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Bundesweite Streiks: Kitas ab Freitag dicht

Die Erzieher und Sozialarbeiter haben genug: Ab Freitag gehen sie in einen unbefristeten Ausstand, bei dem bundesweit Kindertagesstätten und Sozialeinrichtungen lahmgelegt werden sollen. Die Streikenden wollen damit einen Gesundheitstarifvertrag bei den Arbeitgebern durchsetzen.

Kitas und Sozialeinrichtungen werden ab Freitag deutschlandweit bestreikt. In einer Urabstimmung sprachen sich 89,9 Prozent der Verdi-Mitglieder für Arbeitsniederlegungen aus, wie die Gewerkschaft am Donnerstag mitteilte. Erforderlich waren 75 Prozent. Schwerpunkte der Streiks sollen zunächst Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Hessen und Bremen sein. Am 18. und 19. Mai soll dann auch in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und im Saarland gestreikt werden.

Die Mitglieder der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) stimmten mit knapp 93 Prozent für den Arbeitskampf. Die Urabstimmung war am Mittwoch vergangener Woche gestartet und an diesem Mittwoch abgeschlossen worden.

"Mit diesem Ergebnis haben die bei Verdi organisierten Erzieherinnen, Sozialpädagogen und Sozialarbeiter deutlich gezeigt, dass sie bereit sind, für einen Gesundheitstarifvertrag zu kämpfen, um bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen", sagte Bundesvorstandsmitglied Achim Meerkamp. Die Beschäftigten ließen sich nicht länger von den Arbeitgebern hinhalten. Diese hätten die Verhandlungen immer wieder verzögert und damit den Streik provoziert.

Am Freitag werden laut Verdi die Städte Dortmund, Duisburg, Mainz, Kiel und Kassel besonders betroffen sein. Schwerpunkte am 18. und 19. Mai sollen insbesondere München, Nürnberg, Stuttgart, Mannheim, Hannover und Saarbrücken sein. In Frankfurt am Main soll am 19. Mai eine große Kundgebung stattfinden. "Geld und Atem für den Arbeitskampf werden sehr, sehr lange reichen", hatte Verdi-Chef Frank Bsirske vor Bekanntgabe des Ergebnisses erklärt.

Um die Eltern auf Kita-Schließungen vorzubereiten, habe Verdi in den vergangenen Tagen Elternbriefe verteilt, in denen man auf die Streiks hingewiesen habe: "Die Eltern zeigen großes Verständnis für die Forderungen unserer Kolleginnen und Kollegen. Sie wissen, dass eine Aufwertung des Berufes wichtig ist und dass bessere Arbeitsbedingungen der Erzieherinnen und Sozialarbeiter auch ihren Kindern zu Gute kommen", sagte Meerkamp. "Damit helfen sie, den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen."

Die Gewerkschaften fordern für die etwa 220.000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst neben einer höheren Eingruppierung vor allem bessere Arbeitsbedingungen: Der physische und psychische Druck habe für die Erzieher, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen zugenommen, das Gehalt habe sich wegen neuer Eingruppierungssysteme in den vergangenen Jahren hingegen verschlechtert, kritisieren sie. Verdi und GEW hatten die Verhandlungen über den neuen Gesundheitstarifvertrag Ende April für gescheitert erklärt. Nun soll das "Instrument zur Beseitigung krank machender Arbeitsbedingungen" mit Streiks durchgesetzt werden. An einem Warnstreik am 6. Mai hatten sich nach Gewerkschaftsangaben 19.000 Beschäftigte beteiligt.

AP / AP