Wikileaks-Papiere FBI soll Informanten aufspüren


US-Verteidigungsminister Robert Gates macht ernst: Jetzt soll das FBI die Suche nach dem Wikileaks-Informanten in die Hand nehmen. Laut einem Zeitungsbericht gibt es bereits eine heiße Spur. Sie führt zu einem alten Bekannten.

US-Verteidigungsminister Robert Gates will nach der Veröffentlichung Zehntausender überwiegend geheimer Militärakten zum Afghanistankrieg entschlossen und "aggressiv" nach der undichten Stelle suchen. Bei der Untersuchung soll die Bundespolizeibehörde FBI helfen, teilte Gates mit. Insgesamt geht es um mehr als 90.000 Dokumente, die dem Internetprojekt Wikileaks zugespielt worden waren.

US-Generalstabschef Michael Mullen griff den Chef der Website, Julian Assange, scharf an. Er warf ihm vor, die Sicherheit anderer Menschen aufs Spiel zu setzen, um seine eigene Meinung deutlich zu machen. Laut Medienberichten führt die Spur zu dem bereits verdächtigen Obergefreiten Bradley Manning, der für das US-Heer Geheimdienstmaterial analysiert.

Konkrete Beweise auf Mannings Computer?

Nach Angaben der Zeitung "Wall Street Journal" haben Militärermittler nun auf dem Computer des 22-jährigen Obergefreiten konkrete Beweise gefunden, die ihn mit der Veröffentlichung der geheimen Akten in Verbindung verbringen. Damit rückt Manning in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Bisher hatte ihn das Verteidigungsministerium lediglich als "Person von Interesse" bezeichnet. Er ist bereits wegen eines anderen Informationslecks angeklagt, und vermutlich geht es dabei um die Wikileaks-Veröffentlichung von drastischen Videoaufnahmen einer tödlichen US-Hubschrauberattacke im Irak, mit dem die Enthüllungs- Webseite im April für Aufsehen sorgte.

Erste Untersuchungen seines Computers hätten ergeben, dass Manning vertrauliche Dokumente aus dem Afghanistan-Einsatz heruntergeladen hatte, schrieb die Zeitung weiter. Mannings Spezialgebiet ist eigentlich der Konflikt im Irak. Das Militär untersucht auch, ob er Zivilisten herangezogen hat, um das Geheimaterial an Wikileaks weiterzuleiten. Freunde und Bekannte des 22-Jährigen wurde nach Angaben der Zeitung von Militärermittlern befragt. Sie wollten feststellen, ob sie in letzter Zeit E-Mail oder Post von Manning erhalten haben.

Die im Internet veröffentlichten Unterlagen sind größtenteils Jahre alt, stammen aus der Zeit zwischen 2004 und 2009. Sie enthalten weitgehend bereits bekanntes Material, aber auch Angaben über die Art und Weise militärischer und geheimdienstlicher Operationen. "Die Folgen der Veröffentlichung auf dem Schlachtfeld können ernst und gefährlich für unsere Truppen, unsere Verbündeten und afghanischen Partner sein", sagte Gates. "Und sie können sehr wohl unsere Beziehungen und unser Ansehen in diesem Schlüsselteil der Welt beschädigen."

Schwere Vorwürfe gegen Wikileaks-Chef Assange

Assange könne über das Gute, das er und seine Quelle zu verfolgen glaubten, sagen, was er wolle, so Mullen. "Aber die Wahrheit ist, dass sie schon das Blut eines jungen Soldaten oder einer afghanischen Familie an ihren Händen kleben haben könnten." Das Pentagon habe die moralische Verpflichtung, alles Mögliche zu tun, "um die Folgen ... zu begrenzen, besonders für jene, die mit uns zusammengearbeitet und ihr Vertrauen in uns gesetzt haben, die nun zur Zielscheibe von Vergeltungsmaßnahmen werden könnten...Dieses Ministerium führt eine gründliche, aggressive Untersuchung durch, um herauszufinden, wie diese undichte Stelle entstanden ist, um die Person oder die Personen zu identifizieren, die dafür verantwortlich sind".

Mullen sagte, dass die Veröffentlichung der Unterlagen zwar keine Auswirkungen auf die Afghanistan-Strategie hätten. Aber "das schiere Ausmaß und die Reichweite der Sammlung" zwängen zu einer "sorgfältigen Prüfung, in welchem Maße künftige taktische Operationen betroffen und das Leben unserer Soldaten und afghanischen Partnern gefährdet sein könnten".

kng/DPA DPA

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