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CDU-Parteitag: Leise Sehnsucht nach Edmund Stoiber

Grußworten des CSU-Vorsitzenden haben schon viele CDU-Parteitage bibbernd entgegengesehen. Ob Strauß, ob Stoiber - sie haben der Schwesterpartei stets am liebsten gezeigt, wo in der Union der Hammer hängt. In Bayern natürlich. Mit Erwin Huber gab es auf dem CDU-Parteitag in Hannover keinen Ärger. Brav war er.

Von Hans Peter Schütz

Früher, da marschierten die CSU-Vorsitzenden auf CDU-Parteitagen ein. Mit Bugwelle, umringt von Leibwächtern, geschoben von Kamerateams, betätschelt von Bewunderern. Das waren Auftritte. Mir san mir. Vorbei. Als jetzt der neue CSU-Chef zum CDU-Parteitag kommt, merkt es fast keiner. Wer ist der kleine Herr im dunklen Anzug, mit dem adretten roten Einstecktüchlein, den Angela Merkel auf die Bühne geleitet? Ach ja, das ist der Huber Erwin.

Irgendwie ein netter Kerl. Klatscht brav als Volker Kauder, der Fraktionschef der CDU/CSU, dem Parteitagsaffen Zucker gibt. "Große Koalition ist nicht schön. Aber es ist schön, dass wir wieder regieren können." Huber patscht zweimal, ziemlich matt und müde, schließlich ist er erst in der Nacht zuvor von einer Afghanistan-Reise zurück gekommen. Hingeduckt sitzt er neben Merkel, die pausenlos auf ihn einredet. Antwortet erkennbar nur kurz, blickt hinunter ins Plenum, als sei er ein bisschen nervös vor seiner Premiere als CSU-Boss bei der CDU. Vielleicht denkt er zurück an jene Parteitage, auf denen Edmund Stoiber den Christdemokraten einbläute, welchen Unsinn sie etwa bei der Gesundheitspolitik wieder mal machten. Oder wie Franz Josef Strauß zweistündige Grußworte auf die Schwesterpartei abschoss, bis sich kein Widerstand mehr regte. Huber hat das als CSU-Generalsekretär noch selbst erlebt. Und wie sich die CDU-Delegierten zu rächen pflegten, indem sie demonstrativ Applaus verweigerten.

Ist irgendwie nett, dieser Huber Erwin

Nichts von alledem provoziert Erwin Huber. Artig serviert er dem Parteitag Einfach-Botschaften. "Wir dürfen der SPD nicht trauen", mahnt er. Da lässt sich natürlich leicht klatschen. Macht der CDU Komplimente: "Manchmal ist es wirklich gut, eine Große Schwester zu haben." Da freuen sich die Delegierten, die ansonsten miteinander schwatzen und simsen. Ist irgendwie nett, dieser Huber Erwin, der unentwegt am Rednerpult ruckelt und sich daran mit beiden Armeen auf die Zehenspitzen zieht, als wolle er die ihm fehlenden Zentimeter Körpergröße vergessen machen.

Natürlich erinnert er daran, dass die CSU sich das Betreuungsgeld für Kinder, die zuhause erzogen werden, nicht ausreden lässt, auch wenn viele in der CDU nichts davon halten. Huber ruft: "Es kann nicht sein, dass das Betreuungsgeld als Herdprämie herabgesetzt wird." Da blicken die Delegierten kurz interessiert nach oben. War das jetzt der Höhepunkt?

Eigentlich schon. Was lässt sich schon dagegen einwenden, wenn der CSU-Gast ruft "Wir sind eine Wertegemeinschaft" oder bekennt "Wir sagen Ja zur Heimat." Die große Linie der kleinen Schwester, die Huber zieht, sie stimmt ja aus der Einbahnsicht der CDU auf diesem Parteitag: "Wir wollen den Erfolg der Regierung Merkel!" Na also! Ist doch artig, dieser Niederbayer. Sagt sogar: "Für die Kanzlerin Merkel wird die CSU kämpfen." Da klatscht sogar Angela Merkel. Zum ersten Mal. Und für den Schlusssatz "Wir werden gewinnen, weil wir gewinnen wollen, weil es ums Vaterland geht" tätschelt sie ihm sogar dankbar den Rücken. Brav gemacht, Erwin!

Bei Strauß und Stoiber wars doch nicht so schlecht

Erwin Huber redet 40 Minuten zum CDU-Parteitag. Es sind gefühlte 80 Minuten. Man spürt die leise Sehnsucht, die sich an den Tischen in der Parteitagshalle ausbreitet: Ach, bei Strauß, beim Stoiber - irgendwie wars doch nicht so schlecht. Der hessische CDU-Abgeordnete Jürgen Gheb wendet sich an die Journalisten und spottet: "Nicht wahr, da hättet ihr mich lieber reden hören!" Der CDU-Parlamentarier Klaus Riegert, als Mannschaftsführer der Bundestags-Fußballmannschaft auf Fairness bedacht, sagt es freundlicher: "Es war ja erste Mal. Der Huber wird sicher von Jahr zu Jahr besser werden."