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Wahlproteste in Russland Ein Land bäumt sich auf


Demonstrationen von Wladiwostok bis Königsberg: In Russland werden heute zahlreiche Proteste gegen das umstrittene Wahlergebnis erwartet. In Moskau versammeln sich die Demonstranten zu Zehntausenden.

Knapp eine Woche nach der Parlamentswahl in Russland protestieren zehntausende Menschen gegen Ministerpräsident Wladimir Putin und das umstrittene russische Wahlergebnis.

In Wladiwostok an der Pazifikküste begann es mit den ersten Demonstrationen. Augenzeugen zufolge sollen etwa 1000 Menschen auf die Straße gegangen sein. Die Teilnehmer hätten eine Annullierung der Wahl und die Freilassung von Gefangenen verlangt. Die Polizei habe zunächst nicht eingegriffen. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Ria wurden dagegen in Chabarowsk nahe der Grenze zu China etwa 20 Personen festgenommen.

In Moskau versammelten sich Kremlgegner zu Zehntausenden. Der vorgesehene Platz im Zentrum der russischen Hauptstadt sei bereits überfüllt, berichtete ein Korrespondent der Nachrichtenagentur dpa am Samstag. Tausende strömten friedlich über die Seitenstraßen zu der genehmigten Kundgebung.

Verzögerung aufgrund des Massenandrangs

Alle Altersgruppen und Schichten seien vertreten, heißt es weiter. Viele Teilnehmer hatten weiße Schleifen an ihre Kleidung geheftet und trugen weiße Blumen. Auf Schildern forderten sie den Rücktritt von Regierungschef Wladimir Putin und die Freilassung politischer Gefangener wie des Ex-Ölmanagers Michail Chodorkowski. Vor allem orangene Fahnen der regierungskritischen Bewegung Solidarnost waren zu sehen.

Über soziale Netzwerke hatten sich mehr als 35.000 Menschen angekündigt. Allerdings blieben auch zahlreiche Putin-Gegner aus Angst vor Provokationen zu Hause. Ein Polizeihubschrauber kreiste über dem Platz. Insgesamt waren 52.000 Sicherheitskräfte in Moskau im Einsatz. Führende Oppositionelle wie der Blogger Alexej Nawalny und der Politiker Ilja Jaschin fehlten bei der Kundgebung, weil sie wegen angeblichen Widerstands gegen die Polizei bei einer nicht genehmigten Demonstration zu 15 Tagen Arrest verurteilt worden waren.

Der Beginn der Kundgebung verzögerte sich wegen des Massenandrangs, wie die Agentur Itar-Tass meldete. Die Organisatoren warfen der Polizei Schikane vor. So gebe es an einer Seite des Versammlungsortes nur zwei Metallrahmen, durch die alle Teilnehmer hindurch müssten. Kremltreue Kräfte wollten am Samstag für die Regierungspartei Geeintes Russland demonstrieren.

Protest von Wladiwostock bis Königsberg

Die Protestbewegung erfasst das ganze Land. In etlichen Städten von Wladiwostok bis Königsberg werden Demonstrationen erwartet. Es sollten die größten Protestaktionen werden, seit Putin im Jahr 2000 die Macht übernahm. Der Politiker hat die USA beschuldigt, die Demonstranten zu ermuntern und mit Geld zu unterstützen.

Die Wahl vor einer Woche gewann zwar Putins Partei Einiges Russland wieder klar. Doch die Gruppe verzeichnete im Vergleich zur letzten Wahl deutliche Stimmenverluste. Die Opposition führte auch dieses Ergebnis auf Betrug zurück. Einiges Russland weist die Vorwürfe zurück.

DPA/Reuters DPA Reuters

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