BND-Erkenntnisse Attentatsgefahr in Deutschland "realistisch"


Das Terrornetzwerk al Kaida hat zunehmend Nordeuropa und damit auch Deutschland im Visier. Nach Erkenntnissen des Bundesnachrichtendiensts ist die Gefahr eines Anschlags durch eine al-Kaida-Gruppierung in den Maghreb-Staaten auf deutschem Boden zunehmend realistisch.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat vor einer wachsenden Terrorgefahr durch Islamisten aus Nordafrika gewarnt. Die unter der Bezeichnung "Al Kaida im islamischen Maghreb" firmierende Gruppierung könne zu einer Bedrohung für Europa werden, sagte Geheimdienst-Chef Ernst Uhrlau bei einem BND-Symposium am Donnerstag in Berlin.

Schon heute seien europäische Individualreisende im gesamten Sahel-Gebiet durch die Extremisten gefährdet, sagte Uhrlau. Hauptstoßrichtung des al-Kaida im Maghreb seien aber die Staaten Nordeuropas. Somit sei auch die Gefahr eines Attentats in Deutschland gestiegen. "Die Möglichkeit eines Anschlags auf ein 'weiches' Ziel, also zum Beispiel auf nicht geschützte Infrastruktur, ist durchaus realistisch", sagte Uhrlau dem "Hamburger Abendblatt".

"Tatvorbereitungswerkzeug" Internet

Bisher habe die Organisation zwar noch keine strategische Entscheidung getroffen, ihre Anschläge auf das europäische Festland auszudehnen, so Uhrlau weiter, doch schon seit Ende 2006 habe sie ihr Zielspektrum in Nordafrika auf westliche Interessen erweitert. In Europa treffe al Kaida unter Einwanderern auf eine starke Sympathisantenszene. In ihrer Vorgehensweise gleiche sich die Gruppe immer mehr dem des ursprünglichen Terrornetzwerkes an und verübe zunehmend auch Selbstmordanschläge.

Uhrlau warnte zudem davor, dass das Internet offensichtlich zunehmend als "Tatvorbereitungswerkzeug" diene. Al Kaida nutze die neuen Medien geschickt, um eine globale islamische Massenbewegung in Gang zu setzen.

Al Kaida sei heute dezentraler und umfasse Mitglieder aus mehr Ländern als zu Anfang des Jahrzehnts, sagte Uhrlau. Das Terrornetz "hat damit bessere Rekrutierungsmöglichkeiten." Zudem beobachteten die Sicherheitsbehörden verstärkt die Rekrutierung von Konvertiten und in Deutschland aufgewachsenen Muslimen. Diese seien dank einer Ausbildung in Lagern im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet immer besser untereinander vernetzt. "Das ist anders als vor dem 11. September 2001", sagte der BND-Chef. "Die Gefährlichkeit liegt heute in der Vielfalt der infrage kommenden Angriffsziele und in den Gruppen, die innerhalb Europas Anschläge begehen wollen und können. Die Ziele sind variabel."

Reuters/AP AP Reuters

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