HOME

Berlin vertraulich!: Ernst und die pinkelnden Genossen

Die Linkspartei ist bei der NRW-Wahl so richtig abgeschmiert. Warum, wieso, weshalb? Parteichef Ernst trug im Vorstand eine Analyse vor, die es in sich hat.

Von Hans Peter Schütz

In der FDP wird noch immer gerätselt, wie es geschehen konnte, dass sich der (Noch)-Parteichef Philipp Rösler plötzlich mit Wolfgang Kubicki duzt. Schließlich hatte der Schleswig-Holsteiner gelästert, die FDP habe als Marke "generell verschissen" - und zwar zu einem Zeitpunkt, als Rösler bereits Parteichef war. Und jetzt Kuschel-Duzi? Die Annäherung vollzog sich am Rande des jüngsten Karlsruher FDP-Bundesparteitags. Man erörterte in einer Bar, einigermaßen gelockert, die Lage der FDP. Rösler war da, auch Kubicki, der zuvor mit stehendem Applaus von den Delegierten gefeiert worden war. In der Runde duzten sich alle. Daraufhin sprach Kubicki Rösler mit der Bemerkung an, der könne ihm ja auch das Du anbieten, wenn er das wolle. Rösler blieb da praktisch keine Wahl: Er musste seinem Chefkritiker Kubicki das Ja schenken. Was beweist: Auch in sehr privaten Fragen ist Kubicki dem Parteichef strategisch überlegen.

*

Es wird nicht leicht werden für Rösler an der FDP-Spitze nach der NRW-Wahl und dem Erfolg von Christian Lindner. Eine derzeit in Berlin kursierende Anekdote illustriert das. Steht eine FDP-Bundestagsabgeordnete an einem Bier-Stehtisch und redet energisch auf ihr Gegenüber ein. Als ein FDP-Kollege dazu tritt, sagt die Dame: "Ich verteidige gerade unseren Vorsitzenden Rösler." Antwortet der Kollege entschuldigend: "Dann will ich auf keinen Fall stören." Und dreht ab.

*

Wie ist die Situation der Linkspartei nach der Schlappe in NRW und wer ist schuld? Parteichef Klaus Ernst hat im Vorstand eine Analyse abgeliefert, die trotz vereinbarter Vertraulichkeit eifrig kolportiert wird. In Anspielung auf die ewigen Personalquerelen und Streitereien sagte Ernst: Zur ungeschönten Erkenntnis der Lage müsse man sich ein Schwimmbad vorstellen, in das so lange reingepinkelt werde, bis es stinkt. Und die Pinkler stünden auf dem Dreimeterbrett, damit alle zusehen könnten. Und nicht nur das, fuhr Ernst fort, die Pinkler hätten obendrein die Presse dazu eingeladen, ihre urinöse Selbstbeschäftigung zu Lasten der Partei publik zu machen. Vor dem Hintergrund dieser Beschreibung ist es verständlich, dass sich Ernst dringend die Rückkehr von Oskar Lafontaine in die Parteiführung wünscht. Auch im Vorstand wurde Ernsts Analyse voll akzeptiert. Die Kollegen hätten allesamt gelacht wie seit Monaten nicht mehr.

*

Dass der Hauptstadtflughafen entgegen der Planung erst mit mehrmonatiger Verspätung in Betrieb genommen werden kann, beherrschte diese Woche natürlich die Schlagzeilen der Berliner Medien. Die Überschrift, die die Berliner am meisten erheiterte, fand sich in der "Taz". Sie stellte das Ereignis unter die Überschrift: "Berlin kriegt keinen hoch." Echt Berliner Schnauze.