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Bundeswehr in Afghanistan: Kampfpanzer sollen Taliban einschüchtern

"Wer in das Kanonenrohr eines Leopard 2 schaut, überlegt sich zwei Mal, ob er eine deutsche Patrouille angreift": Mit markigen Worten hat sich der designierte Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus in die Debatte um die Ausrüstung der Bundeswehr in Afghanistan eingeschaltet.

Nach den blutigen Kämpfen von Kundus am Karfreitag ist die Debatte über Ausrüstung und Ausbildung der Bundeswehr in Afghanistan voll entbrannt. Ex-Militärs fordern unter anderem mehr Kampf- und Transporthubschrauber, Aufklärungsdrohnen und Artillerieunterstützung. Der neue Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, setzt sich für den Einsatz von schweren Kampfpanzern und Mörsergranaten ein. Die Bundeswehr sollte einige der Leopard-2-Kampfpanzer nach Kundus schaffen, die in Deutschland in Depots stehen, verlangte der FDP-Politiker im "Tagesspiegel".

Der Leopard 2 sei besser gegen Minen geschützt als leichtere Panzer wie der "Marder" oder Patrouillenfahrzeuge wie der "Dingo" und habe zudem eine abschreckende Wirkung gegen Taliban-Angriffe, so Königshaus. "Wer in das Kanonenrohr eines Leopard 2 schaut, überlegt sich zwei Mal, ob er eine deutsche Patrouille angreift", meinte der Wehrbeauftragte, der sein neues Amt als Nachfolger von Reinhold Robbe am 1. Mai antreten wird.

Der Bundeswehr stehe in Afghanistan nicht alles Gerät zur Verfügung, das sie zum eigenen Schutz brauche, befand Königshaus. So fehlten neben gut geschützten Fahrzeugen Hubschrauber, Mörsergranaten und moderne Aufklärungssysteme. Das Fehlen deutscher Hubschrauber könne allerdings durch amerikanische Maschinen ausgeglichen werden.

Vorgänger kritisiert mangelnde Gefechtsausbildung

Auch Robbe hatte auf das Fehlen von Fluggerät aufmerksam gemacht, in erster Linie aber das Training der Bundeswehrsoldaten für Gefechtssituationen als unzureichend kritisiert. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz, sagte, man werde den Vorwürfen nachgehen. Als "militärische Laien" müssten sich Politiker allerdings auf das Urteil des Militärs bei der Frage verlassen, was an Ausrüstung gebraucht werde.

Vor allem Ex-Militärs halten das Material, mit dem die Bundeswehr in Afghanistan agiert, für unzureichend. Der frühere Planungschef im Verteidigungsministerium, Ulrich Weisser, sagte der "Bild"-Zeitung, es sei inakzeptabel, dass die Bundeswehr in Afghanistan nicht über einen einzigen Kampfhubschrauber verfüge: "Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden."

USA helfen mit Kampfhubschraubern aus

Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold sagte der "Leipziger Volkszeitung", er fordere bereits seit längerem Kampfhubschrauber. "Es wäre wünschenswert gewesen, wenn der Verteidigungsminister mit unseren Partnern eine Lösung gesucht hätte." Allerdings fügte er hinzu, dass sich die Situation in Kundus bald durch Unterstützung der USA verbessern könnte. "Wenn die Amerikaner ihr Kontingent in Kundus verstärken, gedacht sind bis zu 2000 Mann, dann bringen sie auch das entsprechende Gerät wie Kampfhubschrauber mit."

Deutschland und Frankreich haben gemeinsam den Kampfhubschrauber vom Typ Tiger entwickelt, der allerdings wegen technischer Probleme von der Bundeswehr noch nicht eingesetzt wird. Bei den Gefechten am Freitag wurden auch zur Bergung der Toten und Verletzten US-Hubschrauber vom Typ Black Hawk eingesetzt, die von den Taliban massiv beschossen wurden.

Der frühere Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) forderte seinen Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auf, einen Rat ehemaliger Generalinspekteure der Bundeswehr einzuberufen. Erfahrene Ex-Militärs sollten mit einbezogen werden in die Diskussion um eine bessere Bewaffnung der Bundeswehr in Afghanistan, sagte Rühe der "Bild"-Zeitung.

joe/APN/DPA / DPA