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Berlin vertraulich!: Kennt Bilkay Öney das Wort "Schwertgosch"?

In Baden-Württemberg tritt Bilkay Öney, eine gebürtige Türkin, das Amt der Integrationsministerin an. Doch zunächst muss sie sich selbst integrieren - und Schwäbisch lernen.

Von Hans Peter Schütz

Bilkay Öney, die neue Integrationsministerin von Baden-Württemberg, passt im Prinzip wie politisch maßgeschneidert in die grün-rote Kabinettsmannschaft. Sie kennt beide Seiten en detail, da sie bis 2009 noch bei den Berliner Grünen war und dann - ohne Streit - zur SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus wechselte. Was die grün-rote Landesministerin noch lernen muss: nicht länger über sich zu sagen "Ich bin eine Rot-Grüne." Und lernen muss sie natürlich Schwäbisch. Das könne sie nicht, räumt sie ein. Eine Sprachprüfung, wie Einwanderer aus der Türkei sie ablegen müssen, wollen die Genossen ihr allerdings ersparen. Aus gutem Grund, sagt Peter Friedrich, ihr Ministerkollege im grün-roten Kabinett.

Auch deutschgebürtige "Zuwanderer" im Schwabenland wüssten in aller Regel nicht, dass "Schwertgosch" für "kesse Lippe", "laufen" im Schwäbischen für "gehen", das Wort "Fuß" fürs ganze Bein stehe. Unbekannt ist auch Nicht-Türken, dass man im Schwäbischen Wald nur verstanden wird, wenn man Englisch spricht und für "fünf" five sagt. Und wer kenne schon die schwäbische Wurstsorte mit "U" - nämlich "Uffschnitt"? Friedrich räumt ein, jetzt von der geborenen Türkin eine "Schwertgosch" zu verlangen, gehe einfach zu weit: "Schwäbisch ist sogar für uns Badener eine Herausforderung."

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Einen kleinen Sprachkurs hingegen hat der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann bereits genommen. Er fragte die Ministerin Öney, wie sich ihr Name korrekt ausspricht. Im Übrigen verblüffte die neuschwäbische Türkin ihr Publikum mit Detailkenntnissen über Stuttgart, die Frauen ihres Alters kaum bekannt sein dürften. Sie ordnete den Namen Hansi Müller unverzüglich einem Stuttgarter Balltreter mit Bundesliga-Niveau zu, der einst dem VfB Stuttgart zugearbeitet hat. Denn als kleines Mädchen war Bikay Öney einst unsterblich in Hansi verliebt gewesen. Was beweist: Sie passt maßgeschneidert in ihre neue politische Heimat!

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Und wozu auch Schwäbisch schwätze. Der Vize-Ministerpräsident Nils Schmid spricht schließlich auch Türkisch, wenngleich mit schwäbischem Akzent. Seine Ehefrau Tülay stammt schließlich aus der Türkei. Und Bikay Öney soll erst als Integrationsministerin zugesagt haben, nachdem Schmid seinen Wunsch auf Türkisch vorgetragen hatte.

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Mein Gott, wenn ein Hans Karl Filbinger all das noch hätte erleben müssen! Der CDU-Politiker Wolfgang Schäuble war auch in dieser Frage seiner Partei weit voraus. In den jungen türkischstämmigen Deutschen der dritten Generation stecke großes Potenzial, sagte er schon vor drei Jahren. Man müsse nur vernünftig damit umgehen. Schäubles Antwort auf die Frage, ob ein Türke Kanzler werden könne? "Wenn Sie einen deutschen Staatsbürger mit Migrationshintergrund, etwa aus der Türkei meinen: Ja, warum denn nicht!"

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Bekanntlich möchte die grüne Bundestagsabgeordnete Renate Künast im Herbst bei der Wahl des neuen Abgeordnetenhauses den derzeitig Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit ablösen. Das dürfte ihr trotz des Aufwinds, in dem sich die Grünen derzeit nach oben bewegen, nur gelingen, wenn ihr nicht immer neue Fehlleistungen unterlaufen. Eine war zum Beispiel, dass sie einmal angekündigt hat, Berlin müsse endlich mehr Tempo-30-Zonen bekommen.

Das ist schon längst der Fall: Bei Staatsbesuchen stehen die Berliner mit ihren Autos sowieso nur noch im Stau herum, weil so viele Straßen gesperrt sind. Noch gefährlicher indes war der Text auf ihrer Facebook-Seite, mit dem sie dem Berliner Bundesligisten Hertha BSC zum Wiederaufstieg in die Bundesliga gratulierte: "Ich freue mich, dass der Aufstieg geschafft ist. Ich mag die Bodenhaftung, mit der sich der Verein in dieser Saison präsentiert. Das sollte Herta sich bewahren." Künast dürfte sich nicht ärgern, wenn die Herta-Fans künftig ihre Mails an sie mit Renate Künast adressierten.

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Personelle Fakten zu schaffen, fällt der FDP-Führung derzeit schwer. Umso eifriger produziert sie kühne personelle Gerüchte. Das jüngste geht so: Auf dem nächsten Dreikönigstreffen in Stuttgart werde man mit Rösler statt Brüderle als Wirtschaftsminister antreten, Generalsekretär Lindner wird als Bildungsspezialist im Kabinett gehandelt und der Europa-Abgeordnete Alexander Graf Lambsdorff als neuer Außenminister.

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Zusammen mit CDU-Ministerpräsident Mappus beendet auch sein Medienberater Dirk Metz kommenden Mittwoch seinen Vertrag in der baden-württembergischen Landesregierung vorzeitig. Das ist bitter für Metz, der ja auch lange Hessens Ministerpräsidenten Roland Koch gedient hat, der ebenfalls politisch vorzeitig ausgeschieden ist. Hat Metz also versagt? Wohl kaum, denn wenn ein Politiker den Haudrauf geben will wie Mappus, dann kann ihn auch Medienberatung nicht vor sich selbst schützen. In der baden-württembergischen CDU sieht man den Abgang von Metz gelassen: Früher habe man eben ein "Cleverle" (Lothar Späth) als Ministerpräsident gehabt, bis vor kurzem leider ein "Dummerle" - daran könne auch der beste Medienberater nichts ändern.