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Eröffnung des US-Wahlkampfes: Warum Obama Romney doch fürchten muss

Mitt Romney hat sich nun selbst zum Herausforderer von Barack Obama gekürt. Lange dachte der Präsident, er brauche den Republikaner nicht zu fürchten. Doch die Umfragen sprechen eine andere Sprache.

Von Niels Kruse

Unverdrossen wählen die Republikaner ihren Präsidentschaftskandidaten weiter, dabei ist die Entscheidung schon längst gefallen. Dass Mitt Romney jetzt auch in den Bundesstaaten wie New York und Pennsylvania gewonnen hat, ist nur noch eine Formalie - seit dem Rückzug seines internen Konkurrenten Rick Santorum und der geplanten Demission von Newt Gingrich, ist er so gut wie sicher der konservative Spitzenkandidat. Wenn er am Ende nicht auch offiziell vom Parteitag zum Obama-Herausforderer gekürt wird, müsste es schon mit dem Teufel zugehen. Oder mit der Hunde-Lobby.

Denn der Geschäftsmann mit den 240 Millionen Dollar auf dem Konto wird einfach seinen Ruf als Tierquäler nicht los. Vor 20 Jahren hatte er bei einem Trip nach Kanada seinen Irish Setter kurzerhand auf dem Wagendach untergebracht. Zwölf Stunden dauerte die Fahrt - und für einige Hundeliebhaber ist sie bis heute unvergessen. Seit 2007 erinnert der Blog "Dogs against Romney" unablässig an die Misshandlung und seit kurzem gewinnt sie auch auf Facebook stetig mehr Fans (aktuell sind es rund 50.000). Die Botschaft lautet kurz und knackig: Mitt is mean - Mitt ist fies.

In den Umfragen verliert Barack Obama zunehmend

Es mutet vielleicht wie eine Petitesse an, doch als Präsidentschaftskandidat legt man sich besser mit niemanden an. Vor allem nicht, wenn man es mit einer gar nicht mal so kleinen und zudem äußerst leidenschaftlichen Gruppe wie den Hundeliebhabern zu tun hat. Denn, und deutet sich bereits ein halbes Jahr vor der Wahl überraschend an: Es wird am 6. November auf jede Stimme ankommen.

Lange sah es so aus, als müsste Barack Obama den spröden Ex-Wall-Street-Mann nicht fürchten. Doch laut den letzten Umfragen schmilzt der Vorsprung des Amtsinhabers rapide dahin: Lag Obama Anfang April noch sieben Prozentpunkte vor Romney (51 Prozent zu 44 Prozent), stand es nach Angaben von "New York Times" und CBS zwei Wochen später nur noch unentschieden (46:46). Etwas besser kommt der Präsident weg, wenn man den Durchschnitt aus zahlreichen Umfragen bildet. Nur zwei Befragungen stechen aus dem Bild heraus: "Rasmussen Tracking" hat einen Vorsprung von drei Prozentpunkten für Romney ausgemacht, bei CNN liegt Obama dagegen deutlich neun Prozent vor seinem Herausforderer.

Drei Gründe sprechen gegen Barack Obama

Dass es der einstige Hoffnungsträger so schwer haben wird, hat vor allem drei Gründe:

  • Noch immer liegt die US-Wirtschaft danieder - obwohl einige Konjunkturzahlen der vergangenen Wochen darauf hingedeutet hatten, dass sich die Lage wieder erholen würde. Doch davon ist bislang nichts zu spüren. Das schlägt sich natürlich auch auf die Arbeitslosigkeit nieder. Sie liegt mit mehr als acht Prozent ohnehin sehr hoch und bislang ist noch kein Amtsinhaber wiedergewählt wurde, der eine ähnliche schlechte Arbeitsmarktbilanz vorzuweisen hatte. Einem Wirtschaftsfachmann wie Mitt Romney trauen die Wähler dagegen grundsätzlich eher zu, dass er die richtigen Rezepte gegen die Flaute hat.
  • Obamas großes Wahlkampfplus, die ungeheuere Spendenbereitschaft seiner Anhänger, droht zu schrumpfen. 2008 noch hatte er nicht nur prestigeträchtige Geldeintreiber aus Hollywood hinter sich, sondern auch nahezu die ganze Finanzwelt der Wall Street. Insgesamt konnte der damalige Kandidat auf rund 750 Millionen US-Dollar Spendeneinnahmen zurückgreifen. Doch seit einigen Wochen ist klar, dass die Hochfinanz ihren ehemaligen Kollegen Romney dem bankenkritischen Obama vorzieht. Bei dem aktuellen Wahlkampf, dessen Kosten vermutlich bei rund zwei Milliarden Dollar liegen werden, kann kein Kandidat auf die Unterstützung der Hochfinanz verzichten.
  • Obama läuft der weiße Mann davon: Der Sieg des amtierenden Präsidenten bei der letzten Wahl lag weniger an der Begeisterung des amerikanischen Durchschnittsmanns (weiß und mäßig gebildet), sondern vor allem darauf, dass er die den Großteil der Stimmen der Hispanics (um die Romney nun ebenfalls kräftig buhlt) und der schwarzen Bevölkerung bekommen hatte. Doch ohne die Stimmen des Normalos von nebenan wird niemand Präsident. Und genau diese Gruppe wendet sich zunehmend vom Staatoberhaupt ab und Romney zu. Auch deshalb, weil Romney ihnen mit seiner rigorosen Anti-Einwandererrhetorik aus dem Herzen spricht. Jüngsten Erhebungen zufolge führt der Konservative in dieser Wählerschicht derzeit mit 60 zu 34 Prozent. 2008 hatte Obama noch 49 Prozent geholt.

Romney kürt sich als offizieller Herausforderer

Zurzeit spricht also vieles dafür, dass der Kampf ums Weiße Haus doch spannender werden könnte, als lange geglaubt. Sein Umfragehoch und die Siege bei den jüngsten Vorwahlen zumindest haben Mitt Romney darin bestärkt, sich nun auch offiziell als Präsidenten-Herausforderer das Rampenlicht zu suchen. Genussvoll bohrte er am Dienstagabend in Obamas klaffendster Wunde: "Was haben wir nach dreieinhalb Jahren unter Präsident Obama vorzuweisen? Die Menschen in Amerika leiden, und wir wissen, dass sich dieses Land in eine falsche, fruchtbar falsche Richtung bewegt", rief er seinen Anhängern zu und eröffnete damit nun endgültig den Kampf ums Weiße Haus.