Berlin vertraulich! Schily und Glos können nur Verteidigung


Was macht eigentlich Otto Schily? Nichts, außer seine Pfründe zu verteidigen, wie einige seiner Genossen munkeln. Diäten und Nebenverdienste etwa. Wirtschaftsminister Michael Glos dagegen sorgt sich um seinen Posten, denn viele in der Union meinen, er könne nur Verteidigung.

Manche in der SPD halten Ex-Bundesinnenminister Otto Schily für einen "Diäten Abzocker." Nichts tue er mehr im Bundestag, außer seine jährlichen Diät von 84.000 Euro zu kassieren. Und außerdem weigert sich der Mann, mit dem die bayerische SPD noch 2005 angetreten ist, Nebeneinkünfte in Höhe von angeblich 140.000 Euro gegenüber dem Bundestagspräsidenten offen zu legen. Jetzt boykottiert er auch noch seine bayerischen Genossen rüde, denen er seine Karriere bis hinauf ins Ministeramt verdankt und die ihn solidarisch aufgenommen haben, als er nach seinem Wechsel von den Grünen zur SPD auf der Hinterbank im Bundestag zu versauern drohte. Für den kommenden Wahlkampf legte die SPD-Landesgruppe ein Büchlein auf, in dem jeder Abgeordnete mit Konterfei schildert, was ihm wichtig ist. Schily produziert sich darin mit Foto und dem Titel "Bundesinnenminister a.D." Was will er noch politisch? Rein gar nichts. Die bayerischen Genossen waren ihm keine einzige Zeile Text wert. Unter Schilys Konterfei grüßt eine leere weiße Seite.

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Michael Glos (CSU) bekennt sich zwar neuerdings dazu, dass sein Haar ergraut ist und färbt nicht länger. Aber im Hause des Bundeswirtschaftsministers weist man die Anfrage brüsk zurück, ob dies auf die Tatsache zurückzuführen sei, dass Glos dieser Tage immer wieder als Wechselkandidat vom Wirtschaft- ins Verteidigungsressort gehandelt worden ist für den Fall, dass Roland Koch nach Berlin wechseln sollte. Das macht Glos rasend, denn im Klartext heißt das natürlich: Koch versteht mehr von Wirtschaft, Glos kann nur Verteidigung. "Unser Minister geht garantiert nicht in dieses Ressort", versichern die Glos-Vertrauten. Muss er wohl auch nicht, denn Kanzlerin Angela Merkel wird Koch keinesfalls in ihr Kabinett entsorgen. Sie heiße schließlich nicht Gerhard Schröder. Der hatte bekanntlich Hans Eichel in seine Berliner Ministerriege geholt, nachdem der in Hessen abgewählt worden war.

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Abgesagt hat Glos übrigens eine Ende Januar geplante Dienstreise nach Mexiko. Offiziell heißt es, dies sei mit Rücksicht auf Merkel geschehen, die im Mai eine große Südamerikareise antritt. Die inoffizielle Wahrheit geht so: Erstens hätten sich nicht genügend deutsche Unternehmer für die Glos-Begleitung interessiert. Zweitens hätten sich lediglich zwei Journalisten für eine Mitreise gemeldet. Drittens habe Mexikos Staatspräsident keinen Termin für den deutschen Besucher frei gehabt.

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Eine Gerücht aus Baden-Württemberg beunruhigt derzeit die Berliner FDP. Es besagt, dass der ehemalige stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Walter Döring wieder in die Politik zurückkehren wolle. Er beabsichtige, sich auf dem Listenparteitag der Südwest-Liberalen im kommenden November um einen Platz auf der FDP-Liste zu bemühen. Das löste mittleres Entsetzen bei Birgit Homburger, Mitglied des FDP-Präsidiums und FDP-Landesvorsitzende, aus, die auf keinen Fall ein Comeback Dörings dulden will. Sondiert haben soll Döring auch eine Kandidatur fürs EU-Parlament. Zu diesem Zweck habe er bei der EU-Abgeordneten Silvana Koch-Mehrin vorgefühlt. Die Liberalen fürchten vor allem Dörings Talent als Redner, mit dem er durchaus einen Listenparteitag auf seine Seite ziehen könne. Dabei ist er wegen uneidlicher Falschaussage vor Gericht mit neun Monaten Haft auf Bewährung vorbestraft und zu 20 000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Allerdings: Vorstrafen sind in der FDP noch nie ein Karrierehindernis gewesen. So wurde Otto Graf Lambsdorff zwar wegen Steuerhinterziehung verurteilt, konnte jedoch dennoch FDP-Vorsitzender werden. Müsste da nicht auch Döring eine Chance bekommen?

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Abgebrannt ist Bundestags-Vizepräsident Hermann Otto Solms (FDP), der eigentlich Hermann Otto Prinz zu Solms-Hohensolms-Lich heißt und sein Domizil in einem Nebengebäude des väterlichen Schlosses im hessischen Örtchen Lich hat. Die Wohnung der Familie Solms, eingebaut im ehemaligen Schweinestall, geriet durch einen heiß gelaufenen Trafo einer Lichterkette im Zimmer seiner drei Mädchen in Brand. Mit 100 Mann rückte die Feuerwehr an, leider zu spät. Gelassen beobachtete Solms zusammen mit seiner Tochter Lilly den Brand. Der Papa tröstete sie: "Uns ist nichts passiert. Alles andere ist ersetzbar." Während der Renovierung der niedergebrannten Wohnung zog die Familie in eine kleine Drei-Zimmer-Wohnung und Solms tröstete seine Frau: "Alles hat sein Gutes. So kommt man sich wieder näher." Wenn Solms Recht hat, dann hat er Recht.


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