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DDR-Vergangenheit: Mörder ohne Leichen

Ein mutmaßlicher DDR-Auftragskiller soll 25 Menschen getötet haben. Konkrete Beweise fehlen jedoch: Bislang sind weder Leichen noch die mutmaßlichen Tatwaffen gefunden worden.

Der vor einer Woche in Brandenburg verhaftete mutmaßliche DDR-Auftragsmörder soll Magazinberichten zufolge mehr als zwei Dutzend Menschen umgebracht haben. Der "Spiegel" berichtete heute vorab, dass die Bundesanwaltschaft Jürgen G. Mord in 25 Fällen vorwerfe. Laut "Focus" gestand der 53-Jährige einem verdeckten BKA-Ermittler, zwischen 1976 und 1987 insgesamt 27 Menschen umgebracht zu haben. Bei den Vernehmungen nach seiner Festnahme habe der Mann jedoch sämtliche Vorwürfe bestritten, berichteten beide Magazine.

Den Berichten zufolge fehlen den Ermittlern konkrete Beweise, die den Mann mit möglichen Mordfällen in Verbindung bringen würden. Bislang seien weder Leichen noch die mutmaßliche Tatwaffe, eine sowjetische Makarow-Pistole, gefunden worden. Die Ermittler fahnden zudem nach vier weiteren Männern, die mit G. ein Kommando gebildet haben sollen.

Ein als CIA-Agent getarnter Ermittler kam ihm auf die Spur

Belastende Aussagen des vor der Festnahme im brandenburgischen Rheinsberg lebenden Mannes wurden den übereinstimmenden Berichten zufolge von einem verdeckten Ermittler des Bundeskriminalamtes (BKA) auf Tonband aufgenommen. Der BKA-Agent habe sich als CIA-Offizier ausgegeben und so getan, als würde er ihn für den US-Geheimdienst anwerben, schreiben die Magazine. Nach einer aufwendigen Abhöraktion seien schließlich genügend Beweise für einen Haftbefehl zusammengetragen worden, so dass ihn ein BKA-Kommando am vergangenen Montag an seiner Arbeitsstelle bei Rheinsberg festnahm. Zuletzt hatte der gelernte Installateur demnach bei einem Bootsverleih als Hausmeister gearbeitet.

Der Verdacht gegen G. nährt sich den Berichten zufolge auch aus dessen DDR-Biografie: So sei seine Meldekarte jahrelang gesperrt gewesen, von 1977 bis 1979 habe er in unbekannter Funktion für das DDR-Innenministerium gearbeitet. Nach der vermuteten Auflösung des Killerkommandos habe er von 1988 bis 1990 im Bezirksamt von Berlin-Treptow gearbeitet.

Früheren Medienberichten zufolge soll der Mann mindestens drei im Ausland lebende Regimegegner getötet haben. Laut "Focus" wurden einige Leichen womöglich in die DDR überführt und verbrannt.

Ost-Berliner Finanzminister möglicherweise ein Opfer

Laut "Spiegel" berichtete G., an der Ermordung eines früheren DDR-"Postministers" im Ostberliner Stadtteil Karlshorst beteiligt gewesen zu sein. Weil aber nie ein Postminister starb, mutmaßten die Fahnder nun, dass der frühere DDR-Finanzminister Siegfried Böhm gemeint gewesen sein könnte.

Böhm war am 4. Mai 1980 erschossen in seinem Haus in Karlshorst aufgefunden worden. Sein Tod war in der DDR offiziell als Unglücksfall dargestellt worden. Demnach war Böhm in einem Eifersuchtsdrama von seiner Ehefrau erschossen worden, anschließend erschoss diese sich selbst - laut "Spiegel" mit einer Makarow-Pistole. Die "Berliner Zeitung" hatte berichtet, dass die Bundesanwaltschaft hinter der Tat ein getarntes Komplott des Killerkommandos vermutet. Böhm sei als Sicherheitsrisiko angesehen geworden, nachdem er sich zuletzt kritisch über die DDR-Finanzpolitik geäußert habe.