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Vorwahlkampf in South Carolina: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Gingrich und Romney

Weichenstellung oder Auftakt zur Endlos-Wahlschlacht? Bei der nächsten Vorwahl der US-Republikaner deutet sich ein Kopf-an-Kopf-Duell zwischen Romney und Gingrich an. Der Ausgang dürfte über den weiteren Verlauf der Kandidaten-Kür entscheiden.

Hochspannung bei der nächsten Vorwahl im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner: Während der bisherige Favorit Mitt Romney strauchelt, macht Verfolger Newt Gingrich vor der Abstimmung an diesem Samstag erheblich Boden gut - trotz peinlicher Enthüllungen einer Ex-Ehefrau per TV-Interview.

Gewinnt Multimillionär Romney die Wahl im konservativen Südstaat South Carolina, dürfte ihm die Kandidatur gegen Präsident Barack Obama im November so gut wie sicher sein. Geht der Sieg hingegen an Gingrich, Ex-Präsidenten des Abgeordnetenhauses, erwarten Beobachter eine brutale Wahlschlacht über Monate. Jüngste Umfragen sehen beide Kontrahenten bei der Abstimmung in South Carolina Kopf-an-Kopf.

Zuletzt sorgte ein Fernsehinterview von Gingrichs zweiter Frau Marianne für Schlagzeilen. Sie gab zu Protokoll, er habe ihr eine "offene Ehe" vorgeschlagen, um gleichzeitig eine Geliebte zu haben. Zwei Tage später habe er in einer Rede den Verfall amerikanischer Werte und Kultur beklagt, berichtete überdies die "Washington Post".

Rick Perry macht sich für Gingrich stark

Bei einer Fernsehdebatte der vier verbliebenen Kandidaten am Donnerstag darauf angesprochen, holte Gingrich zum Schlag gegen die Medien aus: "Der zerstörerische, bösartige, negative Charakter des Nachrichtengeschäfts macht es schwerer, dieses Land zu regieren", entrüstete er sich. CNN-Moderator John King schleuderte er entgegen: "Es ist abstoßend, dass Sie eine Präsidentendebatte auf diese Weise eröffnen". Dafür erntete der Polit-Veteran rauschenden Beifall des Publikums in South Carolinas drittgrößter Stadt North Charleston. Die Aussagen seiner Ex-Frau nannte der 68-Jährige indes "falsch".

Mitt Romney stand bei der Diskussion weiter unter Beschuss wegen seines Finanzgebarens. Dem Ex-Gouverneur von Massachusetts war sichtlich unwohl, die Veröffentlichung seiner Steuererklärung zu diskutieren. Demokraten und republikanische Mitbewerber hatten ihn zur Offenlegung gedrängt, Gingrich veröffentlichte seine Erklärung noch während der TV-Debatte am Donnerstag. Romney, der mit seiner Beteiligungsgesellschaft Bain Capital zu großen Reichtum gekommen war, will die Dokumente nun im April vorlegen.

Romney hatte am Donnerstag gleich zwei Rückschläge erlitten. Der texanische Gouverneur Rick Perry warf nach enttäuschendem Abschneiden in den ersten beiden Vorwahlen das Handtuch und machte sich für Gingrich als Präsidentschaftskandidaten stark. Zudem wurde Romney rückwirkend der Sieg beim Vorwahlauftakt in Iowa Anfang Januar aberkannt und offiziell ein Unentschieden mit dem ehemaligen Senator von Pennsylvania, Rick Santorum, festgestellt.

Nach Umfragen: Romney und Gingrich Kopf-an-Kopf

In der TV-Debatte versuchten Gingrich und Santorum, den aktuellen Rückenwind für sich auszunutzen und nicht nur Romney, sondern sich auch gegenseitig das Wasser abzugraben. Santorum beschrieb Gingrich als sprunghaft und unzuverlässig. "Manches Mal erlebt man sorgenvolle Momente, dass etwas an die Oberfläche kommen könnte." Im Kongress habe Santorum erlebt, wie Gingrich "jede Minute eine Idee hatte, aber keine Disziplin, keine Fähigkeit, etwas zustande zu bringen".

Nach einem von der Polit-Webseite realclearpolitics.com ermittelten Durchschnitt mehrerer aktueller Umfragen liegen Romney und Gingrich mit jeweils rund 32 und 31 Prozent Zustimmung praktisch Kopf-an-Kopf. Vor wenigen Tagen erst hatte Gingrich noch mehrere Prozentpunkte hinter dem Multimillionär gelegen. Mit weitem Abstand folgt der Drittplatzierte, der Kongressabgeordnete Ron Paul.

kave/DPA / DPA