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Verkauf von NS-Devotionalien: So sieht es aus, wenn der AfD-Spitzenkandidat Müller Hakenkreuze "abklebt"

Nach den Recherchen von stern und "Panorama" sagt AfD-Chef Jörg Meuthen, das Verhalten seines Spitzenkandidaten im Saarland, Rudolf Müller, sei "mit der Mitgliedschaft in der AfD nicht vereinbar". Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Müller spricht von "Schweinejournalismus".

Rudolf Müller von der AfD Saar handelt in seinem Geschäft mit NS-Devotionalien

Rudolf Müller von der AfD Saar handelt in seinem Geschäft mit NS-Devotionalien

Es wird telefoniert und beratschlagt, und wie so oft in der AfD schaukeln sich die Emotionen auch auf Facebook hoch. Der stern und das ARD-Magazin "Panorama" haben enthüllt, dass Rudolf Müller, der nächste Spitzenkandidat der Partei für eine Landtagswahl, Orden mit Hakenkreuzen und "KZ-Geld" vertreibt. Die Recherche lässt den Landesverband Saar der Partei erneut in trübem Licht erscheinen.

Die AfD-Spitze allerdings reagiert. "Wir werden uns das eingehend anschauen", sagte AfD-Chef Jörg Meuthen dem stern. "Wenn das nicht schon im Landesverband Saar intern gelöst wird, werden wir das zu bewerten haben. Das hat ja bundespolitische Auswirkungen." Auf der nächsten Sitzung des Bundesvorstands werde über das Thema gesprochen.

Meuthen: "Mit der Mitgliedschaft in der AfD nicht vereinbar"

Meuthen hält wenig davon, dass ein AfD-Mann in herausgehobener Funktion mit NS-Devotionalien handelt. "Dass so etwas nicht meine Billigung findet, wird Sie nicht überraschen", sagte Meuthen weiter. Der Bundesvorsitzende legt Rudolf Müller auch nahe, die AfD zu verlassen. Solches Verhalten sei "mit der Mitgliedschaft in der AfD nicht vereinbar", sagte Meuthen, und fügte hinzu: "Offenbar ist ihm das ja auch bewusst."

Damit spielt der AfD-Chef auf einen Satz an, den Rudolf Müller vergangenen Sonntag in die Kameras des ARD-Magazins "Panorama" sagte und der heute Abend ab 21.45 Uhr zu sehen ist. Auf die Frage: "Ziemt es sich für einen AfD-Spitzenkandidaten, mit Hakenkreuzorden zu handeln?" antwortete Müller, der im Landesvorstand seiner Partei sitzt und ein enger Vertrauter des Vorsitzenden Josef Dörr ist, kurz und knapp: "Das ziemt sich nicht, nein."

Rudolf Müller spricht von "Schweinejournalismus"

Rudolf Müller gab sich in dem Interview unberührt. Gestern allerdings klang er anders. Da unterhielt sich Müller mit Journalisten der Deutschen Presse-Agentur (DPA) und der "Saarbrücker Zeitung" – und teilte aus. "Schweinejournalismus" wirft der Spitzenkandidat dem stern und "Panorama" nun vor. Und die Hakenkreuze auf den Orden, so zitiert ihn DPA, habe er abgeklebt.

Der Schweinejournalismus-Vorwurf mag bei einem wie Müller nicht überraschen. Im März veröffentlichte der stern E-Mails und WhatsApp-Nachrichten, die Kontakte der Saar-AfD-Chefs mit Neonazis dokumentierten. Im Landesvorstand, dem Müller angehört, hieß es damals, die Nachrichten seien gefälscht. Es war ein kindisches Abstreiten à la "Ich war das nicht".

Bilder beweisen: Müller verkauft Hakenkreuze unabgeklebt 

Nun behauptet Müller, er klebe die Hakenkreuze an seinen Orden ab. In der neuen, heute erscheinenden Ausgabe des stern ist ein Foto zu sehen, das in Müllers Geschäft in Saarbrücken entstand. Es zeigt eine Auslage, die oben auf dem gläsernen Tresen liegt, gleich rechts neben der Eingangstür. Darauf sind zwei Artikel mit Hakenkreuzen zu sehen. Die Hakenkreuze sind: unabgeklebt.

Müller klebte das Hakenkreuz an einem der Orden auch nicht ab, als er es einem Käufer von "Panorama" anbot. Wohl aber hielt er es dem Kunden direkt vor die Nase, wie in dem Beitrag zu sehen ist.

Die Saar-AfD stärkt ihrem Spitzenkandidaten einstweilen den Rücken. Müller genieße sein volles Vertrauen, zitiert der "Saarländische Rundfunk" (SR) den Landesparteichef Dörr, der den Verkauf von Hakenkreuzen ansonsten offenbar nicht weiter kommentieren will. Er gehe davon aus, so AfD-Landesvorsitzende, dass Müller sein Geschäft nach Recht und Gesetz betreibe und ein sehr gewissenhafter Mann sei. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken allerdings hat trotzdem Ermittlungen gegen Müller aufgenommen. Ein Sprecher teilte dem SR mit, dass Anfangsverdacht einer Straftat nach Paragraph 86a Strafgesetzbuch bestehe.

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