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Spiel mit Amtskollegen : Putin verhandelt beim Hockey über Gas-Preise

Wo verhandelt man besser über Gaspreise als auf dem Eis? Das dachten sich wohl Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko. Zusammen mit Geheimdienstoffizieren lieferten sich die beiden Präsidenten ein Hockey-Spiel. Mit Erfolg. 

Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko nehmen an einem Eishockey-Spiel während ihres Treffens in Sotschi teil

Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko nehmen an einem Eishockey-Spiel während ihres Treffens in Sotschi teil

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Wenn es darum geht, langwierige und schwierige Gespräche zu führen, lädt Wladimir Putin seine internationalen Verhandlungspartner gern nach Sotschi ein. Ob Angela Merkel, Recep Tayyip Erdogan oder Baschar al Assad - sie alle empfängt er in seiner Sommerresidenz am Schwarzen Meer. Am vergangenen Freitag war der weißrussische Machthaber an der Reihe. Alexander Lukaschenko reiste zu einem bilateralen Gipfel an, um den Preis russischer Gaslieferungen zu verhandeln. 

In den vergangenen Jahren ist das russische Gas zu einem Zankapfel zwischen Moskau und Minsk geworden. Während Weißrussland auf günstige Sonderpreise besteht, ist Russland zunehmend nicht gewillt, diese zu gewähren. Alle Versuche, eine Einigung zu erzielen, blieben bis dato erfolglos. Gegenwärtig gibt es so gut wie keine Lieferungen aus Russland an die weißrussischen Raffinerien. "Ein Moment der Wahrheit" stehe bevor, sagte Lukaschenko vor seinem Aufbruch zu den schwierigen Verhandlungen.

Acht Stunden lang steckten die beiden Präsidenten und ihre Delegationen die Köpfe zusammen. Doch verhandelt wurde nicht nur hinter Schreibtischen, sondern auch auf dem Eis. Putin und Lukaschenko gönnten sich zwischen den Gesprächen ein Hockey-Spiel. Die beiden Präsidenten spielten in einer Mannschaft. Der Sohn des weißrussischen Machthabers Nikolaj und Geheimdienstoffiziere beider Länder leisteten ihnen Gesellschaft. 

Der frisch ernannte stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates der Russischen Föderation Dmitri Medwedew beobachtete das Freundschaftsspiel von der Zuschauertribüne aus. In den Spielpausen gesellten sich Putin und Lukaschenko zu ihm und führten demonstrativ ein freundschaftliches Verhältnis vor. Das Spiel gewann natürlich die Mannschaft von Putin und Lukaschenko, mit 13:4.

Wladimir Putin gibt klein bei - vorerst 

Offenbar half das Match aber den Verhandlung auf die Sprünge, wie Lukaschenko später andeutete. Putin willigte am Ende ein, das russische Gas zu einem Preis von 127 US-Dollar pro 1000 Kubikmeter nach Weißrussland zu liefern. Allerdings gilt diese Vereinbarung nur für das Jahr 2020. Im Vergleich: Nach Europa verkaufte Russland 2018 sein Gas zu einem durchschnittlichen Preis von 246 Dollar pro 1000 Kubikmeter. 

Moskau ist aber zunehmend nicht bereit, diesen Rabatt zu gewähren. "Wir werden beim Abschluss eines Abkommens zwischen russischen Produzenten und belarussischen Verbrauchern helfen, aber wir können die Bedingungen der Regulierung der Ölindustrie in unserem Land nicht drastisch ändern. Sie wissen, dass der Ölpreis vom Markt und nicht von administrativen Maßnahmen bestimmt wird", erklärte der stellvertretende Leiter der Präsidialverwaltung Dmitri Kosak vor Journalisten nach den Gesprächen zwischen den beiden Präsidenten. 

Spätestens in einem Jahr wird Moskau den Gaspreis also erneut verhandeln wollen. Für die Rabatte erwartet man im Kreml von Weißrussland mehr Entgegenkommen und "Integration". Man erwarte von Minsk Schritte in Richtung Unionsstaat, wenn man weiter von den Geschenken aus Russland profitieren wolle, vor allem von den milliardenschweren Krediten und fehlenden Zöllen, ließ die russische Regierung bereits im vergangenen Jahr verlautbaren. Eine einheitliche Währung wäre da zum Beispiel angebracht.

Die Entwicklung zu einem sogenannten Unionstaat ist jedoch für Lukaschenko nicht hinnehmbar. Denn eins ist klar: Er wäre nicht derjenige, der dann auf dem Thron säße. 

Mehr zu einer möglichen Eingliederung Weißrusslands durch Moskau lesen Sie hier.

ivi