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Maaßen-Affäre: Kühnert-Andeutung im "heute-Journal" - ist Seehofer in vier Wochen nur noch Geschichte?

Ist der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer nur noch ein Parteichef auf Abruf? Juso-Chef Kühnert macht im "heute-journal" eine geheimnisvolle Andeutung. Seehofers eigene Leute rücken von ihm ab.

Horst Seehofer

Letzte Korrekturen am Manuskript? Horst Seehofer bei der Haushaltsdebatte im Bundestag

DPA

War da was? Wenn man das DPA-Interview mit Horst Seehofer vom Freitag liest, scheint es so, als könnte der Innen- und Heimatminister in diesen Tagen kein Wässerchen trüben. Migration, innere Sicherheit, die Ereignisse in Chemnitz - für Seehofer kein Grund zur Klage. Seine größte Sorge, so beschied er jovial: "Ich bräuchte mehr Hände, um mit Euch Journalisten fertig zu werden". Man hat beim Lesen gleich das charakteristische Schnauben im Ohr, mit dem Seehofer gerne Aussagen begleitet, die er für lustig hält.

In Wahrheit ist die Lage für den CSU-Vorsitzenden alles andere als kommod. Grund dafür ist insbesondere die Affäre um den Chef des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen. hatte sich - trotz massiven Drucks des Koalitionspartners SPD - nicht zu einer Entlassung Maaßens durchringen können. Im Gegenteil, der Verfassungsschutz-Chef genieße weiterhin sein Vertrauen, er habe einige Verschwörungstheorien widerlegen können, sagte Seehofer am Donnerstag im Bundestag.

Hat Seehofer sich zu früh auf Maaßens Verbleib festgelegt?

Doch was als Befreiungsschlag gedacht war, erweist sich für Seehofer als tückische Festlegung. Denn am Donnerstag nahm der Druck auf Maaßen nach einem Bericht des ARD-Magazins "Kontraste" über dessen Kontakte mit einem AfD-Abgeordneten noch einmal zu. Inzwischen, das wurde nach einem Krisentreffen zwischen Angela Merkel, Andrea Nahles und Horst Seehofer deutlich, macht die ihren Verbleib in der Koalition von Maaßens Ablösung abhängig.

Seehofers einziger Ausweg: Er muss darauf setzen, dass Maaßen von sich aus seinen Hut nimmt. Den Verfassungsschutz-Präsidenten jetzt noch zu entlassen, ist keine Option. Das würde wie ein Einknicken vor der SPD aussehen. Ein Signal der Schwäche - und das vier Wochen vor der Landtagswahl in Bayern, die für die zu einem Debakel zu werden droht. Laut aktuellen Umfragen dümpeln die Christsozialen bei 35 Prozent - dramatisch weit entfernt von der angestrebten absoluten Mehrheit.

Huber droht mit Konsequenzen

Längst sucht man in der Partei nach einem Sündenbock - und hat ihn offenbar in Seehofer gefunden. Wie sehr die Bayern-CSU inzwischen von ihrem Parteichef abgerückt ist, zeigt die unverhohlene Drohung des früheren Vorsitzenden Erwin Huber im Südwestrundfunk. Falls es bei der kommenden Landtagswahl ein "sehr negatives Ergebnis für die CSU" geben sollte, werde das dann "natürlich" auch personelle Diskussionen über Seehofer auslösen, polterte Huber. Das Erscheinungsbild der Bundespolitik und auch der CSU auf Bundesebene sei seit einem halben Jahr "miserabel". Beim CSU-Parteitag am Samstag in München werde Seehofer deshalb im persönlichen Gespräch gesagt werden, "dass die Disziplin auf der Bundesebene auch mit ausschlaggebend ist für das Landtagswahlergebnis".

Hellhörig macht auch das Interview von Juso-Chef Kevin Kühnert im "heute-Journal". Seinen Worten zufolge ist Seehofer nur noch ein Minister auf Abruf. Kühnert: "Ich glaube das Kapitel Horst Seehofer erledigt sich zu Ende Oktober. Es ist ausgemachte Sache, das weiß er auch selbst, dass er als Bauernopfer nach der bayerischen Landtagswahl, wo die CSU schlecht dasteht, gehen muss. Insofern: Das Theater wird sich bald von allein erledigt haben."

"Ausgemachte Sache", "das weiß er selbst" - das kling, als gebe es längst einen Masterplan, wie die Partei in Bayern mit ihrem in Ungnade geratenen Vorsitzenden umspringen will. Aber selbst wenn Kühnert nur ein paar subtile Spitzen abfeuern wollte: Allein die Tatsache, dass ein Juso-Chef gönnerhaft im Fernsehen über die künftige Verwendung des Vorsitzenden einer anderen Partei befindet, zeigt, wie angezählt Seehofer inzwischen auf seinem Posten ist.

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mit DPA-Material