VG-Wort Pixel

Daniel Brunkhorst Der SPD-Maulwurf vom Parteikonvent


Über ein geheimes Blog wollte der Hannoveraner Juso-Chef Daniel Brunkhorst Vertraute mit Informationen aus dem SPD-Parteikonvent versorgen. Blöd nur, dass ein Genosse das Passwort twitterte.
Von Birgit Haas

Ja, es ist nicht leicht im #Neuland, auch nicht, wenn man mit Internet aufgewachsen ist. Nichts ist sicher, auch kein passwortgeschütztes Blog. Während einer geheimen SPD-Sitzung über die Koalitionsverhandlungen drangen über das Blog des Delegierten Daniel Brunkhorst Zitate Sigmar Gabriels und andere Pittoresken zum Ablauf der Veranstaltung nach außen. Der 29-Jährige muss sich nun bei den Genossen entschuldigen. Und bezeichnet die Aktion im Nachhinein als "blauäugig" und "bescheuert".

Der Vorsitzende der Jusos Hannover betreibt bereits seit Längerem ein passwortgeschütztes Blog auf der Plattform Tumblr. Darüber gibt er brandaktuell Infos an rund 30 bis 40 Vertraute heraus. "Etwa für Helfer im Wahlkampf, die ihre Freizeit für die Partei opfern und gerne wissen, was läuft und wie ich abstimme", sagt er. Das machten die meisten Delegierten, meint Brunkhorst, allerdings eher per Mail, SMS und dem Nachrichtendienst Whatsapp - was während Veranstaltungen oft in Stress ausarten würde. "Der Blog half mir alle über einen Kanal zu erreichen", sagt Brunkhorst stern.de.

So stand in seinem Blog etwa dieses Zitat von Parteichef Sigmar Gabriel: "Das wichtigste ist: Nichts machen, was die Partei spaltet." Oder "Heide (Wieczorek-Zeul, Anm. d. Red.) fordert ein Ende von Waffenexporten - soll nicht ins Papier, muss aber so passieren." Und sogar, dass Gabriel darum bittet, auf Twitter zu verzichten, weil immer wieder Interna aus der Parteispitze nach draußen dringen. Ironie des Schicksals.

Genosse twittert Passwort

Ein jüngerer Parteigenosse hielt sich nicht an das Verbot. Er fand das Blog so gut, dass er alle an den "Breaking News" Brunkhorsts teilhaben lassen wollte und twitterte das Passwort, das nach dem ehemaligen SPD-Bundeskanzler Willy Brandt "Willy" hieß. Ohne daran zu denken, dass es auf Twitter keine Privatsphäre gibt.

Brunkhorst wunderte sich während des Konvents, wieso die "Bild"-Zeitung so außergewöhnlich gut informiert über den Konvent berichtete. Bis der junge Kollege seinen Tweet gestand. "Bist du irre?", war Brunkhorsts erste Reaktion. Aber da war "das Kind bereits in den Brunnen gefallen". Sofort bat er darum, dass der Tweet gelöscht wird und stellte das Blog ein.

"Nicht-Öffentlichkeit hat Sinn"

"Ich bin kein Internetexperte", sagt Brunckhorst. Bis zu dem Vorfall sei er dafür gewesen, dass die Partei transparenter mit Informationen umgehe, um dem Bedürfnis junger Mitglieder gerecht zu werden. Von den Entscheidungen der eigenen Partei immer aus den Medien zu erfahren, mache einige unzufrieden. "Aber nun habe ich schmerzhaft lernen müssen, dass die Nicht-Öffentlichkeit einen Sinn hat."

In den nächsten Tagen wird er sich deshalb vor der Partei verantworten müssen. Der Juso hofft auf Welpenschutz. "Ich denke, in erster Linie wird es meinen Ruf als Krawall-Juso bestätigen."

Birgit Haas

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker