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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: CDU - die ausgetrocknete Partei

Die CDU hängt personell am Tropf. Hinter Angela Merkel kommt nicht viel. Ein trauriges Fazit vom Parteitag in Köln.

Von Axel Vornbäumen

Kleines Experiment, meine Damen und Herren, liebe Christdemokraten und Politik-Interessierten. Wir begrüßen Sie heute morgen recht herzlich aus der Messehalle in Köln-Deutz, zu unserem wichtigsten Auswärtsspiel. Und hier unsere Mannschaftsaufstellung für die nächsten zwei Jahre. Mit der Nummer Eiiiiinss: Angelaaaa ...

Das war leicht, oder? Wir sparen uns hier aus Platz- und übergeordneten Gründen die Auflösung. Wer das nicht weiß, darf sich gerne weiter unten auf unserer Homepage das niedliche Katzenvideo oder das neue Heino-Video anschauen. Bitte sehr, viel Spaß damit und tschööö. Ach ja, danke für den Klick bis hierher.

Aber jetzt, liebe Unionisten, die Nummer zwei: Juuuuuliaaa ... ? Die Drei: Unser Volker ... ? Mit der Vier, unsere Hoffnung aus Düsseldorf - Armin ... ? Die Fünf: Thomas ... ? Und unsere Nummer sechs: Ursuuulaaaaa, Röschen ... ?

Am Smartphone mitgemurmelt? Bei allen? Wiiirklich? Das langt für 125.000 Euro bei Jauch oder ein Gästeticket für den nächsten CDU-Parteitag, Cappuccino in der Vorhalle, dort, wo die Lobbyisten stehen, inklusive. Gefühlte 95 Prozent der deutschen Bevölkerung aber - und da sind die mit Migrationshintergrund schon freundlicherweise rausgerechnet - können mit der Stellvertreterriege von Angela Merkel nichts anfangen. Klöckner. Bouffier, Laschet, Strobel, von der Leyen, das ist, bis auf die mit dem schlechtesten Ergebnis ausgestattete Verteidigungsministerin, eine Combo für den politischen Feinschmecker. Nachfolger von Angela der Größten - im Geist vielleicht, aber nicht im Ernst. Ganz im Ernst.

Die ewige Kanzlerin

Nichts wurde in diesem zweieinhalb Tagen von Köln so deutlich wie die Tatsache: Hinter der ewigen Kanzlerin, die den Laden zusammen- und die Sozis von den Fleischtöpfen fern hält, fließt mittlerweile ein langer, ruhiger Fluss der Minderambitionierten. Der Teich, aus dem geschöpft werden kann, sollte Merkel irgendwann mal die Brocken hinschmeißen, trocknet zunehmend aus. Hätte David McAllister in Niedersachsen die Wahl nur mit einer Stimme gewonnen, wäre die Nachfolgefrage im Prinzip schon geklärt, unkte kürzlich mal einer von den CDU-Granden, denen es in diesen Tagen in Köln auch nicht so überragend gut ergangen ist. Das Problem: McAllister hat aber nicht. Seit seiner Niederlage dreht der präsentable Deutsch-Schotte lautlose Ehrenrunden in Europa. Was er da genau macht? Kriegt kaum einer mit. Und: Wer McAllisters Performance in Köln gesehen hat, den ereilen profunde Zweifel, ob die Theorie denn überhaupt stimmen kann.

Im kleinen CDU-Führungszirkel in Berlin wächst in der Tat die Sorge. Denn insbesondere in den Ländern verirrt man sich schnell bei der Suche nach christdemokratischen Hoffnungsträgern, seit die Generation Rüttgers-Wulff-Koch-Mappus in den Sack gehauen hat, jeder auf seine Weise. Zwar erlebt der eigentlich stramme Konservative Volker Bouffier in Hessen gerade als Frontmann einer Schwarz-Grünen Koalition mit sichtbarem Spaß seinen dritten Frühling. Von Merkel wurde er in Köln auch ausdrücklich gelobt. Aber dass man Bouffier in Berlin für anspruchsvollere Aufgaben vorsehen könnte, als die, einen vernünftigen Eindruck beim Bundespresseball zu hinterlassen, ist nun doch ein bisschen viel verlangt.

Der Rest? Welcher Rest? Bei der Suche nach jemandem, der mit Wohlwollen als Political Animal durchgeht, braucht man schon ein Fernglas. Im fernen Saarland erzielte die dortige Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer im nachrichtenarmen Sommer ein Zwischenhoch an der Gerüchtebörse als potenzielle Überraschungsnachfolgerin für Merkel. In Köln verhaspelte sie sich bei ihrem Bashing von SPD-Chef Sigmar Gabriel, er hätte neulich im Bundestag den Liedermacher R(!)olf Biermann umarmt und nun die Linken. Inzwischen macht AKK nur noch Schlagzeilen, weil sie sich vorstellen kann, ihr Bundesland abzuschaffen.

Null Hoffnung aus Länderebene

Und im Osten? Also bitte. In Sachsen regiert Stanislaw Tillich, in Sachsen-Anhalt ein Mann, der auch schon mal Krawatte zum Halbarm-Hemd trägt. Das sagt alles.

Alles? Nein. Noch nicht. Es ist jetzt 9.52 Uhr Echtzeit in Köln - dass Sie diesen Text erst jetzt lesen, dafür machen Sie bitte nicht den Autor verantwortlich, der schreibt so schnell er kann, schneller ist er nun mal nicht - jedenfalls ist da vorne gerade ein Mann am Pult zugange, der folgendermaßen beginnt: "Der Parteitag kann nicht zu Ende gehen, ohne dass ich mich Ihnen vorstelle: Ich bin Guido Wolf aus Baden-Württemberg".

Der Mann, die personifizierte Steigerungsform von Blässe, sagt, er wolle Ministerpräsident werden. Ganz ehrlich? Es wird einem fast warm ums Herz. Wolf? Guido Wolf? Wenn diesem Guido Wolf aus Baden-Württemberg das in Baden-Württemberg tatsächlich gelingen sollte, dann sage niemand mehr in diesem unseren Lande, dass Aufstieg nicht möglich wäre ...

Axel Vornbäumen wurde auf dem Parteitag noch ein zweites Mal warm ums Herz - als auf dem Parteiabend die Höhner "Echte Fründe stonn zesamme" sangen. Dem Autor kann man auf Twitter folgen unter @avornbaeumen.