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Welternährungsgipfel: "Hunger nährt Wut"

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat zur Eröffnung des Welternährungsgipfels in Rom gefordert, die weltweite Nahrungsmittelproduktion bis 2030 um die Hälfte zu steigern. Für einen Eklat sorgte indes Simbabwes Präsident Robert Mugabe. Die britische Regierung erwägt, ihn mit einer ungewöhnlichen Maßnahme zu bestrafen.

Angesichts der weltweiten Nahrungsmittelkrise sucht die internationale Staatengemeinschaft auf einem Gipfeltreffen in Rom nach einem Ausweg aus der Misere. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte "kühne und wichtige Maßnahmen" im Kampf gegen die weltweite Nahrungsmittelkrise. "Um den Hauptursachen dieser globalen Ernährungskrise zu begegnen, wollen wir verbindliche Verpflichtungen für die Zukunft", sagte Ban Ki Moon vor den Staats- und Regierungschefs aus mehr als 40 Ländern.

Die verschärfte Krise um die explodierenden Lebensmittelpreise sei auch eine Chance, frühere Strategien zu überdenken, erklärte der UN-Generalsekretär. Während gegen die hohen Preise sofort etwas getan werden müsse, sei es langfristig auch wichtig, die weltweite Lebensmittelsicherheit zu verbessern. "Hunger nährt Wut, sozialen Zerfall, Krankheiten und wirtschaftlichen Niedergang", warnte er. Um die wachsende Nachfrage zu decken, müsse die weltweite Nahrungsmittelproduktion bis 2030 um 50 Prozent erhöht werden.

Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano sagte zur Eröffnung des Gipfels, angesichts der dramatischen Krise sei "eine koordinierte weltweite Politik" dringend nötig. Die Entwicklung treffe vor allem arme Länder, inzwischen seien fast eine Milliarde Menschen unterernährt.

"Die Zeit des Redens ist vorbei, jetzt ist die Zeit zu handeln", rief Generaldirektor Jacques Diouf von der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) in Rom aus. Leider reagiere die internationale Gemeinschaft nur, "wenn die Medien das schmerzvolle Spektakel der Leiden der Welt in die Häuser der wohlhabenden Länder übertragen." Mutige Entscheidungen seien notwendig, um eine gefährliche Verschärfung der Krise zu vermeiden, sagte Diouf.

Debatte um Biosprit erwartet

Papst Benedikt XVI. sagte in einem Grußwort, dass Hunger und Unterernährung in einer Welt mit ausreichend Ressourcen inakzeptabel seien. Millionen von Menschen schauten voller Hoffnung nach Rom, da ihr eigenes Überleben auf dem Spiel stehe. Der Papst forderte die Teilnehmer des Gipfels auf, das System der Nahrungsmittelhilfen grundlegend zu reformieren.

Während der Konferenz werden kontroverse Debatten darüber erwartet, wie die Nahrungsmittelversorgung gesichert werden kann. Dabei geht es zum einen um den Einfluss von Subventionen und Zöllen im internationalen Agrarhandel, zum anderen um die Rolle der Anbauflächen für die Produktion von Biosprit.

USA wollen an Produktion von Biosprit festhalten

Die USA und andere Staaten fördern den Trend zu Biokraftstoffen, um die Abhängigkeit vom Rohöl zu verringern. US-Landwirtschaftsminister Ed Schafer sagte auf dem Flug nach Rom, die Produktion von Biokraftstoffen trage nur mit zwei bis drei Prozent zu dem für dieses Jahr erwarteten Preisanstieg von 43 Prozent bei. Die Hilfsorganisation Oxfam beziffert diesen Anteil unter Berufung auf Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) jedoch auf 15 bis 30 Prozent.

Nach Berechnungen der Weltbank sind die Preise für Nahrungsmittel in den vergangenen drei Jahren um 83 Prozent gestiegen. Noch höher war die Teuerung bei einzelnen Grundnahrungsmitteln wie Weizen und Reis.

"Schamloses" Verhalten

Für diplomatischen Zündstoff sorgte in Rom die Teilnahme der Präsidenten Irans und von Simbabwe, Mahmud Ahmadinedschad und Robert Mugabe. Irans Präsident Ahmadinedschad steht weltweit in der Kritik, weil er mehrmals dazu aufgerufen hat, Israel zu "vernichten". Umstritten ist zudem das Nuklearprogramm des Iran.

Dem simbabwischen Präsidenten wird vorgeworfen, mit der Vertreibung weißer Landbesitzer eine schwere Agrarkrise in seinem Land verursacht zu haben. Der britische Entwicklungsminister Douglas Alexander nannte die Anwesenheit Mugabes in Rom "schamlos". "Bei diesem Gipfel geht es darum, die Versorgung mit Lebensmitteln zu verbessern - während die Menschen im Simbabwe Hunger leiden", sagte der Minister. Auch die australische Regierung kritisierte die Teilnahme Mugabes als "obszön".

Die britische Regierung prüft, ob sie den autokratischen afrikanischen Herrscher aus dem Ritterstand ausschließen soll. Das teilte ein Sprecher des Außenministeriums in London mit. Mugabe war 1994 unter der Regierung von Premierminister John Major in den Ritterstand erhoben worden.

AP/DPA / AP / DPA