HOME

#Merkelstreichelt: Weinendes Flüchtlingsmädchen - So wird Merkel im Netz angefeindet

"Es werden manche auch wieder zurückgehen müssen", sagt Kanzlerin Angela Merkel einem Flüchtlingsmädchen, dem die Abschiebung droht. Sie beginnt zu weinen. Die Empörung auf Twitter ist enorm. 

Von Matthias Jauch

Die Worte von Angela Merkel brachten Reem, ein Flüchtlingsmädchen palästinensischer Herkunft, zum Weinen. Hier versucht die Bundeskanzlerin zu trösten

Die Worte von Angela Merkel brachten Reem, ein Flüchtlingsmädchen palästinensischer Herkunft, zum Weinen. Hier versucht die Bundeskanzlerin zu trösten

In einem nur zweiminütigen Videoclip zeigt sich die ganze Grausamkeit der deutschen Flüchtlingspolitik. Beim Bürgerdialog mit dem schönen Titel "Gut leben in Deutschland" erzählt Reem, ein Mädchen palästinensischer Abstammung, Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwochnachmittag in Rostock von ihrem Schicksal. Der Sechstklässlerin und ihrer Familie droht die Abschiebung aus Deutschland. Reem aber will nicht gehen. Sie hat Ziele. Sie wolle studieren, erklärt das Mädchen der Kanzlerin. 

Und die Antwort? "Das ist manchmal auch hart - Politik", sagt Merkel leicht holprig, aber pragmatisch und kühl, so wie man sie kennt. "Du bist ein unheimlich sympathischer Mensch. Aber in den palästinensischen Flüchtlingslagern im Libanon gibt es noch Tausende und Tausende." Man könne nicht allen Flüchtlingen im Nahen Osten oder in Afrika zurufen: "Ihr könnt alle kommen." Und weiter: "Es werden manche auch wieder zurückgehen müssen", sagte Merkel wenig einfühlsam dem jungen Mädchen, das augenblicklich zu weinen beginnt. Merkel ist überfordert, ratlos, geht schließlich auf Reem zu und streichelt sie.  

Merkel-Video verbreitet sich viral im Netz

"So kann man doch nicht mit einem kleinen Mädchen umgehen", empört sich eine Lehrerin im benachbarten Raum des Schulzentrums, wohin der Dialog live übertragen wird. Der Kanzlerin fehle doch jegliche Empathie.  

Auch im Internet ist die Empörung groß. Das Video des NDR hat sich in wenigen Stunden geradezu viral verbreitet. Vor allem auf Twitter lassen Nutzer unter den Hashtags "#Primagemacht" und "#Merkelstreichelt" ihrem Ärger freien Lauf. Als "entsetzlich" und "widerwärtig" beschreiben es die User. "Mich packt gerade die Wut", schreibt ein Weiterer. 




Der Hashtag "#Merkelstreichelt" entwickelte sich in wenigen Stunden sogar zum Toptrend, also zu einem der meistverwendeten Schlagwörter. Bis zum frühen Abend wurden 1500 Tweets unter dem Schlagwort verbreitet. 

Viele der Tweets greifen das Video auch sarkastisch auf, versenden ihre Nachrichten mit Fotomontagen zu Angela Merkel. "Ich wusste nicht weiter, da habe ich sie halt gestreichelt" steht in einem Bild, das die Kanzlerin Angela Merkel zusammen mit Barack Obama beim G7-Gipfel im bayrischen Elmau zeigt. Im Original war es das am stärksten verbreitete Bild des Gipfeltreffens.



Wenig Verständnis auf Twitter, Kritik von der Opposition

Der Kanzlerin wird allerdings auch Verständnis entgegen gebracht.  "Wenigstens hat sich Merkel nicht hinter Allgemeinplätzen versteckt, sondern ehrlich gesagt, was sie denkt", schreibt ein User. 


Die zustimmenden Kommentare auf Twitter sind jedoch deutlich in der Minderheit. Auch Oppositionspolitiker kritisierten die Kanzlerin scharf. Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt teilte über Twitter mit: "Die Fehler der Bundesregierung in der Flüchtlingspolitik kann man nicht wegstreicheln." Omid Nouripour, Grünen Abgeordneter im Bundestag schrieb sarkastisch, dass Merkel nun eben noch schneller abschiebe.



Die Kanzlerin hat derzeit nicht das beste Standing im Netz. Nach der Einigung im Euro-Schuldenstreit fegte der erste Shitstorm über Merkel und ihren Finanzminister Wolfgang Schäuble hinweg. Unter den Hashtags "#Thisisacoup" und "#BoycottGermany" polemisierten die User gegen die harte deutsche Haltung gegenüber Griechenland. Nun folgt mit "#merkelstreichelt" das nächste Bashing.