Ausbildung Über 31.000 Lehrstellen fehlen


Trotz der dramatischen Lehrstellenlücke zeigen sich Regierung und Wirtschaft optimistisch, die Ziele des Ausbildungspaktes im laufenden Jahr zu übertreffen - und so die Lehrstellenlücke in Grenzen zu halten. Die Gewerkschaft sieht das anders.

Die dramatische Lehrstellenlücke von 31.000 fehlenden Plätzen wollen Bundesregierung und Wirtschaft mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung bekämpfen. Für die Gewerkschaften ist dagegen der Ausbildungspakt zwischen Politik und Unternehmen gescheitert. "Die Wirtschaft hat ihre Zusagen nicht eingehalten", sagte am Mittwoch die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Sie forderte erneut eine Abgabe für Unternehmen, die nicht ausbilden.

"Der Pakt funktioniert"

Branchenverbände und Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) wiesen die Kritik entschieden zurück. "Der Pakt funktioniert. Ich bin zuversichtlich, dass die Ziele auch in diesem Jahr nicht nur erreicht, sondern wiederum übertroffen werden", sagte Glos nach einem Spitzentreffen mit der Wirtschaft. Der Konjunkturaufschwung ermutige die Unternehmen, mehr Ausbildungsplätze zu schaffen. Eine Ausbildungsplatzabgabe lehnt Glos ab. Das löse kein Problem.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Ute Erdsiek-Rave (SPD), warnte vor einer "schleichenden Aushöhlung" des dualen Ausbildungssystems. "Die Zahl der Ausbildungssuchenden ist in den vergangenen dreizehn Jahren um rund 175.000 gestiegen, während in dem gleichen Zeitraum die Zahl der dualen Ausbildungsplätze um rund 45.000 abgenommen hat", sagte die schleswig-holsteinische Bildungsministerin. Die Länder unternähmen große Anstrengungen, um die Qualifikationen der Schüler zu verbessern.

Ausbilder bemängeln schlechte Bildung

Der ungenügende Bildungsstand ist für 63 Prozent der größeren Unternehmen das Hauptproblem in der Ausbildung. Dies geht aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor. Teilweise könnten trotz 150 Bewerbern nicht einmal fünf Plätze besetzt werden. DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun rief die Ministerpräsidenten auf, eine Bildungsoffensive zu starten.

Die Gewerkschaftskritik sei nicht gerechtfertigt, sagte Braun. Allein die Kammern hätten 10.000 neue Ausbildungsbetriebe mit rund 14 000 Lehrstellen eingeworben. Auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) betonte, die Wirtschaft habe alle Zusagen eingehalten und "sogar deutlich übererfüllt". Im Vorjahr seien statt der zugesagten 30.000 rund 63 000 neue Plätze angeboten worden. Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Otto Kentzler, warf dem DGB vor, mit "alljährlicher Panikmache leider oftmals eine gemeinsame Problemlösung zu torpedieren". Im Handwerk sei jede zehnte Stelle mit einem Lehrling besetzt.

Thema Ausbildung "verschlafen"

Die Grünen kritisierten, die Bundesregierung habe das Thema Ausbildung verschlafen. Dies gelte besonders für Glos. "Wenn Sie nach acht Monaten Regierung nicht wissen, wo die Probleme liegen, sind Sie fehl am Platze", sagte die bildungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Priska Hinz.

Glos kündigte an, dass die Regierung die finanzielle Unterstützung für schwer vermittelbare Azubis erhöhen könnte. Ein entsprechendes Förderprogramm von Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) sei bereits fast erschöpft. "Wenn es darum geht, noch ein paar Millionen mehr bereitzustellen, wird sicher Bereitschaft in der Bundesregierung und im Bundestag vorhanden sein."

DPA DPA

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