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BLUTBAD: Selbstmord nach Amoklauf

Ein 20-jähriger Amokläufer hat im oberbayerischen Eching zwei Ex-Kollegen erschossen und hält sich seitdem in einer Schule im nahen Freising verschanzt.

Ein Amokläufer hat am Dienstag in der Nähe von München nach Angaben der Polizei in einer Firma und einer Schule drei Menschen erschossen und sich danach vermutlich selbst das Leben genommen.

Der 22-jährige Mann sei tot in einer Freisinger Schule gefunden worden, wo er zuvor den Schulleiter erschossen hatte, teilte Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) nach einer mehrstündigen Großfahndung am Einsatzort mit. Es sei noch unklar, ob er sich selbst erschossen habe oder durch Rohrbomben ums Leben gekommen sei, die er gezündet hatte. Ein weiterer Lehrer sei durch einen Wangenschuss verletzt worden.

Amokläufer tötet zwei Ex-Kollegen

Der 22-jährige Mann war nach Angaben der Polizei gegen 07.45 Uhr in Bundeswehr-Tarnkleidung in die Räume einer Dekorationsfirma in Eching im Norden Münchens eingedrungen und hatte mit einer großkalibrigen Waffe zwei leitende Angestellte erschossen. Er habe vermutlich aus Rache gehandelt, da er vor kurzem von dieser Firma entlassen worden sei, sagte ein Polizeisprecher. Wenig später fuhr der Mann mit S-Bahn in seine frühere Wirtschafts- und Fachoberschule im Nachbarort Freising, um offenbar gezielt den Schulleiter zu töten, wie Beckstein bekannt gab. Nähere Einzelheiten wollte die Polizei auf einer Pressekonferenz am Mittag mitteilen.

Der Schüler Stefan Grüter berichtete, er habe gerade Religionsunterricht gehabt, als es plötzlich Geschrei und Feueralarm gegeben habe. Was genau passierte sei, habe er nicht mitbekommen. Ein Lehrer habe aber plötzlich einen Wangenschuss erlitten. »Das kennt man ja nur aus dem Fernsehen. Dass sowas an seiner eigene Schule passiert ist unfassbar«, sagte der 15-Jährige.

Großfahndung blieb zunächst erfolglos

Um den Aufenthaltsort des Amokläufers hatte es zunächst Rätsel gegeben, nachdem der Täter in dem Schulgebäude verschwunden war. Eine Großfahndung der Polizei mit Spezialkräften und mehr als 100 Polizisten blieb zunächst erfolglos. Die Polizei riegelte den Tatort in der Kreisstadt ab und evakuierte die Schule, die der Täter nach Angaben der Polizei einst besucht hatte.

Beamte führten mehrere hundert Schüler zum Teil im Schutz von Panzerwagen weg und warnten Anwohner vor dem Gewalttäter. Über dem Gelände kreisten zwei Polizeihubschrauber. »Mir hat man gesagt, dass ich mich zwischen Autos verstecken soll«, berichtete der 22-jährige Brauwirtschaft-Student Christoph Turek, der gegenüber dem Schulgelände in einem Wohnheim lebt.

Besorgte Angehörige und Freunde von Schülern und Lehrern des Freisinger Schulzentrums kamen zum Unglücksort und erkundigten sich nach dem Schicksal ihrer Freunde. »Da ist eine Freundin von mir drin, das ist natürlich kein gutes Gefühl«, sagte die 17-jährige Angelika Leipelt und blickte auf das Schulgebäude. Ein 33-jähriger Lehrer sagte, seine Frau, die ebenfalls als Lehrerin auf der Schule arbeitet, habe ihn auf dem Handy angerufen und davor gewarnt, zur Schule zu kommen.

Die Polizei evakuierte die Gebäude. Für Eltern und Angehörige richteten die Behörden ein Informationszentrum ein.