Attentat von Passau Helfer gehören zu militanten Neonazis


Für die Messerattacke auf den Passauer Polizeichef soll eine Gruppe verantwortlich sein, die den "nationalen Autonomen" zugeordnet wird. Dabei handelt es sich um sehr gewaltbereite Neonazi-Organisationen, die sich nicht auf eine übergreifende rechtsextreme Zusammenarbeit einlassen wollen.

Die mutmaßlichen Helfer beim Mordanschlag auf den Passauer Polizeichef gehören offenbar zu einer besonders gewaltbereiten Münchner Neonazigruppe. Der in Untersuchungshaft sitzende 33-Jährige sei ein "Kamerad der Freien Nationalisten München", heißt es auf der Homepage der Gruppierung. Dem Mann und seiner 22-jährigen, ebenfalls inhaftierten Ehefrau wird Beihilfe zum versuchten Mord vorgeworfen.

Der bayerische Verfassungsschutz schätzt die Gruppe als "betont aggressiv" und "gewaltbereit" ein, wie ein Behördensprecher am Donnerstag sagte. Die Gruppe akzeptiere Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung und sei den sogenannten "nationalen Autonomen" zuzuordnen.

Diese gewaltbereiten Rechtsextremisten traten erstmals bei den Mai-Krawallen in Hamburg größer in Erscheinung. Sie gehören laut Bundesamt für Verfassungsschutz nicht zur traditionellen rechtsextremistischen Szene. Mit schwarzer Kleidung, Turnschuhen, Sonnenbrillen, Baseball-Kappen und Kapuzenpullovern sind sie auf den ersten Blick von "linken" Gegendemonstranten kaum zu unterscheiden. Sie wenden sich gegen den starken Trend im Rechtsextremismus hin zu einer organisationsübergreifenden Zusammenarbeit im Umfeld der NPD und beharren auf eigenständigen Aktions- und Organisationsformen.

Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, bezifferte das Netzwerk dieser militanten Rechten im "Focus" auf bundesweit über 400 Anhänger. Sollte sich diese neue Bewegung in der Szene durchsetzen, fürchtet Ziercke den Angaben zufolge einen Strategiewechsel bei Aufmärschen und Demonstrationen: "Von einem möglichst disziplinierten und zurückhaltenden Auftreten hin zu militanterem Auftreten mit gewalttätigen Aktionen", zitiert das Magazin Ziercke.

Fahndung nach Haupttäter auf Hochtouren

Unterdessen wird weiter auf Hochtouren nach dem Attentäter und einem möglichen Komplizen gesucht. Beide werden von Polizei und Staatsanwaltschaft als typische Skinheads mit Glatzen und Tätowierungen an Hals oder Kopf beschrieben. Möglicherweise handele es sich sogar um ein und dieselbe Person, die am Tattag mit der inzwischen verhafteten Frau nahe dem Tatort gesehen worden war. Ein weiterer Festgenommener wurde nach Angaben der Ermittler wieder freigelassen. Es habe sich um einen Zeugen gehandelt, der sich geweigert habe, Aussagen zu machen. Nach der Vernehmung durch einen Richter wurde er wieder entlassen.

Der Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl war am Samstag vor seinem Wohnhaus in Fürstenzell von einem großen, glatzköpfigen Mann niedergestochen worden. Das Auto des Münchner Paares mit einem Kennzeichen aus dem Bayerischen Wald sei einem Zeugen am Samstag in Fürstenzell aufgefallen, verlautete aus Polizeikreisen. Der Zeuge habe die beiden auf Fotos wiedererkannt, die das Paar bei der Beerdigung des Altnazis Friedhelm Busse im Juli in Passau zeigten.

DPA DPA

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