"Sauerland-Zelle" Mutmaßlicher Terrorhelfer verhaftet


Der Bruder eines mutmaßlichen Terroristen aus der "Sauerland-Zelle" ist im hessischen Langen als Terrorhelfer verhaftet worden. Der 21-jährige Türke steht im dringenden Verdacht, die Terrorgruppe "Islamische Dschihad Union" unterstützt zu haben. Für Besorgnis sorgt derweil ein neues Video des deutschen Islamisten Eric Breininger.

Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) haben im hessischen Langen einen mutmaßlichen Helfer der Sauerländer Terrorzelle verhaftet. Dabei handelt es sich um den 21 Jahre alten Bruder von Adem Yilmaz, der bereits vor gut einem Jahr bei einer Aufsehen erregenden Aktion festgenommen wurde, wie die Bundesanwaltschaft am Mittwoch mitteilte. Der türkische Staatsangehörige ist demnach dringend verdächtig, in zwei Fällen die ausländische terroristische Vereinigung Islamischer Dschihad Union (IJU) unterstützt zu haben. Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) erließ einen Haftbefehl wegen Unterstützung einer ausländischen Terroristischen Vereinigung sowie Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsgesetz in zwei Fällen.

Neues Islamisten-Video aufgetaucht

Für Beunruhigung sorgte ein neues Video des unter Terrorverdacht stehenden deutschen Islamisten Eric Breininger, der ebenfalls dem Umfeld der Sauerland-Gruppe zugerechnet wird. In allgemeiner Form hat er mit Anschlägen von Gesinnungsgenossen gedroht. Das BKA hält das Video für authentisch. "Es handelt sich um Breininger", sagte eine Sprecherin der Behörde in Wiesbaden. "Wir gehen von einer Urheberschaft der Islamischen Dschihad-Union aus."

Nach dem 21-jährigen Deutschen werde weiter gefahndet, auch wenn Hinweise auf eine mögliche Rückkehr aus Afghanistan nach Europa keine Bestätigung gefunden hätten. Eine "endgültige Sicherheit", dass Breininger wie behauptet in Afghanistan sei, liefere das Video nicht. Der seit Monaten gesuchte Mann sagte in dem Film: "Ich befinde mich in Afghanistan und plane persönlich keinen Anschlag gegen die Bundesrepublik Deutschland." Er erklärte aber auch, solange die Bundeswehr in Afghanistan und Usbekistan eingesetzt werde, "hat Deutschland mit Anschlägen zu rechnen".

Die IJU - derzeit eine der gefährlichsten Terrorgruppen - steht nach Erkenntnissen der Ermittler hinter der im Sauerland ausgehobenen Terrorzelle, die massive Bombenanschläge in Deutschland geplant haben soll. Der Bruder des Verdächtigen, Adem Yilmaz, war nach monatelanger Überwachung am 4. September 2007 zusammen mit den Deutschen Fritz Gelowicz und Daniel Schneider festgesetzt worden. Die Bundesanwaltschaft hat im September Anklage gegen das Trio erhoben.

Der nun festgenommene Verdächtige soll auf Betreiben seines Bruders über Mittelsmänner in der Türkei 1100 Euro an die IJU transferiert haben. Außerdem soll er einem IJU-Kämpfer ein Fernglas, ein Nachtsichtgerät und eine Kamera zur Weiterleitung in ein Terrorcamp übergeben haben. Nach Informationen des Magazins "Focus" hat der Empfänger telefonisch bei Adem Yilmaz die ihm unverständliche englische Bedienungsanleitung moniert - wodurch die mithörenden Ermittlungsbehörden auf den Transfer aufmerksam geworden seien.

Adem Yilmaz und sein jüngerer Bruder waren bereits seit längerem im Visier der Ermittler. In ihrer Gartenlaube in Langen gab es nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen mehrfach Treffen mit anderen Islamisten, darunter mit Cüneyt Ciftci, einem Islamisten aus dem bayerischen Ansbach, der im März in Ost-Afghanistan als Selbstmordattentäter vier Menschen mit in den Tod riss. Auch der 27-jährige Türke Hüseyin Ö. - Mitte September ebenfalls als mutmaßlicher IJU-Unterstützer verhaftet - soll dort verkehrt haben.

AP/DPA AP DPA

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