CSU-Machtkampf Huber ruft Seehofer zum Einlenken auf


Der Machtpoker in der CSU geht in eine neue Runde: Ein Gespräch zwischen Noch-Parteichef Stoiber und Horst Seehofer um die Regelung der Nachfolge brachte keine Annäherung. Um eine Kampfabstimmung zu verhindern, hat Huber seinem Konkurrenten eine Zusammenarbeit vorgeschlagen - mit ihm als Vorsitzenden.

Der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber hat seinem Konkurrenten um den CSU-Vorsitz, Horst Seehofer, ein Angebot zur Verständigung gemacht. "Ich bin jederzeit bereit, mit allen Verantwortlichen über die Zukunft der CSU, über die Formen der Zusammenarbeit und Aufgabenverteilung zu reden", sagte Huber der Tageszeitung "Die Welt" laut Vorabbericht aus der Montagausgabe. Er biete dem Bundeslandwirtschaftsminister die Hand zur Zusammenarbeit. Huber bestand allerdings darauf, CSU-Chef zu werden. Er bitte Seehofer, "dass er als kompetenter Sozialpolitiker, als Bundesminister und stellvertretender Parteivorsitzender in diesen herausgehobenen Verantwortungen weitermacht".

Gespräch in der Staatskanzlei ergebnislos

In der Sitzung des CSU-Vorstandes ab 12 Uhr in München will das Führungsgremium die schwierige Lage erörtern, die nach der Ankündigung von Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber und Bundesagrarminister Horst Seehofer entstanden ist, beim Parteitag im September notfalls gegeneinander für den Vorsitz anzutreten. Ein Gespräch, das der scheidende CSU-Chef am Sonntag mit Seehofer führte, brachte keine wesentliche Annäherung. Stoiber rechnet vielmehr nicht mit einer ganz raschen Einigung. Seehofer hatte Huber und dem designierten Ministerpräsidenten Günther Beckstein am Wochenende unfaire Methoden bei der Nachfolgeregelung vorgeworfen.

Erwartet wird im CSU-Vorstand auch eine Diskussion über die erstmals von Beckstein geäußerte unverhohlene Kritik an Stoiber. Der Innenminister hatte gesagt, Stoiber sei auch auch an seinen eigenen Fehlern gescheitert. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos ließ indessen Zweifel erkennen, ob Stoiber tatsächlich wie angekündigt bis zum Herbst in seinen Ämtern bleibt.

Stoiber soll früher gehen

Führende CSU-Politiker legen dem scheidenden Parteichef und bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber nahe, seine Ämter früher als geplant aufzugeben. Es sei zwar der Wunsch Stoibers, bis Ende September im Amt zu bleiben, sagte Bayerns Innenminister Günther Beckstein der "Süddeutschen Zeitung". "Aber über zwei Monate weniger wird man sicherlich reden können." Beckstein will Stoiber als Ministerpräsident beerben. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hatte am Wochenende im Deutschlandfunk bereits nicht mehr ausgeschlossen, dass der Wechsel in München vorgezogen werden könnte. Die Überlegungen Stoibers seien "sicher noch nicht zu Ende", sagte der CSU-Politiker.

Seehofer in der Gunst der Wähler vorn

Nach einer Blitzumfrage liegt Seehofer im Kampf um den CSU-Vorsitz vor Huber. Laut einer infratest dimap-Umfrage vom Freitag und Samstag würden 39 Prozent der bayerischen Bürger für Seehofer und nur 23 Prozent für Huber als Parteivorsitzenden stimmen. Unter den CSU- Anhängern favorisieren sogar 41 Prozent Seehofer und 30 Prozent Huber. Wenn gestern (Sonntag) in Bayern Landtagswahlen gewesen wären, hätten 52 Prozent der Wahlberechtigten für die CSU votiert.

DPA/Reuters DPA Reuters

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