Wahlkampfeinsatz Hollywoods Demokraten wollen Bush stoppen


Scharfer Gegenwind für US-Präsident Bush aus Hollywood. Immer mehr Stars machen für die Demokraten mobil. Michael Moore als "Apostel der Wahrheit" fährt mit seinen Filmen schwere Geschütze gegen die Konservativen auf.

Alec Baldwin dachte an Auswanderung. Sharon Stone konnte sich nicht vorstellen, "wie man Kinder in einem Land aufzieht, das von Bush regiert wird". Genau wie Ben Affleck, Leonardo DiCaprio, Jamie Lee Curtis und viele andere Hollywood-Stars hatten sie sich bereits für Al Gore eingesetzt und dann erleben müssen, wie trotzdem dessen Gegner ins Weiße Haus einzog. Doch die politische Katerstimmung unter Hollywoods Helfern der Demokratischen Partei ist seit Michael Moores Triumph in Cannes mit dem bissigen Anti-Bush-Film "Fahrenheit 9/11" endgültig verflogen.

"Lasst sie die Wahrheit wissen"

"Wache auf, Amerika!", heißt eine von Barbra Streisand ausgegebene Losung. Bei der Präsidentenwahl im November stehe "so viel auf dem Spiel", dass das Volk unbedingt gegen George W. Bush mobilisiert werden müsse, fordert sie auf ihrer Webpage: "Sprecht mit jedem Einzelnen, der Bush immer noch vertraut. Lasst sie die Wahrheit wissen."

Als Apostel der "Wahrheit über Bush" gilt Michael Moore bereits, seit vor zwei Jahren seine Politsatire "Stupid White Men" die US- Bestellerlisten eroberte. Nun soll "Fahrenheit 9/11" zum schärfsten Mediengeschütz der Demokraten werden.

Nachdem der Disney-Konzern seiner Tochterfirma Miramax den Vertrieb des Moore-Streifens untersagte und damit ungewollt für beste Publicity sorgte, reißen sich seit der Vergabe der Goldenen Palme an Moore die Verleihfirmen um "Fahrenheit 9/11". Noch größere Chancen auf Massenwirkung als dieser Dokufilm hat der neue Katastrophen-Thriller des deutschen Hollywood-Regisseurs Roland Emmerich. In "The Day After Tomorrow" lässt er als Folge von Umweltsünden die Polkappen schmelzen und New York unter Wassermassen versinken.

"Mit solchen Filmen kann man was bewirken"

Politische Umweltaktivisten - allen voran Al Gore - nutzen den Klimaschocker, um Bush als unverantwortlichen Industrielobbyisten darzustellen, der die Gefahren ungebremster Kohlendioxid-Emissionen verharmlost. Mit solchen Filmen, glaubt Emmerich, "kann man politisch etwas bewirken". Im September legt Hollywood nach. Dann kommt John Sayles’ "Silver City" in die US-Kinos - mit dem auf Bush getrimmten Oscar-Preisträger Chris Cooper in der Rolle eines unsympathischen Politikers.

Dass so ein cineastischer Wahlkampfeinsatz tatsächlich zur Vermehrung der Stimmen für den Bush-Herausforderer John Kerry führen kann, wird allerdings von Beobachtern bezweifelt. Das Magazin "Time" verglich die Wirkung des Moore-Films mit der eines Molotow-Cocktails - viel Lärm, aber nur wenig Wirkung. Der Medienexperte der Washingtoner "Denkfabrik" Center for Media and Public Affairs, Matthew Felling, sagt zudem voraus, der Streifen werde nur all jene ansprechen, die sowieso nie für Bush stimmen würden. Die traditionelle Wählerschaft der Republikaner werde er jedoch unbeeindruckt lassen.

"Man darf nicht zu viel erwarten"

Und selbst Moore sagt, man dürfe nicht zu viel erwarten "in einem Land, in dem die Hälfte der Leute nicht zur Wahl geht". Ganz allein auf die Wirkung von Filmen und Büchern will sich die linksliberale Show-Prominenz auch nicht verlassen: Großzügig zückt sie die Scheckbücher, um Kerrys Wahlkampf mitzufinanzieren. Zu einem Spenden-Dinner im vornehmen Anwesen Greenacre, das einst Stummfilmstar Harold Lloyd gehörte, strömten kürzlich fast 1500 Hollywoodianer - bei Menüpreisen zwischen 1000 und 2000 Dollar pro Person.

Thomas Burmeister/DPA DPA

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