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Und jetzt ... Django Asül: Schöner reisen mit Westerwelle & Mronz

Aufregung um Westerwelle und Gatte Mronz - müssen die gemeinsam über den Planeten kurven? Aber ja, schreibt der bayerische Kabarettist Django Asül in seiner neuen stern.de-Kolumne.

Die FDP entwickelt sich immer mehr zum DFB der Politik. Ein bisschen Schmuddel, ein bisschen Orientierungslosigkeit und ein bisschen sehr viel operative Hektik machen sich breit in der Partei, die aus Versehen in der Regierung gelandet ist. Sie geriert sich wie eine Oppositionspartei und kapiert darüber hinaus nicht, dass Opposition auf Bundesebene immer schon Sache der CSU war. Imagemäßig schadet dieses generelle Missverständnis sowohl der FDP als auch der CSU.

Dabei täte ihnen ein Blick hinüber zu den Grünen gut. Die Grünen zeigen eindrucksvoll, wie moderne Oppositionspolitik aussieht: Einfach mal ein paar Monate die Klappe halten - und schon haut es einen in Umfragen auf 15 Prozent. 55 Prozent der Deutschen wiederum geben der FDP die Schuld, dass Deutschland neben Afghanistan und Kongo eine regierungsfreie Zone ist. Langsam macht sich sogar Amerika Sorgen und versteht nicht, wieso sich Frau Merkel so einen Koalitionspartner aussucht. Vor allem vermisst die einstige Supermacht ein beherztes Eingreifen. Die renommierte US-Zeitschrift Newsweek bezeichnet Merkel sogar als Zeitlupen-Kanzlerin. Was natürlich eine Beleidigung für jede Zeitlupe ist.

Die FDP - unter der Lupe

Mit der Lupe beobachtet fühlt sich zudem neuerdings die FDP. Allen voran Hartz-IV-Minister Westerwelle. Er hält es für eine Unverschämtheit, dass andere es für eine Unverschämtheit halten, dass sein Freund ihn auf den schönen Auslandsreisen begleitet. Angeblich nutzt die Ministerdauerbegleitung die Trips für eigene Geschäfte. Das ist ein böses Foul. Denn dem Manager geht es nicht um Umsatz, sondern um die Kinder. Sagt er selber. Dass er ein Herz für Kinder hat, beweist schließlich auch seine Zuneigung zu Herrn Westerwelle. Bei der aktuellen Südamerika-Tour ging es ihm nur darum, vor Ort Kinder zu tätscheln in wohltätiger Absicht. Herr Westerwelle dagegen betont, dass er im Ausland selber gern getätschelt wird und deshalb auf seinen Lebensabschnittspartner nicht verzichten will. Zudem bezahlt der Tätschler vom Dienst seine Reisen selber. In Zahlen: Eine Woche Südamerika mit First Class-Flug und Spitzenhotels für 1000 Euro. Das hat nichts mit spätrömischer Dekadenz zu tun, weil die Alitalia damals schon streikgebeutelt war und keine Südamerikaflüge im Angebot hatte.

Aber nur 1000 Euro für so eine Luxusreise sind vernünftig kalkuliert und beweisen, dass die ausländischen Hotels die Mehrwertsteuersenkung im Übermaß an die Gäste weiterreichen. Dafür sollte die Westerwelle-Entourage nicht gegeißelt, sondern belohnt werden.

Soziale Brandstiftung? Nicht mit Mronz!

Eigentlich müsste der Manager die Reiseplanung der gesamten Bundesregierung übernehmen, um die überbordenden Kosten auf ein erträgliches Maß zu drücken. Und wenn er nebenbei auch noch die Minister tätschelt, sorgt das sicher für atmosphärische Fortschritte in der sonst heillos zerstrittenen Bande. In einem Statement zum Thema Tätschelgatte sagte Westerwelle, dass sich Herr Mronz über soziale Probleme in den entsprechenden Regionen informiert und sich dafür engagiert. Damit hat Guido seinen Gegnern nicht nur Wasser, sondern einen ganzen Ozean auf die Mühlen gekippt. Alle Welt unterstellt der FDP soziale Brandstiftung. Und dann kommt Westerwelle daher und behauptet, sein privater Reiseführer würde sich nicht GEGEN, sondern FÜR soziale Probleme engagieren. Kein Wunder, wenn jetzt so ziemlich jeder pauschal Westerwelles Kopf fordert. Wie soll da noch sein Parteigenosse und Gesundheitsminister Rösler die Kopfpauschale durchsetzen? Der muss sich ohnehin gegen viele Stammtischvorurteile (Brauchen wir einen Chinesen als Gesundheitsminister?) behaupten.

Pyrrhussieg der Kopfpauschalisten?

Dabei ist die Kopfpauschale aus liberaler Sicht äußerst sozial. Schließlich bedeutet das ja im übertragenen Sinne, dass die Krankheit eines Armen genauso viel wert ist wie die eines Reichen. Außerdem steht die Kopfpauschale in der Koalitionsvereinbarung. Die CSU aber sieht den Koalitionsvertrag theologisch nicht bindend. Die Abmachungen darin sind laut CSU-Allzweckgrätsche Markus Söder nicht die zehn Gebote. Aus heutiger Sicht ist es auch mehr als verständlich, dass der Herrgott die zehn Gebote nicht Frau Merkel anvertraut hat. Sie hätte erst mal pro Gebot eine Kommission eingesetzt, um eine Machbarkeitsstudie einzusetzen. Bis die ein brauchbares Ergebnis präsentiert hätten, wäre das Land der Verheißung zum Weltkulturerbe geworden.

Wenigstens die Krankenkassen haben einen Milliardenüberschuss erwirtschaftet. Die Leute werden scheinbar weniger krank, weil sie verstanden haben. Je kränker das Gesundheitssystem, umso gesunder das Volk. Für Rösler bleibt es aber schwierig. Er muss quasi das Ei des Kolumbus legen oder finden. Der Eid des Hippokrates bleibt ein teures Hobby. Und das Volk empfindet die Kopfpauschale als Schwert des Damokles. Bei der Überzeugungsarbeit kommt sich Rösler vor wie Sysiphos. Der Gewinner wird Pyrrhus sein. Wie immer in der Politik.