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Anschlag auf Weihnachtsmarkt Das sagen die Geschwister des Terrorverdächtigen Anis Amri

Der Terrorverdächtige Anis Amri wird im Zusammenhang mit den Anschlägen von Berlin gesucht
Der Terrorverdächtige Anis Amri wird im Zusammenhang mit den Anschlägen von Berlin gesucht
© BKA/AFP
Nach dem Terrorverdächtigen Anis Amri wird fieberhaft gesucht. Auf den 24-Jährigen wurde eine Belohnung von 100.000 Euro ausgelobt. Journalisten sprachen mit seinen Geschwistern in Tunesien.

Zwei Tage vor Weihnachten läuft die Fahndung nach dem Attentäter von Berlin in Deutschland und Europa weiter auf Hochtouren. Die Ermittler konzentrierten sich nach wie vor auf den als "Gefährder" eingestuften Tunesier Anis Amri, für den die Bundesanwaltschaft am Mittwoch einen Fahndungsaufruf veröffentlichte. Sie bat um Hinweise aus der Bevölkerung und setzte eine Belohnung von bis zu 100.000 Euro aus. Zugleich wurde gewarnt, der 24-Jährige "könnte gewalttätig und bewaffnet sein".

Tunesische Anti-Terror-Ermittler befragten derweil die Familie des Gesuchten in dessen Heimat, wie AFP aus Sicherheitskreisen in Tunesien erfuhr. Die Eltern leben in der Stadt Oueslatia. Amri war demnach in Tunesien mehrfach wegen Drogendelikten festgenommen worden. 2011 sei er von Tunesien nach Italien gelangt.

Seine Geschwister äußerten Zweifel, dass er für den Anschlag verantwortlich sei. "Als ich das Foto meines Bruders in den Medien gesehen habe, habe ich meinen Augen nicht getraut", sagte der Bruder Abdelkader Amri in Tunesien AFP. "Ich kann nicht glauben, das er das Verbrechen begangen hat." Sollte sich wider Erwarten doch herausstellen, dass sein Bruder für den Anschlag verantwortlich sei, verdiene er "jede Strafe", fügte er hinzu.

Bei dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche nahe dem Kurfürstendamm wurden am Montag zwölf Menschen getötet. Fast 50 weitere Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag für sich und erklärte, die Tat sei von einem ihrer "Soldaten" begangen worden.

Bruder Walid Amri: Anis hat keine Wohnung in Deutschland

Die "Bild" (Bezahlinhalt) telefonierte unterdessen mit einem weiteren Bruder Amri, dem 30-jährigen Walid Amri. Dieser lebe in Kairouan, wo auch Anis herkomme und arbeite dort als Lkw-Fahrer. Walid gab an, nicht zu wissen, wo sein Bruder sich aufhalte. "Vor ungefähr zwei Wochen hatten wir das letzte Mal Kontakt über Facebook. Ich habe keine Handynummer von ihm, wir haben immer nur über Facebook geschrieben."

Walids Angaben zufolge habe Anis 2011 Tunesien verlassen und sei nach "drei oder vier Jahren" in Italien nach Deutschland gekommen. Medienberichten zufolge soll er in Italien eine Haftstrafe wegen Brandstiftung an einer Schule abgesessen haben. In Deutschland hat er laut Walid keine feste Wohnung gehabt, sonder habe "mal hier und mal da" geschlafen. "Bei unserem letzten Kontakt vor zwei Wochen sagte er, dass es ihm gut geht."

Die Tat wegen der Anis gesucht wird, schocke seinen Bruder Walid: "Dass mein Bruder gesucht wird, habe ich bei Facebook gesehen. Ich habe keine Ahnung, ich weiß von nichts. Ich bin genauso betroffen wie alle anderen. Wir haben keinen Kontakt zu ISIS." Auf die Nachfrage, ob er seinem Bruder einen solchen Anschlag zutraue, sagte Walid: "Ich habe keine Ahnung."

fin AFP

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