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Außenminister Steinmeier 40.000 Flüchtlinge am Wochenende in Deutschland erwartet


Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier rechnet für das kommende Wochenende mit rund 40.000 neuen Flüchtlingen in Deutschland - das wäre ein neuer Rekord.

Deutschland steht in der Flüchtlingskrise vor einem neuen Rekordwochenende: Er rechne in den kommenden beiden Tagen mit der Ankunft von etwa 40.000 Schutzsuchenden, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Freitag in Prag. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen versetzte rund 4000 Bundeswehr-Soldaten in Rufbereitschaft. Sie sollten "im Notfall mit anpacken können", sagte sie dem "Spiegel".

Vergangenes Wochenende waren mit über 20.000 Menschen so viele Asylsuchende wie nie zuvor an zwei Tagen nach Deutschland gekommen. An der österreichischen Grenze kam es wegen des Andrangs unterdessen erneut zu chaotischen Zuständen. In Deutschland mehren sich die skeptischen Stimmen, die auf die Probleme durch die Massen an neuen Einwohnern hinweisen. Vor allem in der CSU wurde heftige Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel geübt. Nach einer Umfrage sind zwei von drei Deutschen mit dem Krisenmanagement unzufrieden.

Tausende Flüchtlinge in Österreich angekommen

Während in Deutschland die Lage am Freitag zunächst ruhig blieb, kamen in Österreich bis zum Nachmittag mehrere tausend Flüchtlinge an. Die Polizei sperrte die Autobahn A4, weil sich die Menschen zu Fuß auf den Weg nach Wien machten. In Nickelsdorf direkt an der ungarischen Grenze verloren die Behörden die Kontrolle. "Es ist totales Chaos. Es laufen Leute auf der Straße - Hunderte, wenn nicht Tausende laufen Richtung Nickelsdorf", berichtete eine Reuters-Korrespondentin. Die Polizei im Burgenland rechnete wie am Vortag erneut mit rund 8000 neuen Asylsuchenden. Am Wochenende will die Österreichische Bundesbahn den Verkehr von und nach Ungarn aussetzen.

Auch an anderen Stellen Europas drängten sich die vielfach aus dem Bürgerkriegsland Syrien stammenden Flüchtlinge. In Mazedonien kamen innerhalb von 24 Stunden von Mittwoch- bis Donnerstagabend 7600 Hilfesuchende an. Sie waren über die griechische Grenze gekommen und wollen zumeist über Serbien und Ungarn ihren Weg in die Europäische Union fortsetzen. Ungarns Außenminister Peter Szijjarto erklärte, bis Ende des Jahres würden 400.000 bis 500.000 Flüchtlinge ins Land kommen. Regierungschef Viktor Orban bekräftigte sein in vielen EU-Ländern kritisiertes drastisches Vorgehen: Wer illegal über die Grenze nach Ungarn komme, werde vom 15. September an inhaftiert. Nach Angaben des Internationalen Organisation für Migration haben dieses Jahr bislang über 430.000 Flüchtlinge das Mittelmeer überquert - doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer erklärte nach einem Telefonat mit Orban, das Schengen-Abkommen müsse wieder greifen. Seehofer rief damit indirekt zu schärferen Kontrollen an den Außengrenzen der Vertragsstaaten auf. Ungarn grenzt an den Nicht-Schengen-Staat Serbien. Ungarn hat an der Grenze einen Stacheldrahtzaun errichtet, der in vielen EU-Ländern jedoch als unmenschlich abgelehnt wird.

fin Reuters

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