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Gefälschte Website "CSU – Endlich Dahoam" ist ein Fake: Künstlerkollektiv "Creative Sisters United" verhöhnt Horst Seehofer

Horst Seehofer greift sich nachdenklich ins Gesicht
Laut "CSU Endlich Dahoam" wird die Forderung, die Geflüchteten aus Lagern wie Kara Tepe (ehemals Moria) aufzunehmen, mit dem christlichen Fundament der CSU begründet
© Kay Nietfeld / DPA / Picture Alliance
Es wirkt wie eine professionelle CSU-Kampagne, doch die Seite ist gefälscht. Bei "CSU – Endlich Dahoam" fordert vermeintlich der Bundesinnenminister Horst Seehofer die Aufnahme sämtlicher Geflüchteter von Städten, die sich als "sichere Häfen" bekennen.

Eine gefälschte Website nimmt die Flüchtlingspolitik von Bundesinnenminister Horst Seehofer und seiner Partei aufs Korn. Unter dem Titel "CSU – Endlich Dahoam" verkündet Seehofer vermeintlich die Aufnahme von Flüchtlingen unter anderem aus Lagern auf den griechischen Inseln: "Mit der 'Endlich Dahoam'-Kampagne schreiben wir feierlich ein neues Kapitel des humanistischen Bayerns". Eine Sprecherin des Innenministeriums bestätigte am Dienstag auf Anfrage: "Die Internetseite www.csu-endlich-dahoam.com ist kein durch das Bundesinnenministerium oder den Bundesinnenminister veröffentlichter Auftritt."

Auch seitens der CSU hieß es auf Nachfrage, dass der Account ein Fake sei. "Es ist der Versuch, mit Fälschungen politisch zu manipulieren", sagte ein Parteisprecher in München. Da jedoch vorgegeben werde, es handele sich um einen offiziellen Account der CSU, "prüfen wir Schritte dagegen".

Die Homepage fordert die schnelle Räumung von Flüchtlingscamps wie Kara Tepe

"'Endlich dahoam' ist das europapolitische Zugeständnis eines Heimatministers an den christlichen Glauben", heißt es auf der Website, die im Impressum fälschlicherweise die CSU nennt. "Gemäß §23 des AufenthG erbittet der Innenminister hiermit alle aufnahmebereiten Kommunen und Städte, ihre Kapazitäten auszuschöpfen. Beginnend mit dem bekannten "Camp Kara Tepe" – ehem. "Moria" – wird der Weg für eine geordnete und sichere Einreise nach Deutschland frei gemacht. Das Bundesinnenministerium ist auf die Verteilung der Flüchtlinge vorbereitet." Die Adresse der Website wurde am 23. Juni registriert, der älteste Post einer gleichnamigen Instagram-Seite ist vom 30. April. Der Instagram-Account ist inzwischen offline.

Die Aufnahme von Migranten ist schon lange ein Streitpunkt zwischen dem Bundesinnenministerium und einigen Ländern, die gerne mehr Menschen eine Zuflucht bieten würden. Ausdrücklich aufnahmebereite Kommunen haben sich im "Bündnis Städte Sicherer Häfen" zusammengeschlossen, das derzeit 100 Mitglieder hat.

Das selbsternannte Künstler:innenkollektiv veröffentlichte mittlerweile einen offenen Brief

In einem heute veröffentlichten offenen Brief an die Bundesregierung kritisiert das selbsternannte Künstler:innenkollektiv namens "Creative Sisters United" die Zustände in Flüchtlingslagern wie Kara Tepe, ehemals Moria. Sie berichten von Suizidversuchen und weisen auf Rechtsgutachten hin, die bestätigten, dass die Bundesregierung die Aufnahme von Geflüchteten durch die Bundesländer nicht verhindern dürfe. Namentlich wird Horst Seehofer aufgefordert, die Lage der Geflüchteten nicht länger hinzunehmen: "Klar ist, dass jeder einzelne Tag, den die Menschen dort verbringen müssen, eine Schande für ganz Europa und seine Werte ist. Als Bundesinnenminister tragen Sie, Horst Seehofer, erhebliche Verantwortung dafür, diese Zustände zu beenden."

Quellen:  CSU Endlich Dahoam / DPA-Material

mkb DPA

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