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Berlin vertraulich!: Partygeschwätz und Partybosheiten

Sommerpause in Berlin. Die Abgeordneten sind in die Ferien gefahren, um sich für den Wahlkampf aufzumöbeln. Mehr als hundert von ihnen werden nicht noch einmal kandidieren. Alle zusammen haben jetzt aber noch einmal auf den Partys der Hauptstadt getratscht und getankt.

Von Hans Peter Schütz

Schon im Normalfall ist die letzte Sitzungswoche des Bundestags vor der Sommerpause purer Stress. Tagsüber Parlament, am Abend Sommerfeste, Sommerfeste, Sommerfeste. Dieses Jahr kam noch hinzu, dass der Bundestag Nachtschichten einlegen musste, um das politische Restprogramm zu absolvieren. Viele Volksvertreter pendelten bis zum nächsten frühen Morgen zwischen Parlament und Party. Entsprechend bleich die Gesichter je näher das Wochenende kam, denn im politischen Berlin muss man beides absolvieren.

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Denn auch auf Sommerfesten wird Politik gemacht. Zumindest wird auf ihnen signalisiert, wer gut im Geschäft ist. Messgröße Nummer eins: Die Kanzlerin. Auf dem Sommerfest der niedersächsischen Landesvertretung war sie überhaupt nicht. Eine Ohrfeige für Christian Wulff. Beim Sommerfest der Hessen erfreute sie Roland Koch mit 20 Minuten Präsenz. Das reichte für ein Gläschen Weißburgunder von der hessischen Bergstraße. Für die "Stallwächterparty" der baden-württembergischen Landesvertretung, genannt die "Spätzle-Botschaft", erübrigte sie 33 Minuten und 18 Sekunden, womit sich CDU-Ministerpräsident Günther Oettinger als klarer Sieger beim Ringen um die Gunst der Kanzlerin fühlen durfte.

"Angela, vielen Dank", schwärmte Oettinger, der sich nicht sicher gewesen war, ob ihn ein Gunstbesuch der Kanzlerin ereilen würde, da er sich in den vergangenen Wochen mehr als einmal den Zorn der Parteichefin zugezogen hatte. Merkel frech grinsend: "Ich möchte mich bedanken für die gute Zusammenarbeit." Kurze Pause. Dann: "Leichte Irritationen eingeschlossen." Die Gästeschar gröhlte schadenfroh entzückt. Einen ersten Härtetest habe sie bestehen müssen, gestand die Kanzlerin. Sie sei bei ihrem Eintreffen gefragt worden, ob sie badischen oder württembergischen Wein trinke. Sie habe sich für badischen entschieden, sagte die regierende bekannte Weintrinkerin. Noch ein Ohrfeiglein für den Schwaben Oettinger. Länger reden wollte Merkel nicht. Den Grund nannte sie auch: "Sonst wird mir nachgesagt, wir könnten alles außer Hochdeutsch."

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Beim "Sommerbiwak" der Mittelständler musste Merkel sich mit einem Dönerschwert selbst was abschneiden vom Döner-Spieß. Es klappte gut, denn sie habe schon vor einem Jahr hierfür geübt, gestand sie. "Sie helfen Deutschland aus der Krise", rief sie den Mittelständlern zu, die natürlich begeistert waren. Star auf dem Hoffest der SPD war Peter Struck, der sich mit Hut und Sonnenbrille mit dem Blues-Brother-Klassiker "Jailhouse Rock" produzierte. Den schönsten Partydialog danken wir Guido Westerwelle und Claudia Roth. Den FDP-Chef schwärmte die Grüne mit dem Satz an: "Deinen Mann, den find ich so toll!" Westerwelle: "Ja, aber den kriegst du nicht!" Roth traurig: "Das weiß ich doch!"

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Geklatscht wird bei diesen Gelegenheiten natürlich auf Teufel komm raus. Ein besonders schönes Stück gab es auf der "Stallwächterparty" zu hören. Der Chef der Spätzlebotschaft, Minister Wolfgang Reinhart, soll zu Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gesagt haben: "Wir müssen unbedingt mal wieder zusammen essen gehen." Wiedekings Antwort wird wie folgt kolportiert: "Essen muss ich schon, aber nicht mit ihnen."

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Kein Klatsch, sondern sichere Nachrichten lieferten Journalisten ab, die zuvor mit dem baden-württembergischen CDU-Fraktionschef Stefan Mappus drei Tage durch Baden-Württemberg gereist waren. Seine Kernbotschaft über die CDU: "In der Union ist niemand mehr da, der Gas geben kann." Sein Kommentar zu Merkel: "Ihr einziges Ziel ist die Möglichkeit filigran zu arbeiten und keine Spuren zu hinterlassen." So sorgsam achte sie darauf, dass "sie nicht einmal mehr meine Briefe beantwortet." Nicht viel respektvoller waren die Sätze, die Oettinger den Journalisten zum Besten gab. "Merkels Ziel ist es, ohne Wahlkampf den Wahltag zu erreichen." Die Frage, "was wir nach der Wahl wollen, ist bisher nicht beantwortet". Und wenn das "schlecht ausgeht, dann müssen wir eine andere Frage beantworten: ob es auch ohne Merkel geht".

Gut, dass die Kanzlerin nicht gehört hat, wie die Schwaben da mal wieder über sie hergezogen waren. Bestimmt wäre sie nicht zur "Stallwächterparty" gekommen.