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Weltweite Spähaktion: NSA sammelt milliardenfach Handydaten

Täglich soll die NSA Milliarden Standortinformationen von Mobiltelefonen auf der ganzen Welt sammeln, um Bewegungsprofile zu erstellen. Auch die Daten von vielen Deutschen könnten gespeichert sein.

Der US-Geheimdienst NSA sammelt nach Informationen der "Washington Post" jeden Tag fast fünf Milliarden Datensätze über die Standorte von Mobiltelefonen auf der ganzen Welt. Die NSA könne damit Bewegungsprofile von Menschen in einer Weise erstellen, die "früher unvorstellbar" gewesen wäre, schrieb die Zeitung auf ihrer Internetseite. Der Geheimdienst speichere und analysiere die Ortungsdaten von "mindestens hunderten Millionen Geräten".

Dadurch erhält die NSA den Angaben zufolge nicht nur Informationen über die Aufenthaltsorte von Menschen, sondern kann sich auch ein Bild von den Kontakten der Handybesitzer machen. Die Überwachung richte sich gegen "ausländische Ziele".

Ortungsdaten auch von Deutschen?

In dem Artikel schildert ein anonymer NSA-Mitarbeiter mit Erlaubnis des Geheimdienstes, wie das Überwachungsprogramm funktioniert. Die NSA zapft demnach die Kabel an, die Mobilfunknetzwerke weltweit verbinden, und schöpfe dabei "in gewaltigem Umfang" Ortungsdaten ab. Analysten könnten Handys überall auf der Erde ausfindig machen, die Bewegungen nachvollziehen und verborgene Beziehungen zwischen zwei oder mehreren Menschen aufdecken. Neben den Zielpersonen werden also die Daten von allen anderen Handynutzern, sogenannten "Co-Travelern", aufgenommen, die sich im gleichen Empfangsgebiet befinden. Möglicherweise sind auch viele Deutsche von der Spähaktion betroffen. Aus dem Artikel wird dies jedoch nicht ersichtlich.

Mit einem Analysewerkzeug durchkämmen die Geheimdienstler den Angaben zufolge die Daten nach übereinstimmenden Bewegungsmustern, um das Netzwerk von Terrorverdächtigen freizulegen. Wie lange die Daten von unbescholtenen "Co-Travelern" gespeichert werden, ist nicht klar.

Datenberg zu groß für Rechnerkapazität

US-Bürger nehme die NSA nicht gezielt ins Visier, allerdings greife der Geheimdienst als Nebenprodukt der Massenüberwachung auch in bedeutendem Umfang Daten von US-Mobilfunktelefonen ab. Die "Washington Post" beruft sich auf Dokumente des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden sowie Interviews mit Geheimdienstvertretern.

Durch die willkürliche Handyortung sammelt die NSA laut "Washington Post" einen kaum fassbaren Datenberg. Die Zeitung zitiert aus einem internen Dokument vom Mai 2012, in dem der Geheimdienst einräumt, dass das Programm "unsere Fähigkeit zur Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung" von Daten übersteige. Die NSA habe daraufhin ihre Rechnerkapazitäten erweitert.

Bericht zu NSA-Aktivitäten im Dezember

Seit Juni haben Snowden-Dokumente eine Reihe von Spähaktivitäten der NSA und verbündeter Geheimdienste ans Licht gebracht. So überwachte die NSA offenbar nicht nur massenhaft E-Mails und Telefonate von Menschen rund um die Welt, sondern hörte auch Spitzenpolitiker aus befreundeten Staaten ab, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

In Deutschland und anderen Staaten sorgten die NSA-Überwachung für Empörung, weil sie die Privatsphäre von Millionen unbescholtenen Bürgern verletzt. US-Präsident Barack Obama ordnete eine Überprüfung der Geheimdienstaktivitäten an, noch im Dezember soll das Ergebnis vorliegen. Grundsätzlich verteidigte das Weiße Haus die Spähprogramme aber immer wieder als notwendiges Mittel im Kampf gegen den Terrorismus.

awö/AFP / AFP