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Berlin vertraulich! Der Krawattenk(r)ampf geht weiter


Müssen die Schriftführer im Bundestag Krawatte tragen? Oder, ersatzweise, Fliege? Grüne und Linke wollen sich dem Diktat nicht beugen. Eine politmodische Betrachtung.
Von Hans-Peter Schütz

Krawatten-K(r)ampf: Der "Krawattenkampf" im Bundestag geht gnadenlos weiter. Linkspartei und Grüne und Teile der SPD sind finster entschlossen, sich dem pauschalen Zwang zum Tragen von derartigem Halsschmuck zu entziehen, wenn sie als Schriftführer eingeteilt sind und neben dem Parlamentspräsidenten sitzen. Linke und Grüne wollen nur Oben ohne antreten. Angezettelt hat den Schlipszwang bekanntlich der Obmann der insgesamt 42 Schriftführer, der CDU-Abgeordnete Jens Koeppen. Das Bundestagspräsidium unter Vorsitz des Präsidenten Norbert Lammert (CDU), sagt er, habe die Aktion vergangene Woche nachdrücklich gebilligt. Nähere Auskunft über die Abstimmung wird allerdings verweigert. Es kann aber nur eine Kampfabstimmung gewesen sein, denn die Vizepräsidentinnen Petra Pau (Linkspartei) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne) lehnen den Schlipszwang ab. Jetzt geht der Streit weiter. Denn Koeppen fordert "eine Krawatte oder dem Entsprechendes." Eine Fliege genüge auch, um die Würde des Hauses zu wahren, heißt es im Büro Lammert. Dagegen protestieren Grüne und Linke, schließlich sei der Langbinder ja vom Sonnenkönig Ludwig XIV zur Dienstkleidung gemacht qeworden. Jetzt warten alle darauf, dass einer mit einem Palästinensertuch antritt.

Der grüne Jürgen Trittin lästert: "man darf in Deutschland ohne Krawatte Karstadt retten, aber nicht im Bundestag Schrift führen. Das ist absurd." Uli Maurer, Links-Parteibeauftragter für die Ost-West-Integration, spottet: "Da verwechselt wohl jemand den Bundestag mit der Fashion Week oder versucht sich als Lobbyist für die Krawattenproduzenten. Die Stil-Ikonen des Bundestags müssen nun hoffen, dass das Parlament niemals am Donnerstag vor Fasching tagt. An Weiberfastnacht würde es einsam um den Präsidenten im Plenum werden." Koeppen hingegen bleibt eisern im Krawattenkrieg: "Niemand geht doch auch im T-Shirt und in Sandalen zu einer Beerdigung." Ein bisschen Würde im Bundestag müsse schon sein. Allerdings: Selbst Koeppen räumt im Gespräch mit stern.de ein, dass Frauen vor 50 Jahren im Bundestag größte Probleme bekommen hätten, wären sie, wie es Angela Merkel gewöhnlich tut, im Hosenanzug zur Regierungsbank marschiert. Auch Renate Künast trägt nur Kleidung, die neuerdings für "plenarsaaltauglich" gehalten wird. Heißt: Ein Kleid trug sie zuletzt vor zirka 20 Jahren.

Niemals eine Krawatte wird auf jeden Fall der grüne Mannheimer Abgeordnete Gerhard Schick tragen. Erstens besitze er gar keine, gestand er stern.de und zweitens genüge er sowieso allerhöchsten politmodischen Ansprüchen. Sein Wahlkampfslogan laute schließlich "Grün ist Schick!"

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Kilo-K(r)ampf: Für Verblüffung der Journalisten hat jetzt Peter Altmaier gesorgt. Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion kreuzte dieser Tage mit kühner Behauptung zum ersten Hintergrundgespräch mit der Presse im neuen Jahr auf. "Ich hoffe, dass sie mich noch wieder erkannt haben," sagte er, "denn ich bin seit vier Tagen auf Diät." Auch er habe wie viele Bundesbürger gute Vorsätze für das Jahr 2011 gefasst. Heute erlaube er sich allerdings eine Diät-Pause, strahlte der 130-Kilo-Mann ins Publikum, und biss mit gutem Appetit in die vor ihm aufgebauten Schinken- und Lachsbrötchen. Was wiederum von den Pressebengels spöttisch mit dem Hinweis kommentiert wurde, sie wüssten jetzt, weshalb Altmaier keine Journalisten mit auf seine jüngste Reise nach Afghanistan mitgenommen hätte: Weil er nicht öffentlich machen wollte, dass es der Bundeswehr nicht gelungen sei, eine passende Splitterschutzweste für Altmeiers Leibesfülle aufzutreiben.

Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel weilte am Hindukusch ohne Presse, Fotos von ihm mit Schutzweste waren nicht zu sehen. Reiste Gabriel, auch genannt "Siggi Knuddelbär", als Genosse Undercover, weil für ihn ebenfalls keine passende Schutzweste vorhanden war? Kaum vorstellbar, denn Gabriel hat, ebenso wie Altmaier, ein ausgeprägt lockeres Verhältnis zu seinem leiblichen Volumen. So berichtete Gabriel dieser Tage seinen Genossen von Generalsekretärin Andrea Nahles, nachdem er mit ihr unmittelbar vor der Geburt ihrer Tochter gesprochen hatte. Es gehe der Genossin gut, meldete Gabriel, auch wenn Andrea ihm gestanden habe, sie habe Probleme mit ihrem Körperumfang. Der SPD-Boss tröstete die Genossin mit dem Satz: "Andrea, ich weiß genau wovon du redest!"

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Was Gabriels Ernährung betrifft, befindet sich der SPD-Chef neuerdings ohnehin auf Reformkurs. Über die Grünen pflegte er in Vergangenheit gerne als "Bionade-Schlürfer" zu spotten. Das lässt er bleiben, weit die SPD in Hamburg auf dem rot-grünen Koalitionstrip ist. Beim jüngsten Treffen des SPD-Präsidiums in Hamburg, wo auch der SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz mit am Tisch saß, wurde Bionade und nicht Bier serviert. Geschmacksrichtung Holunder. Wie die Genossen betonen, enthielt die Bionade keinen Schwarzen Holunder sondern Roten Holunder.


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