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Kommentar

Parteitag in München: Müde und betäubt: Was ist bitte los mit der CSU?

Ständiges Geplänkel mit Kanzlerin Angela Merkel und der CDU, Angriffe der AfD von rechts: Der CSU fehlt derzeit die Leichtigkeit. Über eine Partei, die mit sich selbst ringt.

Horst Seehofer beim CSU-Parteitag: Langeweile in Lounge-Atmosphäre

Horst Seehofer beim CSU-Parteitag: Langeweile in Lounge-Atmosphäre

Orangene und blaue Scheinwerfer tauchten die Münchner Messehalle in warmes Licht und verbreiteten wohlige Lounge-Atmosphäre, dazu kamen noch zwei längliche Reden des großen Vorsitzenden Horst Seehofer, die wie Selbstgespräche eines großen, aber eben nun auch deutlich gealterten Politikers wirkten: Die ganze Szenerie dieses CSU-Parteitages wirkte auf das Publikum sedierend und seltsam sauerstoffarm. Die Partei, die doch sonst so oft vor Kraft kaum laufen konnte – sie zeigte sich in München müde und wie betäubt.

Was ist los mit der CSU?

Knapp ein Jahr vor der Bundestagswahl geht es ihr nicht gut. Die Umfragewerte sind immer noch imponierend, aber sie sinken. Seehofer spricht zwar immer wieder über seine mögliche Nachfolge, bleibt aber bei nebulösen Andeutungen. Sein Machtkampf mit Markus Söder nervt inzwischen die ganze Partei.

"Schlacht auf Biegen und Brechen"

Mit der Kanzlerin hat sich Seehofer in der Flüchtlingsfrage überworfen; der Bruch wird wohl nie wieder zu kitten sein. Die CSU-Basis ist zu großen Teilen nicht mehr bereit, in einen weiteren Bundestags-Wahlkampf für eine Kanzlerin Merkel zu ziehen. Seehofers beschwörende Warnungen vor einer drohenden "Linksfront", also einer rot-rot-grünen Mehrheit 2017, können diese stille, aber hartnäckige Verweigerungshaltung des eigenen Parteivolkes nicht aufbrechen.

In München sprach der Parteichef von einer bevorstehenden "Schlacht auf Biegen und Brechen", er rief in die Halle: "Ich freue mich auf diesen Wahlkampf!". Aber mit dieser Vorfreude war er ganz offenkundig ziemlich allein.

Ungelöste Personalfragen, eine fremd gewordene Kanzlerin in Berlin, eine Mitgliedschaft, die immer noch wie traumatisiert wirkt vom großen Streit in der Flüchtlingspolitik, dazu eine AfD, die aggressiv von rechts nachdrängt – die CSU wirkt derzeit wie gelähmt und eingeschüchtert von der Vielzahl dieser Herausforderungen. Die Selbstzweifel nagen an ihr. Aber Selbstzweifel gehörten nun wirklich nie zum Markenkern der bayerischen Großpartei. Im Hadern mit sich selbst waren SPD oder Grüne immer sehr viel besser.

CSU-Parteitag zeigt: Das Sieger-Gen ist futsch

Zu "Leichtigkeit" und "Fröhlichkeit" hat Seehofer seine Partei in München aufgerufen und sie beschwört: "Die Menschen müssen schon irgendwie merken, dass wir gerne unterwegs sind als Politik." Seehofer hat immer eine untrügliche Witterung gehabt für die Seelenlage seiner Partei, er spürt die Gefahr: Der CSU fehlt die Leichtigkeit, das Mitreißende, das früher ihre großen Wahlkampagnen ausgezeichnet hat. Ihr ist, wenn man so will, das Sieger-Gen abhanden gekommen.

2017 sind Bundestagswahlen, ein Jahr später geht es in Bayern um die absolute Mehrheit. Die CSU wird ihr Sieger-Gen bald wieder für sich entdecken müssen. Sonst wird sie es in den Wahljahren 2017 und 2018 sehr, sehr schwer haben.