandidat bin", sagte die New Yorker Senatorin vor jubelnden Anhängern. "Ich kann diese Nominierung gewinnen und unsere Partei zu einem Sieg (bei der Präsidentschaftswahl) im November führen." Clinton sagte aber auch, dass sie mit aller Kraft für einen Sieg Obamas arbeiten wolle, wenn er der Spitzenkandidat werde.

Vorwahl in West Virginia habe Obamas Schwächen gezeigt

Clintons Wahlkampf-Sprecher Howard Wolfson zeigte sich indessen überzeugt, dass Clinton am Ende doch noch die Nominierung erreichen werde. West Virginia habe einmal mehr die Schwächen Obamas offenbart, sagte er in einem CNN-Interview. Analysen zufolge gründete sich der hohe Sieg Clintons wie bei fast allen ihren vorausgegangenen Vorwahl-Erfolgen hauptsächlich auf großer Unterstützung im Lager der Arbeiter, des Mittelstands, der Frauen und Bürger ohne Universitätsabschluss.

Allerdings führt Obama bei der Zahl der Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag der Demokraten im Sommer mittlerweile so deutlich, dass Clinton trotz ihres Sieges nur noch äußerst geringe Chancen auf die Präsidentschaftskandidatur eingeräumt werden. In West Virgina gingen vor allem die Bevölkerungsgruppen wählen, unter denen Clinton bislang ihre treuesten Anhänger hatte. Barack Obama konzentriert sich unterdessen bereits auf das Duell mit dem republikanischen Bewerber John McCain: Er hielt sich nicht in West Virginia auf, wo es um 28 Parteitagsdelegierte ging, sondern in Missouri - einem der Schlüsselstaaten bei der Präsidentenwahl im November.

Entscheidung vielleicht erst auf dem Parteitag

Obama kann zwar rein rechnerisch in den Vorwahlen noch die notwendige Mehrheit von 2025 Delegierten für seine Nominierung erreichen, als wahrscheinlich gilt das aber nicht. Den Ausschlag werden auf dem Parteitag im August vermutlich die rund 800 Superdelegierten geben - Funktionäre, die nicht durch die Vorwahlen in ihrem Stimmverhalten festgelegt sind. Obama sicherte sich am Dienstag die Stimmen von drei weiteren Superdelegierten, darunter die des Bürgermeisters von New Orleans, Ray Nagin.

Die nächsten Vorwahlen finden am 20. Mai in Kentucky und Oregon statt. In Kentucky ist Clinton die Favoritin, in Oregon wird ein Sieg Obamas erwartet. In West Virginia ging es lediglich um 28 gebundene Delegierten, während in Kentucky und Oregon zusammen gut 100 zu gewinnen sind. Obamas Wahlkampf-Lager hofft, möglicherweise bereits nach den Vorwahlen in der kommenden Woche den Sieg über Clinton im Rennen um die Kandidatur erklären zu können.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters