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Der politische Abwasch der Woche: Immer auf die Omme - der Fall Rüttgers

Da schau her: Herr Rüttgers fährt in Düsseldorf vor. Und Herr Köhler in Afghanistan. Und überall riecht's nach Krieg. Zeit für den Abwasch.

Von Axel Vornbäumen

In Düsseldorf ist der eigentlich abgewählte CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers diese Woche mit dem Taxi zur ersten Kontaktaufnahme zur eigentlich chancenlosen aber gleichwohl wild ambitionierten SPD-Ministerpräsidentenkandidatin Hannelore Kraft vorgefahren. Wer sich auskennt mit der symbolischen Aufladung kleiner Alltagsgesten in eigentlich beschissenen Situationen, der weiß: Das will was heißen. Nein, angekrochen gekommen ist er nicht, der noch amtierende MP, aber doch so ein bisschen runter vom hohen Ross hin zu jener Frau, für die sein engster Vertrauter im Wahlkampf noch anempfohlen hatte, man möge ihr immer eins "auf die Omme" geben. "Die Leute wollen echte Schlachten!"

Moment, jetzt haben wir uns vertan. Das letztere Zitat war ja von einem Klitschko.

Zurück nach Düsseldorf. Politik ist kein leichtes Geschäft - und das, was sich da gerade abspielt, ist doch tatsächlich, hahahaha, der Versuch einer Regierungsbildung: Zwei, die nicht miteinander können, loten aus, wie sie den anderen bloß nicht zu nah an die Fleischtöpfe der Macht lassen können. Das Ganze zum vermeintlichen Wohle des ermatteten Volkes, das wieder mal zu blöd war, in eine eindeutige Richtung zu wählen. Wenigstens muss sich Rüttgers nicht von der DDR distanzieren.

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Streng genommen ist das schon die erfreulichste Nachricht aus einer politischen Woche, in der mal wieder einer aus dem Ruder gelaufen ist, von dem man noch vor kurzem gesagt hatte, er könne sich doch eigentlich auch mal wieder zu Wort melden, wenigstens so ein ganz kleines bisschen. Das hat Horst Köhler jetzt getan. Leider, nun ja, also, ähem - nicht so gut. Köhler hat den Afghanistaneinsatz mit deutschen Wirtschaftsinteressen verknüpft. Ein bisschen verkürzt, in etwas so: Dem Taliban immer eins auf die Omme, dann haben wir hier in Deutschland lange was davon, Öl oder was sonst noch in diesem Afghanistan so rumliegt! Gut, das ist jetzt, wie gesagt, ein bisschen verkürzt, aber auch nicht richtig böse gemeint - sondern: interpretiert. Jürgen Trittin, der Grüne, hält das, was Köhler da gesagt hat, schon für "Kanonenbootpolitik", aber die Grünen halten ja auch nix vom Präsidenten und sind dankbar, wenn der sich mal verhaspelt.

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Als Abwäscher der Woche ist man das, unter uns gesagt, natürlich auch. Fehler, Intrigen, Schwachmaten - wo man nur hinschaut. Das Abwaschwasser ist mal wieder ganz trübe geworden, und selbst die Gagenforderung des großen Claudio Abbado sorgt nicht so richtig für Aufklarung. Der Maestro hat verlangt, dass die Stadt Mailand 90.000 Bäume pflanzen solle, dann wird er wieder an die Philharmonie zurückkehren. 90.000 Bäume - das ist mal ne Forderung. Das wäre auch mal was für Ribéry oder Mourinho oder, na gut, Rüttgers. In Mailand gibt's jetzt erst mal Streit. Wohin auf die Schnelle mit 90.000 Bäumen? Und wahrscheinlich tut sich die Politik in dieser Frage mal wieder zusammen in ihrer ganzen Kleingeistigkeit. Ganz ehrlich? Manchmal wünscht man diesen ganzen Bedenkenträgern also wirklich mal so richtig eins auf die....