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Bahn-Bomber: "Ich bin ein unschuldiger Mann"

Der mutmaßlichen Bahn-Bomber Dschihad Hamad hat seine Unschuld beteuert. "Ich bin ein unschuldiger Mann", soll er der libanesischen Polizei gesagt haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass eine Gruppe hinter den Anschlagsplänen steckt.

Der im Libanon gefasste mutmaßliche Bahn- Bombenleger Dschihad Hamad weist nach Angaben aus libanesischen Sicherheitskreisen die Vorwürfe zurück: "Ich bin ein unschuldiger Mann. Ich habe keine Angst", soll der 20-Jährige demnach erklärt haben, als er sich der Polizei in Tripoli stellte. Hamad habe ruhig und gefasst gewirkt.

Auch seine Eltern des zweiten mutmaßlichen Kofferbombers´nehmen ihren Sohn vor den Anschuldigungen in Schutz, er sei an zwei Anschlagsversuche in Koblenz und Dortmund beteiligt. "Mein Sohn ist ein Universitätsstudent und hat nichts mit diesen Dingen zu tun", sagte Schahid Hamad sichtlich verärgert der Nachrichtenagentur Reuters im libanesischen Tripoli.

Er habe seinen 20-jährigen Sohn an die libanesischen Behörden übergeben, nachdem er erfahren hatte, dass er in Deutschland gesucht wurde. "Mein Sohn ging wegen seiner ausgezeichneten Noten nach Deutschland zum Studium. Ist es denn möglich, dass er innerhalb von sechs Monaten ein al-Kaida-Anhänger wurde?", fragt Hamad. Sollte dem jedoch so sein, wolle er den Sohn nicht mehr sehen.

Die Mutter des Verdächtigen, Buschra Hamad, bezeichnete den 20-Jährigen als sehr schüchtern. "Wird etwa jeder zum Terroristen, der zum Studieren nach Europa oder Amerika geht?" fragte sie. "Ist jeder Moslem, der nach Europa oder Amerika geht, ein Terrorist?" Sie werde ihren Kindern raten, das Beten aufzugeben und nicht mehr zur Schule zu gehen, fügte sie sarkastisch hinzu. "Ich will, dass sie Atheisten und Analphabeten werden." Ihren Angaben zufolge ist der Festgenommene das älteste ihrer sechs Kinder.

Umstände der Festnahme sind unklar

Die genauen Umstände der Festnahme im Norden des Libanon sind allerdings unklar. Abweichend von der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe sagten libanesische Sicherheitsbeamte der AP, Anti-Terror-Einheiten hätten nach Hamad auf Grund der Fahndung über Interpol gesucht. Im Haus seiner Familie in der nordlibanesischen Stadt Akkar hätten sie ihn nicht angetroffen. Ohne nähere Angaben zu machen erklärten die Beamten, Hamad sei nach Tripoli gelockt und dort festgenommen worden. Die Bundesanwaltschaft erklärte dagegen, Hamad habe sich auf Grund des großen Fahndungsdrucks selbst den Behörden gestellt.

Der 20-Jährige, der zuletzt in Köln gewohnt hatte, war dreieinhalb Wochen nach den gescheiterten Bahn-Attentaten gefasst. Die Generalbundesanwaltschaft bemüht sich um seine Auslieferung. Allerdings habe es laut Bundeskanzlerin Angela Merkel noch keine entsprechenden Signale seitens der libanesischen Behörden gegeben. Merkel sei aber zuversichtlich, dass das Verfahren angesichts der guten Kooperation mit dem Libanon einen richtigen und guten Weg gehen werde, wie sie sagte.

Hamad wird von Deutschen im Libanon verhört

Beamte der Bundesanwaltschaft wollten nun sofort nach Beirut reisen, um den Beschuldigten zu vernehmen und mit den libanesischen Behörden die Auslieferung zu erörtern. Mit dem Libanon besteht kein entsprechendes Abkommen. Auf der Basis internationaler Vereinbarungen ist aber eine Auslieferung grundsätzlich möglich.

Bei der Durchsuchung von Hamads Kölner Wohnung waren laut Griesbaum zwei Belege über den Kauf von Gasflaschen sowie Kabel und Klebeband gefunden worden. Noch sei unklar, ob es sich um jene Art von Gasflaschen handelt, die in zwei Regionalzügen explodieren sollten. Hamad wird daher vorgeworfen, zusammen mit dem bereits festgenommenen 21-jährigen Youssef Mohamad aus Kiel für zwei misslungene Bombenattentate auf Regionalzüge nach Dortmund und Koblenz verantwortlich sein. "Der Beschuldigte steht im dringenden Verdacht, den "Bombentrolley" im Regionalzug RE 10121, der den Hauptbahnhof Köln um 12.51 Uhr verlassen hatte, deponiert zu haben", sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Die Bomben detonierten nur wegen eines technischen Fehlers nicht.

Auch wenn die beiden mutmaßlichen Täter geschnappt sind, ermittelt die Bundesanwaltschaft weiterhin gegen eine terroristische Vereinigung. Sie gehe nicht nur hypothetisch von einer solchen Gruppierung aus, sagte der Bundesanwalt Rainer Griesbaum. Einen genauen Name wollte er allerdings nicht nennen.

Erleichterung bei Merkel und Steinmeier

Über die Festnahme des zweiten mutmaßlichen Bahn-Attentäters haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier erleichtert und zufrieden geäußert und die Zusammenarbeit mit dem Libanon gelobt. "Natürlich freut mich erstens, dass diese Form von internationaler Kooperation stattfindet, dass sie so effektiv ist und ganz besonders, dass der Attentäter gefasst ist", sagte Steinmeier.

Merkel hat die Festnahme als Erfolg bezeichnet. Die umfangreiche Fahndung nach dem Mann habe dazu geführt, dass er sich im Libanon gestellt habe, sagte die CDU-Vorsitzende dem Sender N24. "Ich halte das für einen sehr, sehr großen Erfolg unserer Dienste, unserer Behörden, die intensiv auch kooperiert haben mit ausländischen Institutionen." Sie sei sehr erleichtert darüber. Die Gefahr sei nicht vom Tisch gewesen solange nicht auch der zweite Mann gefasst worden sei.

Hamads mutmaßlicher Komplize sitzt nach Informationen der Nachrichtenagentur DPA derzeit in Berlin-Moabit in Untersuchungshaft. Der Libanese war in Kiel gefasst worden und werde in der Außenstelle des Bundeskriminalamtes am Treptower Park verhört, hieß es.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters