Deutschland/Polen Kleinkrieg auf deutschem Butterschiff


Offenbar haben zwei polnische Zöllner als Passagiere getarnt den gesamten Zigaretten- und Alkohol-Bestand eines deutschen Butterschiffs beschlagnahmen wollen. Der Kapitän hielt die Zöllner für mögliche Terroristen, die Reederei vermutet hinter der Aktion gar krumme Geschäfte.

Das deutsche Ausflugsschiff "Diana-Adler" passierte auf seiner üblichen Route die Insel Usedom Richtung Polen. Als das für 670 Passagiere ausgelegte Schiff in polnische Gewässer einfuhr, sollen nach Angaben des Kapitäns drei nicht uniformierte Personen Zutritt zu gesperrten Bereichen verlangt haben. Sie wiesen sich als polnische Zollbeamte aus. Die Besatzung hätte sämtliche Zigaretten und Spirituosen zusammenzustellen, das Schiff werde den polnischen Hafen Swinemünde anlaufen, wo die Ware konfisziert werde.

Die Beamten hätten ausschließlich polnisch gesprochen, nur Ausweise in polnischer Sprache vorgezeigt und konnten keinen Durchsuchungsbefehl vorlegen, heißt es in einer Mitteilung der Rederei. Der Kapitän hielt die Männer offenbar eher für Terroristen denn polnische Grenzschützer. Auf Anweisung der Reederei befolgte die Regeln des ISPS Codes, einer internationalen Sicherheitsvorschrift zur Verhinderung von Anschlägen auf Schiffe und Hafenanlagen. Die besagen in einem solchen Fall: Kurs Heimathafen.

Polnische Schnellboote versuchten vergeblich, die Adler Diana zurück in polnisches Hoheitsgebiet zu drängen. Nach Medienberichten sollen dabei Schüsse abgefeuert worden sein. Laut "Nordkurier" berichteten mehrere Crew-Mitglieder von Schüssen. Sie gingen von Maschinenpistolen- oder Gewehrfeuer aus. Andere Zeugen sprachen nach Angaben der Zeitung von Leuchtspurgeschossen. Die Reederei und die Bundespolizei bestätigten diese Darstellung nicht.

Die Bundespolizei kontrollierte nach dem Anlegen in Heringsdorf die Ausweise der polnischen Zöllner. Diese kehrten anschließend nach Polen zurück. Am nahen Grenzübergang Ahlbeck wurden sie von polnischen Sicherheitsbehörden in Empfang genommen. Der Stettiner Zollsprecher Janusz Wilczynski sagte der Ostesee-Zeitung, die polnischen Beamten seien an Bord der "Adler-Dania" an der Ausübung ihres Dienstes in polnischen Hoheitsgewässern gehindert worden. "Die deutsche Besatzung hat die polnischen Beamten gekidnappt." Jetzt ermittele die Stettiner Staatsanwaltschaft gegen den Schiffsführer. Er habe Signalraketen und das Grenzschutzboot der Polen ignoriert. Die "Adler-Dania" wurde inzwischen vom polnischen Grenzschutz auf die Liste der unerwünschten Schiffe gesetzt.

Die Insel- und Halligreederei Sven Paulsen mit Hauptsitz in Westerland auf Sylt stellte daraufhin am Mittwoch den erst vor drei Wochen aufgenommenen Verkehr zwischen Usedom und den polnischen Häfen Swinemünde und Misdroy wieder ein.

Die Reederei vermutet hinter dem Zwischenfall eine mögliche persönliche Bereicherung einzelner polnischer Zöllner. So hätten bereits im Sommer 2004 und Anfang Oktober 2006 polnische Zöllner rund 560.000 Zigaretten grundlos konfisziert. Die Rauchwaren mit polnischer Zollbanderole seinen nach Berichten von Augenzeugen in Privatautos mit Anhänger geladen worden. Weder habe es eine Stellungsnahme gegeben, noch hätte der polnische Zoll je ein Verfahren gegen die Reederei eingeleitet, hieß es. Lediglich mündlich sei mitgeteilt worden, dass die polnischen Zigaretten zu einem höheren Preis verkauft worden seien, hierdurch sei Polen ein finanzieller Schaden entstanden.

hl, dpa


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