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Zypern zerrt am Euro: Ist der Ruf erst ruiniert ...

Die Zypern-Rettung ist ein Tabubruch. Der Staat bedient sich an Konten von Sparern, auch Europäer in anderen Ländern fürchten um ihr Geld. Wie geht es weiter mit der Eurokrise? Hier ein paar Fakten.

Zypern ist vorerst gerettet, dürfte aber auch in den kommenden Tagen und Wochen ein Thema bleiben. Noch sind die Hintergründe der Misere nicht ausreichend aufgearbeitet. Und völlig unklar ist, wie stark der Euro durch die Stützung des Inselstaates geschädigt wurde, zu der kurzerhand die Sparguthaben der Insulaner herangezogen werden.

Gleichzeitig gehen die Arbeiten auf der Eurobaustelle weiter. Nach dem Inselstaat dürften auch andere Länder wieder in den Fokus rücken.

Anleger und Investoren sind verunsichert. Sie fragen sich, ob die Euroretter eine Wende in ihrer Strategie vollzogen haben. Werden bei der nächsten Krise auch einfach Sparguthaben abkassiert? Und wie gerecht oder ungerecht liefen die Ereignisse in Zypern ab?

Dort will die Staatsanwaltschaft ab Dienstag klären, ob Politiker und Unternehmer begünstigt wurden. #link;http://www.stern.de/politik/ausland/eurokrise-und-zypern-banken-sollen-politiker-mit-millionengeschenken-verwoehnt-haben-1991190.html;Angeblich sollen Prominente Kredite von zyprischen Banken erhalten und diese nur zum Teil oder gar nicht zurückgezahlt haben.# Zudem wird berichtet, dass zyprische und andere europäische Unternehmen vor der Bankenschließung rund 700 Millionen Euro aus dem Inselstaat ins Ausland überwiesen haben.

Das alles ramponiert den Ruf des Euro. Hier eine kleine Bestandsaufnahme zur Gemeinschaftswährung und dem Zustand der Euro-Staaten.

Steht das Hilfspaket für Zypern?

Ja, allerdings müssen die Euroretter in den kommenden Wochen noch die Details fixieren. So müssen die internationalen Geldgeber das mit Zypern bereits ausgehandelte Abkommen ("Memorandum of Understanding") unterzeichnen.

Es enthält unter anderem Sparziele, Privatisierungen, die Anhebung der Körperschaftssteuer von 10 auf 12,5 Prozent und Schritte gegen Geldwäsche. Dies sind die Auflagen im Gegenzug für die zehn Milliarden Euro schwere Hilfe. Zu klären ist auch noch, welchen Betrag der Internationale Währungsfonds (IWF) übernimmt. Nach Schätzungen dürfte dies höchstens eine Milliarde Euro sein.

Wie sieht die Zukunft Zyperns aus?

Düster, sagt EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn. Der Inselstaat muss seinen aufgeblähten Bankensektor bis 2018 auf EU-Normalmaß schrumpfen. Das wird Wachstum und Arbeitsplätze kosten. Ungewiss ist, ob und wie schnell das Mini-Euroland ein neues Geschäftsmodell findet. Die Ratingagenturen drohen der Inselrepublik erneut mit der Abstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Experten gehen davon aus, dass Zypern noch länger am Tropf der Geldgeber hängen wird.

Werden künftige Rettungsaktionen nach Zyperns Vorbild ablaufen?

Das ist umstritten. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem betont, falls Banken in Schwierigkeiten geraten, "wird die Antwort nicht länger automatisch lauten: Wir werden kommen und eure Probleme lösen." Sprich: Sparer und Gläubiger müssten für die Sanierung von Banken einstehen - und nicht allein der Steuerzahler. Erstmals wurde dies in Zypern so gehandhabt.

Das habe einen gefährlichen Präzedenzfall geschaffen, kritisiert die Ratingagentur Standard & Poor's. Auch wenn Dijsselbloem später zurückruderte und prominente Vertreter der Euro-Zone widersprachen, ist die Diskussion um eine Neuausrichtung der Bankenrettung in vollem Gange.

Was bedeutet das für Anleger?

"Der Nimbus der Sicherheit ist weg", kritisiert Analyst Bernhard Speyer von der Deutschen Bank. Sobald künftig ein Schuldenstaat in Schwierigkeiten gerate und die Debatte über seine Rettung beginne, wüssten die Sparer, dass ihr Geld dort in Gefahr sei. Aus Angst um ihre Ersparnisse könnten sie ihre Konten plündern ("Bankrun").

Der frühere Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker warnte im "ZDF Heute-Journal": "Wir dürfen nicht den Eindruck geben, als ob Investoren ihr Geld nicht in Europa anlegen sollten. Dies schadet dem Gesamtfinanzplatz Europa." Der Internationale Bankenverband IIF sieht negative Folgen für Banken: "Der neue Ansatz lädt den Banken in schwachen Volkswirtschaften - vor allem Portugal, Spanien und Italien - mehr Stress bei der Kapitalbeschaffung auf."

Will die EU bei Bankpleiten nun immer Großsparer zur Kasse bitten?

Ja. Das sehen zumindest Pläne der EU-Kommission vor, die schon im Sommer verabschiedet werden sollen. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier sagt, "vorrangige Gläubiger und nicht abgesicherte Einleger [sollten] an den Kosten einer geordneten Insolvenz beteiligt werden können." Gesetzlich geschützt seien nur Sparkonten bis 100.000 Euro.

Ist die Gefahr einer Ansteckung für andere Euro-Länder beseitigt?

Sie ist kleiner geworden, aber nicht verschwunden. Dazu war das politische Management der Zypern-Krise nach Ansicht von Kritikern zu schlecht. Zwei Anläufe in zehn Tagen brauchten die Euroretter; zudem gab es Kommunikationspannen und öffentliche Entrüstung von Sparern.

Wie wird es an den Krisenherden weitergehen?

Fünf Euroländer erhalten bereits Hilfsmilliarden: Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und Zypern. Alle gelten nach wie vor als Sorgenkinder des gemeinsamen Währungsraums.

Denkbar ist, dass Spanien nach Bankenhilfen auch als Gesamtstaat unter den Eurorettungsschirm schlüpfen muss. Als nächster Kandidat gilt zudem Slowenien, das laut Prognose der Commerzbank noch in diesem Jahr um Hilfe bitten dürfte. Sorgen bereitet auch Italien, das in einem politischen Patt steckt. Frankreich ist wegen stockender Reformen und hohem Staatsdefizit in den Fokus geraten.

Und wie ist es um andere Bankenparadiese bestellt?

Im Euroraum gibt es weitere Kleinstaaten mit überdimensioniertem Finanzsektor, etwa Malta und Luxemburg. Dort gehe die Angst vor den deutschen "Euro-Polizisten" um, die eine Verkleinerung des Bankensektors fordern, schrieb die "Frankfurter Rundschau". Bislang profitiere Luxemburg davon, dass ausländische Anleger Geld von Zypern dorthin bringen, sagte der Chef des luxemburgischen Bankenverbands ABBL, Ernst Wilhelm Contzen, dem "Handelsblatt": "Offen gesagt: Zypern schlägt uns auf die Butterseite." Anleger schätzten das gute Rechtssystem und die Maßnahmen gegen Geldwäsche: "Wer bei uns ein Konto eröffnet muss sagen, ob er weiße oder grüne Unterwäsche trägt."

anb/DPA / DPA